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Nicola Sturgeon ist SNP-Chefin von Schottland.
Nicola Sturgeon ist SNP-Chefin von Schottland.(Foto: dpa)

Für zweiter Referendum: Regierung Schottlands hofft auf Brexit

Eigentlich sind die Schotten größtenteils EU-freundlich gestimmt. Doch wenn die Briten am 23. Juni für einen Austritt aus dem Staatenverbund stimmen sollten, könnte das der von der SNP geführten Regionalregierung in die Karten spielen.

Die schottische Nationalpartei SNP will nach dem Referendum über die britische EU-Mitgliedschaft erneut für die Abspaltung Schottlands aus Großbritannien werben. Die Initiative werde im Sommer beginnen, kündigte SNP-Chefin Nicola Sturgeon auf dem Parteitag in Glasgow an. Die Chefin der schottischen Regionalregierung hatte bereits mehrfach angekündigt, dass ein EU-Austritt ein zweites Referendum über Schottlands Unabhängigkeit zur Folge haben könnte. Die Regierung in London lehnt dies ab.

Am 23. Juni stimmen die Briten darüber ab, ob sie in der EU bleiben wollen. Eine veröffentlichte Umfrage des Instituts ICM zeigt, dass eine knappe Mehrheit der Schotten für die Unabhängigkeit wäre, wenn ihr Land gegen ihren Willen als Teil des Vereinigten Königreichs die EU verlassen müsste. Unentschiedene wurden bei der Umfrage für die Zeitung "Scotland on Sunday" allerdings herausgerechnet.

EU-Austritt könnte SNP in die Karten spielen

Im Herbst 2014 hatten die Schotten mit 55 zu 45 Prozent entschieden, Teil Großbritanniens zu bleiben. "Unser Traum ist, dass Schottland unabhängig wird", sagte Sturgeon. "Über unser eigenes Schicksal zu bestimmen, unsere eigene Zukunft zu gestalten." Die Schotten sind mehrheitlich EU-freundlich; ein Austritt Großbritanniens aus der Union könnte der SNP, die in Schottland mit absoluter Mehrheit regiert, in die Karten spielen.

Labour-Chef Jeremy Corbyn kündigte am Wochenende an, bis zum 23. Juni für ein arbeiterfreundliches, "echt soziales Europa" zu werben. Die Sozialdemokraten wollten Großbritannien in der EU halten, weil die Union Arbeitsplätze schaffe und Arbeitnehmer schütze. Corbyn hatte als Hinterbänkler im britischen Parlament oft die EU kritisiert und musste sich bereits gegen Vorwürfe verteidigen, nicht entschieden genug für den Verbleib in der Gemeinschaft zu werben. Corbyn sprach auf einem Regionalparteitag der nordenglischen Labour-Partei in Newcastle.

Der Chef der britischen Liberaldemokraten warf Corbyn vor, die Labour-Partei "schlafwandele" auf den "Brexit" genannten Ausstieg aus der EU zu. Die Liberalen stünden einig zur EU und seien Großbritanniens internationalistische Partei, sagt Tim Farron auf dem Parteitag in York, der am heutigen Sonntag endet.

Quelle: n-tv.de

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