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"Eine Partei, die doppelt so viele Stimmen oder noch mehr als der kleinere Partner erzielt, wird es nicht an Selbstbewusstsein fehlen lassen", sagt Peer Steinbrück. Und beweist damit selbst gewaltiges Selbstbewusstsein. Derzeit liegt die SPD in Umfragen bei 26 Prozent, die Grünen bei 16.
"Eine Partei, die doppelt so viele Stimmen oder noch mehr als der kleinere Partner erzielt, wird es nicht an Selbstbewusstsein fehlen lassen", sagt Peer Steinbrück. Und beweist damit selbst gewaltiges Selbstbewusstsein. Derzeit liegt die SPD in Umfragen bei 26 Prozent, die Grünen bei 16.(Foto: picture alliance / dpa)

Keine Gespräche auf Augenhöhe: Steinbrück düpiert Grüne

Von Issio Ehrich

Peer Steinbrück als Kanzlerkandidat der SPD - eine Wunschvorstellung der Grünen war das nie. Zu wirtschaftsnah, zu konservativ, so lauteten die Vorwürfe. Mit einem Zeitungsinterview dürfte der Sozialdemokrat nun weitere Minuspunkte sammeln. Denn darin wird eines ganz deutlich: Als gleichberechtigten Partner sieht er die Grünen nicht.

Es ist nur eine Woche her, dass die neue Spitzenkandidatin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, sagte: "Mit uns wird auf Augenhöhe geredet." Sie richtete den Satz vor allem an die SPD. Der designierte Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten allerdings sieht die Grünen noch immer als ein politisches Anhängsel. Diesen Eindruck erweckt er zumindest in einem Zeitungsinterview. Einmal mehr zeigt sich: Die Grünen und eine SPD unter Peer Steinbrück sind trotz aller Schwüre auf eine gemeinsame Regierung 2013 kein Traumpaar.

Der "Bild am Sonntag" sagte Steinbrück: "Natürlich soll man in einer Koalition fair miteinander umgehen, aber es wird auch um politische Gewichte gehen." Er fügte hinzu: "Eine Partei, die doppelt so viele Stimmen oder noch mehr als der kleinere Partner erzielt, wird es nicht an Selbstbewusstsein fehlen lassen." Dass die Grünen dieser Tage selbst äußerst selbstbewusst auftreten, scheint er dabei zu übersehen: Laut der neuesten Forsa-Umfrage erleben sie nach ihrer Urwahl ein Stimmungshoch und landen bei 16 Prozent. Die Sozialdemokraten kommen in der Gunst der Wähler auf 26.

Grüne wollen eigenständigen Wahlkampf

Auch in Sachen Wahlkampfstrategie befinden sich Grüne und Steinbrück, die 2013 Schwarz-Gelb ablösen wollen, noch nicht auf einer Wellenlänge. Die grüne Fraktionschefin Renate Künast sagte vor kaum zwei Wochen: "Es wird kein rot-grünes Projekt geben. Wir machen einen eigenständigen Wahlkampf." Auf ihrem Parteitag schärften die Grünen daraufhin mit vollem Einsatz ihr sozialpolitisches Profil – ohne Rücksicht darauf, dass das Thema "Soziale Gerechtigkeit" seit eh und je im Mittelpunkt des SPD-Wahlkampfes steht.

Steinbrück will mit Trittin und Göring-Eckardt über eine gemeinsame Wahlkampfstrategie sprechen. Die Grünen pochen auf ihre Eigenständigkeit.
Steinbrück will mit Trittin und Göring-Eckardt über eine gemeinsame Wahlkampfstrategie sprechen. Die Grünen pochen auf ihre Eigenständigkeit.(Foto: picture alliance / dpa)

Steinbrück kündigte in dem Interview nun an, sich demnächst mit den grünen Spitzenkandidaten Göring-Eckardt und Jürgen Trittin zusammensetzen zu wollen, um eine gemeinsame rot-grüne Strategie zu entwickeln. "Ich halte gemeinsame Gespräche für politisch geboten, da beide Parteien gemeinsam regieren wollen", sagte Steinbrück und klingt damit überhaupt nicht so, als würde er den Grünen im Wahlkampf mehr Eigenständigkeit zugestehen.

Die jüngsten Äußerungen Steinbrücks sind nur ein weiterer Beleg dafür, wie fremd sich Grüne und der designierte Kanzlerkandidat sind. Denn Wunschkandidat der Grünen war Steinbrück ohnehin nie. Etliche Parteimitglieder kritisierten seine Wirtschaftsnähe und eher konservative Haltung. Vor allem die Affäre um seine Nebeneinkünfte löste bei Grünen Bedenken aus, ob eine SPD unter Steinbrück der ideale Partner sei.

"Rückkehr des Untoten"

In Nordrhein-Westfalen, wo Steinbrück zwischen 2002 und 2005 Ministerpräsident einer rot-grünen Landesregierung war, herrscht gar ein gewisses Entsetzen. Laut der "Taz" war dort bei Parteimitgliedern vom "cholerischen Grünenfresser" die Rede und von der "Rückkehr eines Untoten".

Als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen machte Steinbrück von sich reden, weil er sein Profil vor allem durch Abgrenzung von den Grünen schärfte und allzu deutlich mit der FDP liebäugelte.

Quelle: n-tv.de

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