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Russland lässt seine Bomber noch weiter fliegen.
Russland lässt seine Bomber noch weiter fliegen.(Foto: AP)

Nato: Panzer rollen in die Ukraine: Russland weitet Bomber-Patrouillen aus

Das Verhältnis des Westens zu Russland verschlechtert sich weiter. Moskau will seine Bomber-Patrouillenflüge bis nach Nordamerika ausdehnen. Derweil wird nach Nato-Angaben russisches Kriegsmaterial in die Ukraine gebracht.

Russland hat eine Ausweitung seiner Bomber-Patrouillen bis an die Grenzen der USA und Kanadas angekündigt. Als Teil der Ausbildung sollten die Langstreckenbomber über die Gewässer um Nordamerika fliegen, sagte Verteidigungsminister Sergej Schoigu der Nachrichtenagentur Itar-Tass. Er verwies dabei auf Einsätze über dem Arktischen Ozean. "In der gegenwärtigen Lage müssen wir unsere Militärpräsenz im westlichen Atlantik, im östlichen Pazifik sowie den Gewässern der Karibik und des Golfs von Mexiko sicherstellen", erklärte er weiter.

Die russische Luftwaffe fliegt nach Angaben der Nato mit immer größeren Bomberstaffeln in Europa, bleibt dabei jedoch im internationalen Luftraum. Derartige Patrouillenflüge waren zu Sowjetzeiten die Regel, wurden dann aber nach dem Zusammenbruch des Kommunismus zurückgefahren. Russlands Präsident Wladimir Putin ließ sie 2007 wieder verstärkt aufnehmen.

Russisch-ukrainische Grenze "völlig porös"

Derweil bestätigte die Nato Berichte, wonach die russische Militärpräsenz im Osten der Ukraine verstärkt wird. "In den vergangenen zwei Tagen haben wir dasselbe gesehen, wie die OSZE berichtet: Wir haben Kolonnen russischer Ausrüstung gesehen, vor allem russische Panzer, russische Artillerie, russische Luftabwehrsysteme und russische Kampftruppen, die in die Ukraine gebracht werden", sagte der Nato-Oberbefehlshaber, der US-Vier-Sterne-General Philip Breedlove, in Sofia. Die genaue Anzahl der Einheiten sei unklar, doch bestünde Einigkeit, dass es "zahlreiche Kolonnen" seien.

Auskunftsfreudig: Philip Breedlove.
Auskunftsfreudig: Philip Breedlove.(Foto: dpa)

Die Grenze Russlands zur Ukraine sei "völlig porös" und "weit offen", kritisierte Breedlove. "Einheiten, Geld, Hilfen, Ausrüstung, Waffen fließen völlig unkontrolliert hin und zurück über die Grenze, und das ist keine gute Situation."

Die ukrainische Armee bereitet wegen der Truppenbewegungen auf eine neue Offensive der prorussischen Separatisten vor. Einheiten würden verlegt, um auf das Vorgehen der Rebellen zu reagieren, sagte Verteidigungsminister Stepan Poltorak. Die Separatisten hätten in den vergangenen Tagen Verstärkung erhalten. "Ich sehe meine Hauptaufgabe darin, eine Militäraktion vorzubereiten", fügte der Minister bei einer Kabinettssitzung hinzu. Die Ukraine müsse sich "auf Kampf" einstellen. Die Separatisten und Russland verstärkten ihre Einheiten und Kiew bereite sich auf "unvorhersehbare Handlungen" vor. Der ukrainische Botschafter bei den Vereinten Nationen äußerte sich ähnlich.

Die Industriemetropole Donezk lag trotz des Waffenstillstandsabkommens von Minsk wie bereits in den vergangenen Tagen unter Artilleriebeschuss. Im Stadtzentrum waren laute Explosionen zu hören, ebenso wie am geschlossenen Flughafen der Großstadt.

Hart umkämpft: Der Flughafen von Donezk.
Hart umkämpft: Der Flughafen von Donezk.(Foto: REUTERS)

EU berät kommende Woche

Angesichts der neuerlichen Eskalation beraten die EU-Außenminister am Montag in Brüssel über eine Ausweitung der Sanktionen gegen Russland. Weitere wirtschaftliche Strafmaßnahmen stehen dabei aber offenbar nicht zur Debatte: Im Zusammenhang mit den unrechtmäßigen Wahlen der Separatisten im Osten der Ukraine werde zwar eine Ausweitung der Sanktionsliste gegen einzelne Personen geprüft, sagte Merkel am Dienstag. "Darüber hinaus sind weitere Wirtschaftssanktionen im Augenblick nicht geplant."

Die Beobachtungsmission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatte zuvor von einem Konvoi von Militärlastwagen ohne Kennzeichnung berichtet, die mit fünf schweren Artilleriegeschützen und fünf Raketenwerfern in Richtung der Rebellenhochburg Donezk fuhr. Bereits in den Tagen davor hatten OSZE-Mitarbeiter und Journalisten mehrfach große Militärkonvois auf dem Weg zur Frontlinie beobachtet.

Die Regierung in Kiew und der Westen werfen Moskau seit Monaten vor, die porussischen Separatisten mit Waffen und Kämpfern zu unterstützen. Wie im Fall der ukrainischen Halbinsel Krim bestreitet Moskau die Präsenz eigener Truppen. Nach der Annexion der Krim im Frühjahr hatte Moskau allerdings bestätigt, dass dort Armeeeinheiten im Einsatz waren.

"Das sind unsere Trophäen"

Auch die Separatisten in der Ostukraine wiesen die Berichte über militärische Unterstützung aus Russland zurück. Bei den Lastwagenkonvois handele es sich um Kolonnen der Aufständischen und nicht um russische Truppen. Das sagte einer der Separatistenführer, Boris Litwinow, in Donezk. "Es ist zwar sowjetische Technik, wie sie auch die russische Armee noch benutzt, aber wir haben sie im Kampf gegen ukrainische Einheiten erbeutet", sagte Litwinow. "Das sind unsere Trophäen."

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Dienstag mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko telefoniert. "Beide Seiten sehen die Entwicklungen nach wie vor mit Sorge, zumal von einem wirklichen Waffenstillstand nicht die Rede sein kann", sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz. Merkel und Poroschenko seien sich trotzdem einig, dass die Vereinbarung von Minsk die richtige Grundlage bleibe, um die Region zu stabilisieren. Durch die vorgezogenen, international aber nicht anerkannten Wahlen in den besetzten Gebieten im Osten des Landes halten viele Diplomaten die Minsker Vereinbarung allerdings für hinfällig. Darin war erst ein späterer Urnengang unter Beteiligung internationaler Wahlbeobachter vorgesehen.

Quelle: n-tv.de

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