Politik
Philipp Ruch vom Zentrum für politische Schönheit will mit der Aktion "Die Toten kommen" aufrütteln.
Philipp Ruch vom Zentrum für politische Schönheit will mit der Aktion "Die Toten kommen" aufrütteln.(Foto: picture alliance / dpa)

Demo gegen Flüchtlingspolitik: Polizei verbietet Bündnis-Marsch mit Toten

Ein Protestzug, dann der Bau eines Friedhofs für Flüchtlinge vor dem Kanzleramt: So wollte die Künstlergruppe Zentrum für politische Schönheit ihrer Ablehnung der europäischen Flüchtlingspolitik Ausdruck verleihen. Die Polizei unterbindet die Aktion.

Die Berliner Polizei schränkt den "Marsch der Entschlossenen" des Zentrums für politische Schönheit massiv ein. Die Künstlergruppe darf zwar weiterhin mit Unterstützern in der Hauptstadt demonstrieren. Sie dürfen aber nicht mehr bis vor das Bundeskanzleramt ziehen. Das teilte das Zentrum auf seiner Facebook-Seite mit und veröffentlichte Auszüge eines Auflagenbescheids der Polizei.

Das Zentrum bestattete eigenen Angaben zufolge schon mehrere Flüchtlinge in der Hauptstadt. Eine Beerdigung fand in Berlin-Schöneberg statt.
Das Zentrum bestattete eigenen Angaben zufolge schon mehrere Flüchtlinge in der Hauptstadt. Eine Beerdigung fand in Berlin-Schöneberg statt.(Foto: picture alliance / dpa)

Das Zentrum für politische Schönheit hatte eigenen Angaben zufolge am Dienstag eine 34 Jahre alte Syrerin in Berlin-Gatow beerdigt, die bei ihrer Flucht über das Mittelmeer gestorben sein soll. Am Freitag folgte die Bestattung eines 60-jährigen Syrers in Berlin-Schönefeld, der laut Zentrum ebenfalls im Mittelmeer ertrunken war. Die Aktion sorgte für gehörige Aufmerksamkeit in Politik und Medien.

Die Künstlergruppe hatte die Leichen der Flüchtlinge eigenen Angaben zufolge in Italien aus anonymen Gräbern exhumiert, um ihnen in Abstimmung mit ihren Angehörigen eine würdevolle Beerdigung zu ermöglichen. Der Marsch zum Kanzleramt sollte der Höhepunkt der Kunstaktion mit dem Namen "Die Toten kommen" sein. Dort wollten die Aktivisten den Grundstein für ein "Friedhofsfeld der Superlative aufstemmen". Sie riefen Demonstrationsteilnehmer auf Blumen, Schaufeln und Presslufthammer mitzubringen. Ein Bagger sollte den Zug anführen.

Ziel der Aktion der Künstlergruppe ist es, auf die "inhumane" Flüchtlingspolitik Europas aufmerksam machen - dort wo dazu die wichtigsten Entscheidungen getroffen werden. "Es geht um die Sprengung der Abschottung des europäischen Mitgefühls", heißt es von der Gruppe.

Keine Leichen, keine Bagger

In dem Auflagenbescheid der Berliner Polizei heißt es:

  • Die Nutzung des Forums vor dem Bundeskanzleramt wird untersagt.
  • Das Mitführen des Baggers wird untersagt.
  • Das Mitführen von Leichen wird untersagt.
  • Jedes Fahrzeug, jeder Sarg bzw. jedes sargähnliche Behältnis in ähnlicher Größe, die im Aufzug mitgeführt werden sollen, sind am Versammlungstag um 11.00 Uhr in der Turmstraße 11, 10559 Berlin beim Landesamt für Gesundheit und Soziales – Gerichtsmedizin – zur Überprüfung vorzuführen.

Das Zentrum für politische Schönheit kritisierte die Einschränkung der Aktion: "Wir würden sehr gerne ein bleibendes Mal in der Hauptstadt hinterlassen. Aber das ist uns nun unmöglich", heißt es in einer Stellungnahme. "Mit allen verfügbaren Mitteln hat das Bundeskanzleramt das Kunstwerk 'Der Marsch der Entschlossenen' zerstört und versucht jetzt, die Umgestaltung des Vorplatzes am Kanzleramt in einen Friedhof für die Opfer der militärischen Abriegelung Europas zu stoppen." Es ist von einem Angriff auf die Kunstfreiheit die Rede.

Unklar ist, ob das Zentrum für politische Schönheit wirklich Leichen exhumiert und nach Europa transportiert hat, um sie öffentlichkeitswirksam  zu bestatten. Bei früheren Aktionen setzte das Kollektiv mitunter bewusst auf Falschinformationen, solange sie die Symbolik und Wirkung ihre Arbeiten nicht einschränkten.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen