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Psychische Erkrankungen sind unter Soldaten ein Tabuthema - sie fürchten sich vor Stigmatisierung.
Psychische Erkrankungen sind unter Soldaten ein Tabuthema - sie fürchten sich vor Stigmatisierung.(Foto: picture alliance / dpa)

Traumatisiert durch Auslandseinsatz: Soldaten verschweigen psychische Probleme

Aus Angst vor Stigmatisierung und Karrierenachteilen verschweigen einer Studie zufolge viele Soldaten psychische Vorerkrankungen. Die können sich bei Auslandseinsätzen wie in Afghanistan zu schweren Traumata auswachsen.

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Deutsche Soldaten gehen häufig bereits mit psychischen Problemen in den Auslandseinsatz. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" und beruft sich auf das Ergebnis einer Untersuchung, die die Technische Universität Dresden im Auftrag des Bundestages durchgeführt hat.

Im Mittelpunkt der Studie standen nicht diagnostizierte Fälle von posttraumatischern Belastungsstörungen und sonstigen psychischen Erkrankungen von Soldaten im Zusammenhang mit den Auslandseinsätzen. Soldaten verschweigen solche Krankheiten häufig, da sie sich vor Stigmatisierung und Karrierenachteilen fürchten. Dabei haben die Krankheiten eine große Bedeutung in Hinblick auf die Frage, ob ein Einsatz mit psychischen Folgen verbunden ist.

"Nur psychisch Gesunde dürfen in die Einsätze"

Die Kultur des Verschweigens ist unter dem Eindruck des Studienergebnisses beunruhigend. Denn der Anteil der Erkrankten unter den deutschen Soldaten ist mit 20 Prozent zwar niedriger als der Bundesdurchschnitt. Diese Soldaten haben aber ein vier- bis sechsmal so hohes Risiko, aus dem Einsatz mit einer neuen psychischen Erkrankung zurückzukehren.

Der Leiter der Studie, Ulrich Wittchen, fordert deshalb verbesserte Diagnoseverfahren "um bereits vor dem Einsatz bestehende psychische Störungen zu erkennen". Dazu brauche es verbesserte klinisch-diagnostische Screenings. Auch der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, sprach sich für bessere Diagnoseverfahren aus: "Die Bundeswehr ist nun gefordert, endlich effektive Früherkennungsverfahren zu etablieren. Nur psychisch gesunde Soldatinnen und Soldaten dürfen in die Einsätze gehen", sagte er gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Ein solches Verfahren testet das Verteidigungsminsiterium zur Zeit in einem Pilotprojekt.

Quelle: n-tv.de

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