Politik
"Enorme Schulden bei den Opfern der Franco-Diktatur": Wird die Bundesregierung reagieren?
"Enorme Schulden bei den Opfern der Franco-Diktatur": Wird die Bundesregierung reagieren?(Foto: REUTERS)

Die langen Schatten der "Legion": Spanien erwartet Angela Merkel

Die Reise in die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone konfrontiert die Kanzlerin mit einem düsteren Kapitel aus der deutschen Vergangenheit: Auf der iberischen Halbinsel werden Stimmen laut, die Merkel an "historische Schulden" erinnern.

Spanische Bürgerrechtler fordern von der Bundesregierung eine "Entschuldigung" für die deutsche Unterstützung zugunsten des Franco-Regimes im spanischen Bürgerkrieg. Bundeskanzlerin Angela Merkel solle ihren bevorstehenden Spanien-Besuch dafür nutzen, "die historischen Schulden für die Verbrechen der 'Legion Condor' zu begleichen", forderte die Vereinigung zum Erhalt der Historischen Erinnerung (ARMH).

Die sogenannte "Legion Condor" war eine offiziell aus "deutschen Freiwilligen" gebildete Wehrmachtseinheit, die ab 1936 im Spanischen Bürgerkrieg im Einsatz war und dort das Regime des putschenden Generals Francisco Franco im Kampf gegen die Spanische Republik unterstützen sollte. Die Truppen aus Deutschland kämpften in Spanien ohne Hoheitsabzeichen, standen jedoch unter deutschem Oberbefehl. Mit ihren Waffensystemen und ihrer Taktik trugen sie entscheidend zum Sieg Francos über die Republikaner bei.

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"Das Land, das sie führen"

Mit Blick auf die anstehende Spanienreise der deutschen Kanzlerin richten die ARMH-Vertreter nun einen offenen Brief an Merkel: "Das Land, das sie führen, hat enorme Schulden bei den Opfern der Franco-Diktatur", heißt es darin. Den Bürgerrechtlern scheint dabei vor allem an einer Anerkennung der moralischen Verantwortung gelegen.

In das kollektive Gedächtnis der Spanier hat sich besonders der deutsche Luftwaffenangriff auf die baskische Stadt Guernica eingebrannt. Bomber der "Legion Condor" legten am 26. April 1937 Guernica zu drei Vierteln in Schutt und Asche. Mehrere hundert Zivilisten kamen bei dem Luftangriff ums Leben. Das Inferno wurde von Pablo Picasso in einem weltberühmten Gemälde verewigt.

Der Beginn des Bombenkriegs

Zwei Jahre vor Beginn des Zweiten Weltkriegs führten deutsche Militärflugzeuge der "Legion Condor" der Weltöffentlichkeit vor Augen, welches Ausmaß an Leid und Zerstörung der moderne Bombenkrieg in bewohntem Gebiet entfesseln kann.

Einer Zusammenfassung des Deutschen Historischen Museums (DHM) zufolge verfügte die "Legion Condor" Anfang November 1936 unter dem Befehl von Generalmajor Hugo Sperrle über 100 Flugzeuge und 5000 Mann. "Durch Rotation der Kontingente kamen insgesamt rund 20.000 deutsche Wehrmachtssoldaten auf dem spanischen Kriegsschauplatz zum Kampfeinsatz", lautet das Fazit der Historiker. "Der Spanische Bürgerkrieg bot eine willkommene Gelegenheit zum Test neuer Waffensysteme, besonders für die Luftwaffe."

Mit Rajoy nach Santiago

Die Kanzlerin wird am kommenden Sonntag zu einer zweitägigen Visite in Spanien erwartet. Auf dem Programm stehen unter anderem Gespräche mit Ministerpräsident Mariano Rajoy in der nordwestlichen Pilgerstadt Santiago de Compostela.

Die Organisation ARMH wirbt in Spanien für eine gesellschaftliche Aufarbeitung der Schrecken des Franco-Regimes und kümmert sich dabei insbesondere um die Exhumierung der anonym in Massengräbern verscharrten Opfer, um sie fast acht Jahrzehnte nach ihrem Tod mit den Mitteln der Gerichtsmedizin zu identifizieren und in einem Namensgrab zu bestatten.

Quelle: n-tv.de

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