Politik
Seit langem fordern Umweltschützer die Stellegung von Fessenheim.
Seit langem fordern Umweltschützer die Stellegung von Fessenheim.(Foto: AP)
Samstag, 03. Oktober 2009

"Altersschwaches Atomkraftwerk": Tausende protestieren in Colmar

Tausende Atomkraftgegner gehen gegen das französiche Kernkraftwerk Fessenhein auf die straße. Der Grund: Der französische Atomkonzern EDF hat für Fessenheim bereits eine Verlängerung der Betriebsdauer beantragt.

Mit einer Kundgebung im Elsass haben mehr als 3000 Atomkraftgegner gegen den Weiterbetrieb des französischen Kernkraftwerks Fessenheim am Rhein protestiert. Die Kundgebungsteilnehmer aus Frankreich, Deutschland und der Schweiz demonstrierten friedlich auf dem Bahnhofsplatz von Colmar. Ein Großaufgebot der Polizei hatte die Innenstadt mit drei Meter hohen Metallbarrieren abgeriegelt.

 

Der Protest richtete sich vor allem gegen eine mögliche Verlängerung der Betriebsdauer um weitere zehn Jahre. Fessenheim wurde Ende 1977 in Betrieb genommen und ist damit das älteste Atomkraftwerk Frankreichs. Das "alterschwache Atomkraftwerk" am Oberrhein werde immer mehr zur "Bedrohung für ganz Zentraleuropa", betonte Axel Meyer vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND). Mitglieder des französischen Netzwerks für den Atomausstieg "Sortir du Nucléaire" forderten auf Transparenten "Fessenheim auf den Schrottplatz" und "Stoppt Fessenheim - denkt an unsere Kinder". "Genug der Lügen, Atomkraft ist weder sicher noch sauber", forderte eine deutsche Gruppe auf einem Transparent.

Kernkraftgegner liegen auf den Straßen von Colmar.
Kernkraftgegner liegen auf den Straßen von Colmar.(Foto: REUTERS)

 

Bilderserie

Mit Sprechchören wie "Atomstaat ist Polizeistaat" protestierten die Teilnehmer, unter ihnen viele Familien mit Kindern, gegen die zahlreichen Auflagen der Behörden. Die Präfektur in Colmar hatte den ursprünglich geplanten Demonstrationszug durch die 70.000 Einwohner zählende Kleinstadt untersagt. Sie begründete dies mit der erwarteten hohen Teilnehmerzahl. Der Präfekt hatte im Vorfeld von 20.000 bis 30.000 Demonstranten gesprochen und zudem vor möglichen Randalieren aus Deutschland gewarnt.

An den Zufahrtsstraßen nach Colmar führten Kontrollen zu Verkehrsbehinderungen. Das Zentrum der Stadt war zuden durch zahlreiche Polizeisperren abgeriegelt. Unterstützt wurde die Protestaktion unter anderem von den Grünen, der Umweltorganisation Greenpeace, der französischen Neuen Anti-Kapitalistischen Partei (NPA) und dem unionsnahen Bundesverband Christliche Demokraten gegen Atomkraft (CDAK).

EDF will längere Betriebsdauer

Der französische Atomkonzern EDF hat für Fessenheim bereits eine Verlängerung der Betriebsdauer auf 40 Jahre beantragt. Darüber hat die nationale Behörde für Atomsicherheit (ASF) zu entscheiden. Zunächst soll die Anlage einer eingehenden Prüfung unterzogen werden. Die sogenannte Zehnjahresinspektion für Block I soll dieser Tage beginnen, die für Block II im kommenden Jahr. Die Überprüfungen dauern ASN zufolge jeweils rund drei Monate und kosten pro Reaktor rund 60 Millionen Euro.

 

Erst nach Auswertung aller Daten werde über eine Verlängerung der Laufzeit entschieden, versicherte kürzlich der Leiter der Straßburger ASN-Abteilung, Pascal Lignères. Die Umweltschützer sind aber davon überzeugt, dass die Entscheidung für den Weiterbetrieb schon längst gefallen ist.

Erdbebenrisiko in Region

Atomkraftgegner im deutsch-französisch-schweizerischen Dreiländereck fordern seit Jahren die Stilllegung von Fessenheim. Sie begründen dies unter anderem mit dem bekannten Erdbebenrisiko im Oberrheingraben, der bereits bei früheren Inspektionen festgestellten Materialermüdung und den zahlreichen Pannen. Ein trinationales Bündnis gegen Atomkraft hat Klage vor dem Straßburger Verwaltungsgericht gegen den Weiterbetrieb eingereicht. Über diese Klage ist noch nicht entschieden.

Quelle: n-tv.de

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