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Bahnchef Rüdiger Grube hält Stuttgart 21 weiter für wirtschaftlich.
Bahnchef Rüdiger Grube hält Stuttgart 21 weiter für wirtschaftlich.(Foto: dapd)

Bahnhofsbau immer teurer: Stuttgart 21 frisst Milliarden auf

Erst zwei, dann drei, dann vier, dann sechs Milliarden Euro: Stuttgart 21 wird immer teurer und teurer. Nach tagelangen Spekulationen lässt die Bahn die Katze aus dem Sack. Das Unternehmen bestätigt eine erneute milliardenschwere Kostenexplosion - aussteigen will die Bahn aber nicht.

Einst galt es als das "bestgeplante Projekt" aller Zeiten. Davon spricht heute niemand mehr. Das umstrittene Bahn-Projekt Stuttgart 21 scheint immer mehr aus dem Ruder zu laufen. Ende der 90er Jahre bezifferte die Bahn die Kosten für ihren Prestige-Bau auf rund 2,5 Milliarden Euro. Dann galten drei Milliarden Euro als realistisch. Und schließlich wurde für das Mammut-Projekt ein Kostendeckel von 4,5 Milliarden Euro vereinbart. Aber auch 4,5 Milliarden Euro werden nicht ausreichen, um aus dem vorhandenen Kopfbahnhof einen unterirdischen Durchgangsbahnhof entstehen zu lassen.

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Nach tagelangen Spekulationen bestätigte die Bahn eine erneute Kostenexplosion. Chefplaner Volker Kefer verkündete nach der Sitzung des Aufsichtsrats, dass der Kostendeckel um 1,1 Milliarden Euro auf 5,62 Milliarden Euro angehoben werden müsse. Dazu kämen weitere Risiken von bis zu 1,2 Milliarden Euro, die die Bahn nicht direkt zu verantworten habe. Bis zum neuen Deckel wolle der Konzern die Kosten tragen, ohne die Projektpartner - das Land Baden-Württemberg sowie Stadt und Flughafen Stuttgart - zur Kasse zu bitten.

Was, wenn es noch dicker kommt?

Tübingens grüner Oberbürgermeister Boris Palmer begrüßte die neue Offenheit der Bahn bezüglich der Transparenz über die Mehrkosten, stellte aber umgehend die Frage, wer dafür aufkommen soll. "Was die Bahn selbst bezahlen will, ist ja nur ein Bruchteil der Mehrkosten. Bund, Land und Stadt haben gesagt sie zahlen nichts – das bedeutet, dass das Projekt ohne Finanzierung dasteht", sagte der Wortführer der Projektgegner n-tv.de.

Zudem, so Palmer, bleibe es bei dieser Summe nur für den Fall, dass alles klappt und Stuttgart 21 im Jahr 2021 in Betrieb geht. Unkalkulierbare Risiken seien in dieser Rechnung nicht einbezogen: "Insbesondere beim Tunnelbau könnte es sehr wohl sein, dass in diesen extrem schwierigen geologischen Schichten Mehrkosten in Milliardenumfang auftreten", sagte Palmer n-tv.de. Es könne also noch sehr viel teurer werden.

16 Milliarden Schulden

Kefer sagte, das Projekt lohne sich trotzdem weiter für die Bahn. "Die Wirtschaftlichkeit geht allerdings deutlich in die Knie." Als Folge der neuen Belastungen würde die Verschuldung der Bahn in den kommenden Jahren nicht so stark sinken wie geplant. Der Konzern hat gut 16 Milliarden Euro Schulden. Ein Ausstieg aus dem begonnenen Bauvorhaben würde mindestens zwei Milliarden Euro kosten, sagte Kefer. Würden die Mehrkosten übernommen, würde die Bahn statt bisher 1,7 Milliarden Euro nun 2,8 Milliarden der dann 5,62 Milliarden Euro tragen.

Im Aufsichtsrat trafen die Kostensteigerung und die Begründung auf Verärgerung und Verwunderung. "Wie es dazu kommen konnte, ist völlig unerklärlich", sagte ein Mitglied des Gremiums. "Wir haben noch viele Fragen, bevor wir eine Entscheidung treffen können." Als Grund für die milliardenschweren Mehrkosten nannte Kefer unter anderem nicht vollständige Planungen oder übersehene Leitungen im Erdreich.

Bund dreht den Geldhahn zu

Die Bundesregierung bekräftigte umgehend, dass sie trotz der Mehrkosten von mindestens 1,1 Milliarden Euro keine neuen Hilfen für das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 bereitstellt. Es bleibe dabei, dass sich der Bund mit einem Festbetrag von 563,8 Millionen Euro beteilige, heißt es aus Berlin. Diese Kosten fielen unter anderem an, um die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm in den Bahnknoten Stuttgart einzubinden. Der Sprecher betonte, von den Projektpartnern habe man trotz der Kostensteigerungen bislang keine Stimme vernommen, die aus dem Projekt aussteigen wolle.

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Quelle: n-tv.de

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