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Grünen-Politiker legt Ämter nieder: Polizei erwischt Volker Beck mit Drogen

Nach Drogenvorwürfen legt der Grünen-Bundestagsabgeordnete Beck seine politischen Ämter nieder. Indirekt bestätigt er die Vorwürfe: "Ich habe immer eine liberale Drogenpolitik vertreten." Der 55-Jährige kündigt eine Erklärung seines Anwalts an.

Volker Beck
  • Beck wurde am 12. Dezember 1960 in Stuttgart geboren. Sein Studium der Kunstgeschichte, Germanistik und Geschichte beendete er ohne Abschluss.
  • Schon in den frühen 80er Jahren engagierte sich Beck bei den Grünen, nahm an der Friedensbewegung teil und machte sich für eine liberale Drogenpolitik stark. Bis Mitte der 90er Jahre war er außerdem Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft für Schwulenpolitik.
  • Seit 2014 war Beck bis zum 1. März 2016 Sprecher für Innenpolitik und Regionalpolitik der Grünen im Bundestag.
  • Der bekennende Homosexuelle lebte jahrelang mit seinem Partner Jacques Teyssier in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Teyssier starb 2009 an Krebs.

Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Grüne) soll von der Polizei mit Drogen erwischt worden sein. Das berichtet die Berliner Staatsanwaltschaft. Demnach sei der Politiker am Dienstagabend gegen 23 Uhr von Polizeibeamten in der Nähe des Nollendorfplatzes in Berlin-Schöneberg kontrolliert und mit Drogen erwischt worden.

Laut "Bild"-Zeitung sollen "bei ihm 0,6 Gramm einer betäubungsmittelsuspekten Substanz aufgefunden" worden sein. Es soll sich um Crystal Meth handeln. Beck sei nach der so genannten Personalienfeststellung wieder entlassen worden. Aus Polizeikreisen heißt es, er habe sich während der Kontrolle "kooperativ" gezeigt.

Beck bestätigte auf seiner Webseite und auf Facebook, alle politischen Ämter niedergelegt zu haben: "Hiermit stelle ich meine Ämter als innen- und religionspolitischer Sprecher meiner Fraktion und Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe, die mir die Fraktion verliehen hat, der Fraktion zur Verfügung." Beck bestätigte indirekt, dass Drogen der Grund für die Niederlegung seiner Ämter sein könnten. "Ich habe immer eine liberale Drogenpolitik vertreten." Zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen werde sein Anwalt "zu gegebener Zeit eine Erklärung gegenüber der Staatsanwaltschaft abgeben. Ich werde mich dazu öffentlich nicht einlassen".

"Wir nehmen die persönliche Entscheidung von Volker Beck mit Respekt zur Kenntnis und werden das Gespräch mit ihm suchen", erklärte die Parlamentsgeschäftsführerin der Grünen, Britta Haßelmann. "Zum Sachverhalt kann ich nichts sagen." Da gelte es, die Ermittlungen abzuwarten.

"Rechtfertigung ist unangebracht"

Crystal Meth
  • Crystal Meth ist ein weißes oder eingefärbtes kristallines Pulver. Man spricht von einer synthetischen Droge.
  • Sie wird zuerst zerbröselt, dann geschluckt, geraucht oder geschnupft.
  • Es soll aufputschen, euphorisch machen und wachhalten. Eingesetzt wird es vor allem in der Partyszene; es hebt das Lust- und Selbstwertgefühl.
  • Für die Nervenzellen ist Crystal hochgiftig. Sein Langzeitkonsum führt oft zu Nervenschäden, Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen, Zahnausfall, Herzproblemen, Hautentzündungen und Psychosen.
  • Die Wirkung kann bis zu eineinhalb Tagen anhalten. Dann folgt die Ernüchterung meist mit Schlaflosigkeit, Angstzustände und Depressionen.

Der CSU-Innenexperte Stephan Mayer sagte auf n-tv: "Ich war schon überrascht heute zu hören, dass unser Kollege Beck ganz offensichtlich in der Berliner Drogenszene unterwegs war. Zu begrüßen ist sein schneller und konsequenter Schritt, alle politischen Ämter zur Verfügung zu stellen, nicht zuletzt, um Schaden von den Grünen abzuwenden." Für das politische Berlin erwartet Mayer indes keine dramatischen Erschütterungen. Allerdings sei schon bemerkenswert, dass Beck den Rücktritt "mit seiner liberalen Drogenpolitik" rechtfertigt. "Es gibt keine weichen Drogen. Alle Drogen sind der Einstieg in die harte Szene. Einen Drogenkonsum irgendwie zu rechtfertigen, ist daher nicht nachvollziehbar."

Mayer geht davon, dass der Bundestag umgehend die Immunität Becks aufheben werde, damit die Berliner Staatsanwaltschaft ungehindert ihre Arbeit machen könne. So lange gelte auch für Beck die Unschuldsvermutung.    

Dem Bundestag gehört der 55-jährige Beck seit 1994 an. Von 2002 bis 2013 war er Parlamentsgeschäftsführer der Grünen im Bundestag. 2013 sah er sich Vorwürfen ausgesetzt, in den achtziger Jahren für eine Entkriminalisierung von sexuellen Kontakten eingetreten zu sein.

Letzter spektakulärer "Drogenfall" in der Bundespolitik war der des SPD-Abgeordneten Michael Hartmann. Hartmann hatte 2013 zugegeben, das synthetische Rauschgift Crystal Meth in geringer Menge gekauft und genommen zu haben. Tatsächlich wurde damals ein Ermittlungsverfahren der Berliner Staatsanwaltschaft gegen Hartmann gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt.

Droge oft unterschätzt

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Sollte Beck die Drogen tatsächlich selbst konsumiert haben, wäre er bei weitem kein Einzelfall. Fast jeder vierte erwachsene EU-Bürger hat zumindest einmal im Leben illegale Drogen ausprobiert. Dies geht aus dem Jahresbericht 2015 des Internationalen Suchtstoffkontrollrats hervor, der passenderweise am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. An der Spitze stehe dabei Cannabis, mit weitem Abstand folgten Kokain, Ecstasy und aufputschende Amphetamine, heißt es darin. Dänemark, Frankreich und Großbritannien gehören demnach zu den EU-Staaten mit der höchsten Quote von Menschen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren, die Drogen zumindest einmal im Leben missbraucht haben.

Immer mehr Menschen konsumieren das hochgefährliche Rauschgift Crystal Meth auch in Deutschland: "Selbst junge Mütter greifen häufiger zu Metamphetaminen, um in einer Phase ständiger Müdigkeit leistungsfähig zu sein oder um abzunehmen", sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler. Sie verwies dabei auf eine besorgniserregende Zunahme auffälliger Crystal-Meth-Konsumenten um 14 Prozent auf 3138 Menschen bundesweit. Hamburger Suchtforscher Sascha Milin sagte im Deutschlandfunk, dass Crystal Meth bundesweit bestimmte Szenen erreichen wird. "Es wird eine Straßendroge werden", sagte er. An Crystal Meth sei besonders gefährlich, dass die Droge unterschätzt werde.

Die relativ billige Droge gehört zur Gruppe der Amphetamine und macht schnell süchtig. Der Wirkstoff Metamphetamin ist in der Szene auch als Meth, Crank oder Ice bekannt. Nach dem Rausch leiden die Konsumenten oft an schweren Depressionen, längerer Konsum kann zu schweren körperlichen und psychischen Schäden führen.

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Quelle: n-tv.de

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