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Razzia in elf Wohnungen: Polizei hebt Islamisten-Zelle in Berlin aus

Großeinsatz in Berlin: Die Polizei durchsucht in der Nacht mehrere Wohnungen in den Stadtteilen Wedding und Moabit. Zwei Personen werden festgenommen - sie sollen junge Männer radikalisiert und als Dschihadisten nach Syrien geschickt haben.

Bei einem Großeinsatz gegen Terrorverdächtige hat die Berliner Polizei am Freitagmorgen zwei Männer festgenommen. Die beiden Türken stehen zusammen mit drei weiteren in Berlin lebenden Männern im Verdacht, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat in Syrien vorbereitet zu haben, wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten.

Sie hätten auch für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geworben. Die drei anderen Männer sind auf freiem Fuß. Sie wurden nicht festgenommen, weil die Tatvorwürfe nicht schwerwiegend genug seien, dass es für einen Haftbefehl reiche, sagte der Berliner Polizeisprecher Stefan Redlich bei n-tv. Die beiden festgenommenen Hauptverdächtigen sind 41 und 43 Jahre alt.

Gegen sie sei seit einem Jahr ermittelt worden, der Zugriff sei lange geplant gewesen. "Das hat also nichts mit den Anschlägen von Paris zu tun", sagte Redlich. Der Vorsitzende des Innenausschusses des Deutschen Bundestages, Wolfgang Bosbach, sagte bei n-tv, es gebe zurzeit keine konkreten Hinweise auf Pläne für Anschläge in Deutschland.

Einer der beiden festgenommenen Terrorverdächtigen stand unmittelbar vor der Ausreise nach Syrien. "Wir haben bei den Durchsuchungen Flugtickets für diese Reise gefunden und beschlagnahmt", sagte Polizeisprecher Redlich.

Zuletzt gab es in Deutschland schon häufiger Durchsuchungen und Festnahmen von Heimkehrern aus Syrien und dem Irak. Am Donnerstag war in Wolfsburg ein Deutsch-Tunesier festgenommen worden, der sich dem IS angeschlossen haben soll. Während eines knapp dreimonatigen Aufenthalts in Syrien soll er eine Kampfausbildung durchlaufen haben. Der Bundesgerichtshof will an diesem Freitag über einen Haftbefehl gegen den 26-Jährigen entscheiden. In Pforzheim hatte die Polizei am Donnerstag Wohnungen mutmaßlicher Islamisten durchsucht. Auch in diesen beiden Fällen gab es keine Anhaltspunkte für Anschläge in Deutschland.

Selbsternannter "Emir"

In Berlin durchsuchten Ermittler im Auftrag des Generalstaatsanwalts elf Wohnungen in mehreren Stadtteilen. Im Einsatz waren 250 Beamte und drei Spezialeinsatzkommandos.

Dem 41-jährigen Ismet D. wird vorgeworfen, als selbsternannter "Emir" und sogenannter "Weisenratspräsident" eine Islamistengruppe in Berlin-Tiergarten anzuführen. Sie soll vornehmlich aus Türken und russischen Staatsangehörigen tschetschenischer und dagestanischer Herkunft bestehen. D. steht im Verdacht, die Gruppe mit "Islamunterricht" radikalisiert und auf die Teilnahme am Dschihad ("Heiliger Krieg") gegen "Ungläubige" in Syrien vorbereitet zu haben.

D. und der für Finanzen zuständige 43-jährige Emin F. sollen zudem Mitglieder der Gruppe bei der Ausreise nach Syrien organisatorisch und finanziell unterstützt und später erhebliche Geldbeträge für schwere Gewalttaten zur Verfügung gestellt zu haben. Es besteht auch der Verdacht, dass ausgereiste Mitglieder mit hochwertigem militärischen Material - etwa Nachtsichtgeräten - ausgerüstet wurden.

Am Donnerstagabend hatte die belgische Polizei mit einem großangelegten Anti-Terror-Einsatz Anschlagspläne mutmaßlicher Dschihadisten vereitelt. Im Grenzgebiet zu Deutschland wurden zwei Terrorverdächtige bei einem Schusswechsel getötet, ein dritter überlebte. Nach Angaben der Ermittler stand ein größerer Angriff unmittelbar bevor. Einen Zusammenhang mit den islamistischen Attentaten mit 20 Toten, die Frankreich vergangene Woche erschüttert hatten, sieht die Staatsanwaltschaft nicht.

Quelle: n-tv.de

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