Politik

Wahlen in PortugalSpektakulärer Erfolg für Silva

23.01.2011, 21:40 Uhr

In Zeiten der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise setzt Portugal auf eine bewährte Kraft: Bei der Präsidentenwahl geht Amtsinhaber Anibal Cavaco Silva Prognosen zufolge gleich im ersten Durchgang als haushoher Sieger hervor. Bei den Sozialisten reiht sich unterdessen ein Debakel ans nächste.

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Der strahlende Wahlsieger: Doch Cavaco Silva stehen harte Zeiten bevor. (Foto: AP)

Der portugiesische Präsident

Anibal Cavaco Silva ist Wahlprognosen zufolge in eine zweite Amtszeit gewählt worden.

Die drei wichtigsten Fernsehsender des Landes prognostizierten für Cavaco Silva

einen Stimmenanteil von etwa 55 Prozent. Der zweitstärskte Herausforderer von den

regierenden Sozialisten kam demnach auf 19 Prozent.

Es wird erwartet, dass der Sozialdemokrat

Cavaco Silva die Regierung bei ihrem Sparkurs unterstützt. Portugal versucht derzeit,

seine Schuldenkrise ohne ein internationales Rettungspaket wie in Irland zu überstehen.

Zwar hat der Präsident eine eher repräsentative Bedeutung. Er kann aber den Ministerpräsidenten

entlassen und das Parlament auflösen.

Großes Desinteresse in der Bevölkerung

Vor fünf Jahren hatte Cavaco

ebenfalls schon im ersten Wahlgang mit 50,5 Prozent die erforderliche absolute Stimmenmehrheit

bekommen. Insgesamt bewarben sich diesmal sechs Kandidaten um die Stimmen der knapp

9,7 Millionen Wahlberechtigten im Euro-Land. Der Alt-Linke Alegre, einer der renommiertesten

portugiesischen Dichter, hatte bereits 2006 kandidiert, damals aber als Unabhängiger.

Bei den Sozialisten reiht

sich unterdessen ein Debakel ans nächste. Schon bei der Wahl vor fünf Jahren hatte

der sozialistische Kandidat Mário Soares keine Chance gegen Cavaco Silva gehabt.

Bei der Parlamentswahl im Herbst 2009 verlor Sócrates die absolute Mehrheit und

steht seither an der Spitze einer Minderheitsregierung.

Cavacos größter Widersacher

bei der Wahl 2011 war keiner der fünf linksgerichteten Gegenkandidaten, sondern

das Desinteresse in der Bevölkerung. Nach ersten Ergebnissen blieben

53,5 Prozent aller Wähler den Urnen fern. Das sei ein neuer Rekord, so die CNE.

"O Professor" soll's richten

In Zeiten der schweren Wirtschafts-

und Finanzkrise setzt Portugal auf eine bewährte Kraft. Der alte und neue Staatschef

Aníbal Cavaco Silva ist einer der besten und erfahrensten Ökonomen des Landes. Als

"O Professor" von 1985 bis 1995 das ärmste Land Westeuropas regierte,

erlebte Portugal eine wirtschaftliche Blütezeit. Cavaco Silva habe "wie kaum

ein Zweiter das Land nach dem Ende der Diktatur am 25. April (1974) geprägt",

schrieb jüngst die Zeitung "I".

Der "Vater des Wirtschaftswunders"

deutete bereits im Wahlkampf mit ungewöhnlicher Kritik an der sozialistischen Regierung

an, dass er sich in seiner zweiten Amtszeit im Lissabonner Palacio de Belém mehr

in wirtschaftliche Angelegenheiten einzumischen gedenkt. Der 71-jährige rechtsliberale

Politiker lässt zwar jede Form von Charisma vermissen, glänzt dafür aber mit Fachwissen

und eiserner Disziplin. "Als Regierungschef hat Cavaco bis zwei oder drei Uhr

morgens gearbeitet", erzählt Berater Teofilo Carapeto Dias.

Fünffacher Opa mit Macher-Qualitäten

Cavaco Silva wurde am 15.

Juli 1939 als Sohn eines Bauern und späteren Tankstellenpächters in der Gemeinde

Boliqueime in der südlichen Urlaubsregion Algarve geboren. Als Jugendlicher glänzte

er in der Leichtathletik als Hürdenläufer. Auch als Politiker wusste er stets ein

Hindernis nach dem anderen zu überspringen. Vorwürfe, er habe sich bei Aktiengeschäften

durch Insiderwissen bereichert, konnten ihm in den vergangenen Monaten nichts anhaben.

Der hochgewachsene, hagere

und wortkarge Mann, der zweifacher Vater und fünffacher Opa ist, genießt den Ruf

eines "Machers". Gegner werfen dem Wirtschaftsprofessor und Politiker

der konservativen Sozialdemokratischen Partei (PSD) indes einen autoritären Stil

und Arroganz vor. "Ich mache nie Fehler und habe nur selten Zweifel",

sagte Cavaco tatsächlich vor einigen Jahren.

Seine Doktorarbeit verfasste

der Autor zahlreicher Bücher in der britischen York-Universität. Dabei beschrieb

er das Haushaltsdefizit als eine der größten Gefahren für einen Staat. Im hoch verschuldeten

Portugal wird man nun sicher genauer auf den gestärkten Presidente hören.

Quelle: rts/dpa