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CNN-Reporter Frederik Pleitgen an der Frontlinie in Hama - nur wenige Kilometer von Rakka entfernt.
CNN-Reporter Frederik Pleitgen an der Frontlinie in Hama - nur wenige Kilometer von Rakka entfernt.(Foto: Youtube/CNN)

CNN-Reporter bei Assads Truppen: "Russlands Eingreifen ist ein Segen"

Seit Wochen recherchiert CNN-Reporter Frederik Pleitgen im syrischen Kriegsgebiet - und begibt sich bis an die Frontlinie nahe der IS-Hochburg Rakka. Dort feiert Syriens Armee die Bomben Russlands - und hofft auf die Befreiung der Stadt bis Jahresende.

Nur wenige Kilometer Steinwüste trennen die Soldaten der syrischen Regierungstruppen in der Provinz Hama von den Stellungen des Islamischen Staates (IS). Immer wieder sind die lauten Einschläge von Artillerie zu hören. Das CNN-Kamerateam filmt, wie Panzer, Kanonen und Truppentransporter in Stellung gebracht werden. Reporter Frederik Pleitgen berichtet unter Berufung auf einen Kommandeur, dass der IS in der Region "seit drei Monaten keine weiteren Fortschritte gemacht" habe. "Sie haben sich eher zurückgezogen." Die Armee ist überzeugt, dass sie Ende des Jahres in Rakka sein könnte.

Die nordsyrische Stadt gilt - neben Mossul im Irak - als Hochburg der IS-Terrormiliz. Bereits am Samstag hatten die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte auf einen Einmarsch in die Stadt zugesteuert. Die Armee stehe nur noch wenige Kilometer vor der Provinzgrenze, hieß es. Dass der Vormarsch so rasant erfolgte, schreibt ein Regimeanhänger, der im Namen des führenden Offiziers spricht, vor allem Russlands Eingreifen zu.

"Russlands Eingreifen ist ein Segen. Alles ist besser, seitdem unsere russischen Freunde eingetroffen sind", sagt er in dem CNN-Bericht. "Sie geben uns die Möglichkeit, Präventivangriffe zu starten. Durch ihre Luftüberwachung warnen sie uns rechtzeitig vor IS-Angriffen." Westliche Staaten und die USA werfen Russland dagegen vor, vermehrt gegen syrische Rebellen statt gegen den IS vorzugehen. Das entspreche nicht der Wahrheit, so der Syrer - wenngleich er einräumt, dass andere Frontlinien derzeit Priorität hätten. "Natürlich beziehen sich unsere Operationen auch auf Latakia und Aleppo", erklärt er. "Zurzeit ist unsere Priorität, die Grenze zur Türkei zu schließen, um die Versorgung aller Rebellengruppen zu kappen."

Kommandant kritisiert die USA

Russland steht massiv in der Kritik, weil den Bombardements der Luftwaffe immer wieder Zivilisten zum Opfer fallen. Zuletzt hatten syrische Aktivisten den Russen vorgeworfen, eine von Ärzte ohne Grenzen unterstützte Klinik zerstört zu haben. Die Hilfsorganisation sprach von einem "gezielten Angriff". Mindestens neun Menschen starben. Der Kreml hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und das US-Militär für den Angriff verantwortlich gemacht.

In dem CNN-Bericht erklärt der Kommandant, dass sich den Truppen gerne auch westliche Kräfte anschließen könnten, in Bezug auf die USA wird er aber zynisch. "Amerika? Machen die überhaupt etwas?", fragt er. "Ich habe noch nicht gesehen, dass sie einen Beitrag leisten. Im Gegenteil. Sie sind diejenigen, die den IS erst stark gemacht haben." Erst vor wenigen Wochen hatte US-Verteidigungsminister Ashton Carter angekündigt, noch im laufenden Jahr in den Kampf um Rakka und Mossul eingreifen zu wollen - allerdings nicht mit eigenen Truppen. "Gingen wir alleine hinein", so Carter, "könnte der IS dies als Besetzung bezeichnen und auch seine Gegner zum Kampf gegen uns aufrufen."

Quelle: n-tv.de

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