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Zwei Mann im Cockpit: Russische Kampfpiloten bereiten sich auf den Start mit einer Su-24 vor (Archivbild).
Zwei Mann im Cockpit: Russische Kampfpiloten bereiten sich auf den Start mit einer Su-24 vor (Archivbild).(Foto: REUTERS)

Su-24-Abschuss über Rebellengebiet: Spezialeinheit rettet russischen Piloten

Gefährliche Rettungsaktion im türkisch-syrischen Grenzgebiet: Nach dem Abschuss eines russischen Jagdbombers bringen Kommandosoldaten der regulären syrischen Armee einen der beiden vermissten Piloten in Sicherheit.

Eine Kommandoeinheit der syrischen Armee hat den zweiten Piloten des abgeschossenen russischen Jets entdeckt und aus der Kampfzone geborgen. Er sei bei einer Aktion "hinter den Linien" der Rebellen gerettet worden, meldete die libanesische Nachrichtenseite Al-Mayadeen, die gute Kontakte zu Syriens Regierung hat. Der russische Botschafter in Frankreich, Alexander Orlow, bestätigte die Angaben im französischen Radiosender Europe 1: "Den zweiten Piloten hat die syrische Armee herausgeholt."

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Laut Al-Mayadeen wurde der Pilot zur russischen Militärbasis in der Nähe der Stadt Latakia gebracht. Der andere Pilot des abgeschossenen Flugzeugs war nach übereinstimmenden Angaben aus Russland und dem Rebellengebiet ums Leben gekommen. Er sei verletzt worden, als er mit dem Fallschirm absprang, dann sei er von Dschihadisten in der Gegend auf grausame Art ermordet worden, hieß es aus Moskau.

Die Todesursache des Piloten ist allerdings noch unklar: Syrische Rebellen hatten ein Video veröffentlicht, das seinen Leichnam zeigen soll. Ein Vertreter der turkmenischen Kämpfer in der Absturzregion berichtete zudem, Einheiten am Boden hätten auf die am Fallschirm hängenden Piloten geschossen und dabei mindestens einen der beiden Männer getötet. Der Verbleib seiner Leiche ist noch ungeklärt.

Der Kampfjet der beiden russischen Piloten war am Dienstag bei einem brisanten Zwischenfall im türkisch-syrischen Grenzgebiet von zwei türkischen Abfangjägern beschossen und zum Absturz gebracht worden. Per Schleudersitz konnten sich die beiden russischen Piloten aus ihrer brennenden Maschine zunächst befreien. Nach ihrem Notausstieg gingen ihre Fallschirme in einigem Abstand zueinander über Rebellengebiet nieder.

Standbild aus dem fraglichen Video der Rebellen: Zu erkennen ist ein schwer verletzter oder toter Mann in Fliegerkombi.
Standbild aus dem fraglichen Video der Rebellen: Zu erkennen ist ein schwer verletzter oder toter Mann in Fliegerkombi.

Nach Einschätzung des US-Militärs, das die Region auch mittels elektronischer Fernaufklärung intensiv überwacht, wurde der russische Jagdbomber tatsächlich innerhalb des syrischen Luftraums getroffen. Die Maschine habe sich zwar kurzzeitig im türkischen Luftraum befunden, sei dort aber nicht abgeschossen worden, hieß es aus Washington. Diese Beurteilung basiere auf Wärmedaten des Jets.

Über die Grenze geschossen?

Das türkische Militär hatte bereits kurz nach dem Vorfall eine Auswertung von Radarsignalen vorgelegt, um die angebliche Luftraumverletzung zu belegen und das eigene Vorgehen zu rechtfertigen. Ein Widerspruch zu den US-Angaben ergibt sich daraus jedoch nicht: Abfangjäger wie die von der Türkei eingesetzten F-16 sind mit weitreichenden Waffen ausgestattet, die einer anfliegenden Maschine aus mehreren Kilometern Distanz gefährlich werden können.

In Anbetracht der hohen Geschwindigkeiten der an dem Vorfall beteiligten Kampfjets und der geografischen Gegebenheiten vor Ort erscheinen die Angaben durchaus plausibel. Russischen Darstellungen zufolge liegt der Absturzort der Su-24 vier Kilometer von der Grenze entfernt. Die Grenzlinie zwischen den beiden Staatsgebieten verläuft hier alles andere als geradlinig, vielmehr weist sie mehrere größere Einbuchtungen und Vorsprünge auf.

Nach dem Zwischenfall, der die Spannungen zwischen Russland und dem Nato-Land Türkei massiv verschlechterte, telefonierte US-Präsident Barack Obama mit seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan. Wie das US-Präsidialamt anschließend mitteilte, unterstützten die Vereinigten Staaten zwar das Recht der Türkei, die Landesgrenze zu verteidigen. Es habe aber auch Einigkeit gegeben, dass die Lage nach dem Abschuss entschärft werden müsse und so etwas nicht wieder vorkommen dürfe.

In der Absturzregion wird unterdessen seit dem Morgen wieder intensiv gekämpft. Beobachter sprachen von heftigen Gefechten zwischen Anhängern und Gegnern des syrischen Machthabers Assad. In der Region kämpft auch die türkischstämmige Minderheit der Turkmenen.

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Quelle: n-tv.de

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