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Dieses über soziale Medien verbreitete Foto soll einen völlig abgemagerten jungen Mann in Madaja zeigen.
Dieses über soziale Medien verbreitete Foto soll einen völlig abgemagerten jungen Mann in Madaja zeigen.(Foto: REUTERS)

Das Drama in Madaja: Tausenden Syrern droht der Hungertod

Vor einem halben Jahr schnitt Syriens Regierungsarmee die Menschen von Madaja von der Außenwelt ab. Tausenden droht nun der Hungertod. Wird eine so dringend herbeigesehnte Hilfslieferung am Montag die Stadt erreichen?

Tausende vom Hungertod bedrohte Menschen in der belagerten syrischen Stadt Madaja können frühestens an diesem Montag auf Hilfe hoffen. Die Lieferungen könnten aus logistischen Gründen nicht vorher stattfinden, teilte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Syrien mit. Außer Nahrungsmitteln werde das IKRK "Medizin und Artikel für die medizinische Grundversorgung, chronische Krankheiten, Schwangere und Säuglinge liefern", sagte Sprecher Pawel Krzysiek.

In der von Rebellen gehaltenen Stadt rund 25 Kilometer nordwestlich von Damaskus sind seit einem halben Jahr etwa 40.000 Menschen von der Regierungsarmee und deren Verbündeten eingeschlossen. Hilfsorganisationen konnten nach eigenen Angaben zuletzt im Oktober Lieferungen nach Madaja bringen. Aktivisten berichteten, die Menschen ernährten sich von Blättern, Hunden und Katzen. Zeitgleich zu der Hilfe für Madaja soll eine Lieferung in den von Rebellen belagerten Orten Fua und Kefraja im Nordwesten Syriens eintreffen.

In Madaja sind seit Dezember nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen (MSF) mindestens 23 Menschen - darunter sechs Kinder im Alter unter fünf Jahren - ums Leben. Weitere Opfer unter Menschen, die sich nicht an das örtliche Krankenhaus gewandt hätten, seien aber wahrscheinlich. Einwohner aus Madaja berichteten der Deutschen Presse-Agentur am Samstag von zwei weiteren Opfern. Ein Vater und sein neun Jahre alter Sohn seien verhungert, hieß es.

150 Schwerkranke im Krankenhaus

MSF forderte angesichts der dramatischen Situation regelmäßige Hilfseinsätze. "Eine einzelne Lieferung wird das Problem nicht lösen", sagte Tammam Aludat, stellvertretender medizinischer Direktor der Hilfsorganisation. Es müsse eine konstante Versorgung der Tausenden Hungernden in dem Ort sichergestellt werden. Auch müsse es eine Möglichkeit geben, einzelne Personen aus der Stadt in Sicherheit zu bringen. Momentan lägen im Krankenhaus Madajas 150 Schwerkranke - zehn von ihnen würden sterben, wenn sie nicht schnell behandelt würden.

Im Nordwesten Syriens starben als Folge eines russischen Luftangriffs mindestens 65 Menschen. Bei dem Beschuss eines Gerichtsgebäudes mit integriertem Gefängnis seien am Samstag in der Stadt Maarat al-Numan auch 22 Zivilisten getötet worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mit. Auch 14 Gefangene und 23 Mitglieder der radikalislamischen Al-Nusra-Front seien ums Leben gekommen. Al-Nusra ist der syrische Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida.

Syriens Regime zeigte sich inzwischen bereit zu Friedensgesprächen mit seinen Gegnern, fordert aber vorher eine Teilnehmerliste der Opposition. Außenminister Walid al-Muallim verlangte bei einem Treffen mit dem UN-Sondergesandten Staffan de Mistura am Samstag in Damaskus außerdem eine Aufstellung aller Rebellenbrigaden, die als Terrorgruppen eingestuft würden, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete. De Mistura sprach von einem "nützlichen" Treffen.

Die Verhandlungen sollen am 25. Januar beginnen. In Syrien tobt seit fast fünf Jahren ein Bürgerkrieg, in dem nach UN-Angaben mehr als 250.000 Menschen getötet wurden.

Quelle: n-tv.de

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