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Lastwagen voller Leichen gefunden: Polizei fahndet nach Todes-Schleppern

Österreich und Europa sind geschockt von dem Fund eines Lastwagens voller Leichen. Mindestens 20 tote Flüchtlinge wurden in dem Fahrzeug am Rande einer Autobahn bei Wien gefunden. Die Polizei kündigt an, die Nacht durchzuarbeiten.

Die österreichische Polizei fahndet mit Hochdruck nach den Schleppern, die einen Lastwagen voller Leichen am Rande einer Autobahn bei Wien abgestellt haben. Wie Landespolizeidirektor Hans-Peter Doskozil am Abend sagte, ist die Zahl der Leichen noch immer unklar. Man gehe nach wie vor davon aus, dass es mindestens 20 Tote gebe. Möglich seien auch 50 Opfer. Die genaue Zahl solle bis Freitag um 11 Uhr ermittelt werden. Für diesen Zeitpunkt wurde eine erneute Pressekonferenz angekündigt. "Wir werden die Nacht durcharbeiten", sagte Doskozil.

Dafür sei der Lastwagen in die nahe gelegene ehemalige Veterinärdienststelle Nickelsdorf gebracht worden, wo es Kühlmöglichkeiten gebe. Es sei nicht ausgeschlossen, dass Frauen und Kinder unter den Opfern seien. Als Beamte den Lastwagen fanden, sei bereits Verwesungsflüssigkeit herausgeflossen.

(Foto: n-tv.de / stepmap.de)

Laut einer vorläufigen Schätzung der Polizei dürfte der Todeszeitpunkt der Opfer mindestens ein- bis anderthalb Tage zurückliegen. Abschließende Obduktionen solle die Wiener Gerichtsmedizin vornehmen. Überlebende, die den Transporter verlassen haben könnten, gebe es wahrscheinlich nicht. Doskozil rief etwaige Zeugen auf, sich bei der Polizei zu melden. Die Nachricht von den toten Flüchtlingen in dem Lkw war am Mittag mitten in die Westbalkan-Konferenz in Wien geplatzt, auf der es auch um Unterstützung für diese Länder angesichts des Flüchtlingsandrangs gehen sollte.

Spur führt in die Slowakei und nach Ungarn

Zu den Tätern wollte sich die Polizei nicht konkret äußern. Wie bereits durchgesickert war, hatte der Lastwagen einer slowakischen Firma gehört. Ein Sprecher des Unternehmens Agrofert-Holding mit Sitz in Prag sagte jedoch, dass das Fahrzeug im vergangenen Jahr verkauft worden sei. Laut "Bild"-Zeitung soll ein Rumäne das Nummernschild des Lastwagens in Ungarn beantragt haben, er soll zugleich der Besitzer des Fahrzeugs sein, wie die ungarische Regierung mitteilte.

Das in Ungarn gemeldete Fahrzeug sei am Mittwoch in den frühen Morgenstunden südöstlich von Budapest gestartet und habe dann am frühen Vormittag die österreichische Grenze erreicht, die es in der Folge überquerte. Dies hätten die Daten des Mautsystems ergeben, so der Doskozil. Der oder die Fahrer hätten den Transporter unverschlossen an der A4 zwischen Parndorf und Neusiedl zurückgelassen. Auch die Türen zum Frachtraum hätten Polizisten öffnen können.

Bei dem Lastwagen handele es sich um ein Kühlfahrzeug, wie es für Schlepperbanden untypisch sei. Diese bevorzugten kleine Reisebusse. Es sei der Polizei nicht möglich, jeden Lastwagen zu kontrollieren. Nun sei aber Verstärkung aus den Bundesländern Kärnten und Steiermark angefordert worden um unter anderem auch verdächtige Fahrzeuge zu kontrollieren. Angehörige des Bundesheeres sollen die Polizei bei Verwaltungsaufgaben entlasten. Ungarn, die Slowakei und Deutschland boten Österreich Hilfe an.

Quelle: n-tv.de

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