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Hunderte Flüchtlinge im Dorf: Sumte ist jetzt weltberühmt

Von Christian Rothenberg

Die ersten sind schon da, mehr als 700 Flüchtlinge wohnen bald in Sumte. Aus der ganzen Welt berichten Reporter über das niedersächsische Dorf. Die Skepsis der Einwohner ist noch nicht verschwunden.

Eines hat sich in Sumte schon verändert, seit die Flüchtlinge da sind. Seit Neuestem brennen die Straßenlaternen die ganze Nacht durch. In den vergangenen Wochen ist Sumte das berühmteste Dorf in Niedersachsen, vielleicht sogar in ganz Deutschland geworden. Im Oktober wurde bekannt, dass 1000 Flüchtlinge in dem 100-Einwohner-Dorf untergebracht werden sollen. "Als ich die Zahl gelesen habe, habe ich gedacht: Das kann doch nicht wahr sein. Wir können überhaupt nicht abschätzen, was da auf uns zukommt", sagte Ortsvorsteher Christian Fabel damals n-tv.de.

Die Nachricht über die neuen Mitbewohner traf die Sumter völlig überraschend. In zwei Bürgerversammlungen trugen die Einwohner ihre Zweifel vor. Daraufhin reduzierte das Innenministerium die Zahl der Flüchtlinge von 1000 auf 750. Am Montag erreichten die ersten Flüchtlinge das Dorf. Am Abend stiegen die erschöpften Zuwanderer, darunter auch viele Familien, mit Plastiktüten und Rucksäcken aus einem Bus. Empfangen wurden sie mit heißer Suppe. In den kommenden Tagen und Wochen werden weitere folgen.

"Panik wegen der Invasion in Sumte"

Am Montag zogen die ersten Flüchtlinge in der Unterkunft in Sumte ein.
Am Montag zogen die ersten Flüchtlinge in der Unterkunft in Sumte ein.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Flüchtlingsunterkunft in dem nördlich der Elbe gelegenen und zum Landkreis Lüneburg gehörenden Dorf betreibt der Arbeiter-Samariter-Bund. Innerhalb von nur zwei Wochen baute der Wohlfahrtsverband ein Gelände um, auf dem sich bis vor ein paar Jahren ein Inkassounternehmen befand. Es gibt nun mehrere Schlafsäle, eine Krankenstation und einen Kindergarten. Beim Aufbau halfen auch 14 Flüchtlinge aus einer Unterkunft bei Göttingen. "Ich bin stolz auf das, was wir hier geschaffen haben", sagt Heimleiter Jens Meier. Ein Sicherheitsdienst überwacht das eingezäunte Areal. Unter den 55 hauptamtlichen Mitarbeitern sind viele Menschen aus Sumte und Umgebung.

Die Ereignisse in dem kleinen Dorf erregen längst über die deutschen Grenzen hinaus Aufmerksamkeit. Die spanische Zeitung "La Rioja" titelte im Oktober: "Panik wegen der Invasion in Sumte". Die Ankunft der ersten Flüchtlinge erwarteten am Montag sogar Medien aus Japan, Russland und den USA. Auch in Chile und Großbritannien wurde berichtet. "Die USA sind selbst ein Einwanderungsland. Viele Amerikaner erinnern sich an ihre Wurzeln", sagte Alison Smale, Leiterin des Berliner "New York Times"-Büros dem NDR.

Die Sumter sind so viel Aufmerksamkeit nicht gewohnt. Das Dorf, das kaum einen Kilometer breit ist, besteht nur aus ein paar Häuser und Höfen, dazwischen stehen Tiere auf Weiden. Einkaufsmöglichkeiten gibt es nicht, zweimal in der Woche kommt ein Bäckerwagen. Auf dem Gelände der Flüchtlingsunterkunft wurde daher ein kleiner Laden eingerichtet. Shuttle-Busse fahren zudem die Flüchtlinge in den nächsten Supermarkt im vier Kilometer entfernten Nachbarort Neuhaus.

Vier Polizisten statt zwei

Ortsvorsteher Fabel mag zwei Tage nach der ersten Ankunft noch kein Urteil ziehen. Noch mache sich die Anwesenheit der Flüchtlinge im Dorf wenig bemerkbar. Er freut sich, dass der Wunsch nach nächtlich beleuchteten Straßen erfüllt wurde. Was noch fehlt, ist ein Telefonanschluss, aber die Telekom hat die Leitungen noch nicht freigeschaltet. Die Bürger in Sumte verlangen auch nach 24 Stunden Polizeipräsenz. Ob das Land dem nachkommt, ist noch unsicher. Dass die Polizei im Nachbarort Neuhaus von zwei auf vier Personen aufgestockt wurde, mag auch Fabel nicht beruhigen. "Die Einwohner fürchten um ihre Sicherheit und Gesundheit, ihr Eigentum und ihre Kinder und Frauen", sagt er.

Grit Richter, Bürgermeisterin der Gemeinde Amt Neuhaus, der Sumte angehört, ist da schon zuversichtlicher. Die Gespräche mit den Einwohnern hätten viel Skepsis beseitigt, sagt sie. Auch künftig sollen regelmäßig Veranstaltungen stattfinden, um mit den Sumtern im Gespräch zu bleiben. "Jetzt geht es darum, dass die Flüchtlinge in Ruhe ankommen können", sagt Richter n-tv.de.

Noch ist von Normalität in Sumte jedoch keine Spur. Unzählige Kamerawagen übertragen die Ankunft der Flüchtlinge in die ganze Welt. Sie berichten über dieses kleine Dorf im Norden Deutschlands, das seine Einwohnerzahl derzeit vervielfacht.

Quelle: n-tv.de

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