Politik

Parteispitze würgt Debatte abSPD will Kindergeld nicht kürzen

07.12.2010, 07:58 Uhr

Der Vorschlag von Ex-Finanzminister Steinbrück, den Ausbau der Kinderbetreuung über eine Kürzung des Kindergelds zu finanzieren, ist noch immer nicht mehrheitsfähig. Ein entsprechender Vorstoß wird von der SPD-Spitze zurückgewiesen - obwohl er sowohl vom rechten als auch vom linken Parteiflügel kommt.

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Der Leitsatz der Familienpolitik in Deutschland lautet: Kindergeld ist gut, mehr Kindergeld ist besser. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Die SPD-Spitze hat Vorstöße aus den eigenen Reihen zur

Kürzung des Kindergeldes kategorisch zurückgewiesen. "Die SPD wird und

will das Kindergeld nicht kürzen", sagte SPD-Generalsekretärin Andrea

Nahles. Sie reagierte damit auf Überlegungen von Vertretern des rechten und

linken Parteiflügels, den Rotstift beim Kindergeld für den raschen Ausbau von

Kinderbetreuung und Ganztagsschulen anzusetzen.

"Wenn wir das Kindergeld um 30 Euro kürzen, könnten wir

damit massiv in Kinderbetreuung und Ganztagesschulen investieren", hatte der

Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises in der SPD, Garrelt Duin, der "Frankfurter

Rundschau" gesagt. "Das höchste Maß an Gerechtigkeit erreichen wir

nicht durch höhere Transfers, sondern durch den Ausbau der sozialen

Infrastruktur."

Der Sprecher der SPD-Linken, Björn Böhning, unterstützte den

Vorstoß. "Die letzte Kindergelderhöhung hat viel Geld gekostet und

sozialpolitisch nichts gebracht", sagte Böhning. Die schwarz-gelbe

Bundesregierung hatte das Kindergeld zum 1. Januar um 20 Euro auf 184 Euro

erhöht und den Kinderfreibetrag um knapp 1000 Euro auf 7008 Euro angehoben.

"Profildebatte von Einzelnen"

Beim Kindergeld handele es sich um Einkommen, das die

Familien "einplanen und auch brauchen", sagte Nahles. Sie nannte den

Vorschlag von Duin "absolut kontraproduktiv" und in der SPD auch

nicht mehrheitsfähig. Sie sehe vielmehr "eine Profildebatte von Einzelnen".

Auch für Nahles muss allerdings der Schwerpunkt auf den Ausbau der

Infrastruktur für bessere Bildung und Kinderbetreuung gelegt werden. Über

künftige Erhöhungen von Kindergeld und Kinderfreibetrag sei daher im Rahmen

einer Gesamtstrategie zu reden.

Der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück macht sich

seit einiger Zeit für eine Kürzung des Kindergelds zugunsten des Ausbaus der

pädagogischen Infrastruktur stark. Im Interview mit n-tv.de hatte er bedauert,

dass es in der Zeit der Großen Koalition nicht gelungen war, Transferleistungen

zu kürzen und damit mehr Gerechtigkeit zu schaffen. "Viele sind bereit,

gegebenenfalls sogar Einbußen hinzunehmen, wenn sie den Eindruck haben, dass

diese fair verteilt sind", so Steinbrück. Er glaube nicht, dass es richtig

sei, individuelle Transferzahlungen immer weiter zu erhöhen. "Es gibt

Wichtigeres: kostenlose Kindertagesstätten, Schulspeisungen,

Lernmittelfreiheit, Sprachkurse, Ganztagsgrundschulen, ja sogar Elternkurse."

Die Regierung von Union und FDP hatte das Kindergeld erst

zum 1. Januar um 20 Euro auf 184 Euro erhöht und den Kinderfreibetrag um knapp

1000 Euro auf 7.008 Euro angehoben.

Quelle: hvo/dpa