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Die Hälfte aller Priester würde sich nicht wieder für ein Leben ohne Partner entscheiden.
Die Hälfte aller Priester würde sich nicht wieder für ein Leben ohne Partner entscheiden.(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 16. April 2015

Viele hätten gerne einen Partner: Priester sind des Alleinseins überdrüssig

Die katholischen Seelsorger quält die eigene Seele: Beruflicher Stress, aber auch das Sex-Verbot wegen des Zölibats lasten schwer auf vielen der gut 14.000 Priester in Deutschland. Dies ist das Ergebnis einer beispiellosen wissenschaftlichen Arbeit.

Viele Priester in Deutschland sind nach einer neuen Studie mit der eigenen Ehelosigkeit unzufrieden. Nur etwa die Hälfte würde sich heute wieder für ein Leben ohne Partner entscheiden, ergab eine innerkirchliche Untersuchung, in die Antworten von 8600 Seelsorgern einflossen, unter ihnen 4200 Priester. Als besonders belastend empfindet die Mehrheit der männlichen Geistlichen demnach den Verzicht auf Sexualität, Intimität und eigene Kinder.

Im Gegensatz zu Diakonen sowie Pastoral- und Gemeindereferenten litten Priester stärker unter "emotionaler Einsamkeit", weil ihnen eine dauerhafte Beziehung zu einem anderen Menschen fehle. Priester haderten auch häufiger mit ihrer Sexualität und in einigen Fällen mit der eigenen sexuellen Orientierung.

In vielen Punkten zeigt sich, dass die Seelsorger ganz ähnlich denken wie viele ihrer Schäfchen - so mögen sie etwa ihr Kirchenleben vor Ort, sind aber eher unzufrieden mit den allgemeinen Strukturen und der Leitung der Kirche. Auch bei der Beichte, die für frühere Generationen noch zur Pflicht zählte, sind die Priester inzwischen sehr weltlich geworden: 54 Prozent der katholischen Priester gehen höchstens einmal pro Jahr ihre Sünden beichten.

Entscheidend für das spirituelle Wohlbefinden von Seelsorgern seien nicht etwa religiöse Handlungen wie Eucharistie-Feier oder Gebet, sondern enge persönliche Bindungen. Seelsorger in den Gemeinden klagten über eine höhere Arbeitsbelastung als etwa ihre Kollegen in Krankenhäusern, Gefängnissen oder beim Militär.

Die Seelsorge-Studie wurde in der Katholischen Akademie in Berlin vorgestellt. Verfasst wurde sie von einer Wissenschaftler-Gruppe unter Leitung des Jesuiten Eckhard Frick, Professor für Spiritual Care an der Münchner Universitätsklinik.

Quelle: n-tv.de

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