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Geiselnahme in einem Konzertsaal: Vor dem Bataclan fliehen Besucher ins Freie.
Geiselnahme in einem Konzertsaal: Vor dem Bataclan fliehen Besucher ins Freie.(Foto: dpa)

Dutzende Tote bei Anschlägen: Terror-Attacken erschüttern Paris

Frankreich erlebt einen Abend des Schreckens: Während des Länderspiels im Stade de France kommt es in der französischen Hauptstadt zu einer Welle von Attacken. Dutzende Menschen sterben im Kugelhagel. Selbstmordattentäter zünden ihre Sprengsätze. In einem Konzertsaal feuern die Täter minutenlang in die Reihen der Gäste. Polizei und Militär sind im Großeinsatz.

Terroralarm in Paris: Bei mindestens sechs verschiedenen Attacken sind in der französischen Hauptstadt zahlreiche Menschen getötet worden. Ersten Angaben der französischen Behörden zufolge kamen mindestens 39 Menschen ums Leben. Bis zu 50 Menschen wurden bei den verschiedenen Vorfällen im Norden der Pariser Innenstadt schwer verletzt und schweben noch in Lebensgefahr.

Paris im Ausnahmezustand: Sicherheitskräfte sperren einen der Tatorte ab.
Paris im Ausnahmezustand: Sicherheitskräfte sperren einen der Tatorte ab.(Foto: dpa)

Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande stufte die Vorfälle als "Terrorangriffe" ein und verhängte für ganz Frankreich den Ausnahmezustand. Die Landesgrenzen wurden vorübergehend geschlossen. Im Großraum Paris kommt der Verkehr zum Erliegen. Die Polizei errichtet Straßensperren und fahndet mit einem Großaufgebot nach den Tätern.

Das Militär solle verstärkt werden, um weitere Anschläge zu verhindern, kündigte Hollande an. Alle Krankenhäuser der französischen Hauptstadt seien in den Alarmzustand versetzt worden. Hollande appellierte an seine Nation, zusammenzuhalten. "Die Terroristen wollen uns in Angst und Schrecken versetzen. Man kann Angst haben, man kann Schrecken verspüren", sagte der Präsident. "Aber dem Entsetzen steht eine Nation gegenüber, die weiß, wie sie sich verteidigt. Die weiß, wie sie ihre Kräfte sammelt. Und die einmal mehr wissen wird, wie sie die Terroristen besiegen wird."

Das Muster der Angriffe deutet auf eine konzertierte Aktion einer größeren Gruppe hin: Nahezu zeitgleich kam es am Abend um kurz nach 21.00 Uhr (MEZ) zu mehreren Explosionen, Schießereien und zu einer Geiselnahme in einem Konzertsaal in der Nähe des Place de la République. Bei einem Angriff im 10. Arrondissement feuerten mehrere Täter mit automatischen Waffen auf Gäste und Passanten vor einem kambodschanischen Restaurant. Allein bei diesem Angriff sollen mindestens 15 Menschen ums Leben gekommen sein. Die Täter konnten unerkannt fliehen.

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Kurz darauf starben mindestens 15 weitere Menschen bei einem Angriff auf die Konzerthalle "Bataclan". Dort sollen sich zeitweise mehr als 100 Menschen in der Gewalt unbekannter Attentäter befunden haben. Das Konzerthaus wurde von Sicherheitskräften gestürmt. Die Lage ist unklar. Etwa zehn Minuten hätten die Attentäter dort mit Kalaschnikows um sich geschossen, berichteten Augenzeugen.

Ein Radioreporter, der zufällig im "Bataclan" war, erzählte dem US-Sender CNN, die Männer seien schwarz gekleidet gewesen und hätten wahllos in die Menge geschossen. Sie seien nicht maskiert gewesen. Ein Geiselnehmer, dessen Gesicht er gesehen habe, sei um die 20 bis 25 Jahre alt gewesen. Er selbst habe fliehen können. Am Ausgang habe er mindestens 20 Leichen und zahlreiche Verletzte gesehen.

Währenddessen ereigneten sich in der Nähe des Stadions Stade de France mehrere Explosionen. Dabei soll es sich um drei Selbstmordattentäter gehandelt haben, berichten französische Medien. Der gesamte Innenstadtbereich der französischen Hauptstadt ist beeinträchtigt: U-Bahn und andere öffentliche Verkehrsmittel sollten vorerst gemieden werden, hieß es. Das Handynetz brach zeitweise zusammen. Sicherheitskräfte sind mit einem Großaufgebot aus Polizei und Militär im Einsatz.

Tausende Menschen im Stadion

Im Fußballstadion Stade de France, in dem am Abend ein Freundschaftsspiel zwischen den Nationalmannschaften aus Deutschland und Frankreich stattfand, waren nach der 15. Spielminute mehrere Explosionen deutlich zu hören, wie n-tv.de Korrespondent Stefan Giannakoulis berichtete. Im ersten Moment habe sich der Knall angehört wie ein im französischen Fußball nicht unüblicher Böller.

Die Sicherheitskräfte reagierten umgehend und riegelten das Stadion sofort ab. Das Spiel lief zunächst weiter. Auf der Tribüne herrschte eine "sehr nervöse Stimmung", berichtete Giannakoulis. Bundestrainer Joachim Löw reagierte mit großer Bestürzung und Betroffenheit auf die Ereignisse.

Deutschlands Nationaltrainer im Stade de France.
Deutschlands Nationaltrainer im Stade de France.(Foto: imago/Moritz Müller)

"Wir sind alle erschüttert und schockiert", sagte Löw nach dem Spiel in einer Live-Schaltung der ARD aus Paris. Als er in der 20. Spielminute einen lauten Knall gehört habe, habe er sofort an die Bombendrohung gedacht, die früher am Tag im Mannschaftshotel eingegangen war. "Ich konnte mir in etwa ausmalen, was das sein wird", fügte er hinzu. Teammanager Oliver Bierhoff sagte, er habe die Spieler nach dem Spiel über die Ereignisse informiert. "Sie waren geschockt", berichtete er. Die Spieler befänden sich in "großer Angst" und "großer Unsicherheit".

Das Teamhotel der deutschen Mannschaft musste nach einer Bombendrohung am Morgen kurzzeitig geräumt werden. Am Nachmittag ging eine weitere Drohung für den Gare de Lyon. Der Bahnhof im 12. Arrondissement wurde ebenfalls kurzzeitig gesperrt und durchsucht. Verdächtige Gegenstände wurden dabei nicht gefunden.

"Wir stehen an der Seite Frankreichs"

Die Lage am Abend blieb zunächst unübersichlich: Hollande wurde noch während des Länderspiels von seinen Personenschützern aus dem Stadion geleitet. Er wollte das Spiel eigentlich an der Seite von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier verfolgen.

In einer ersten Reaktion zeigte sich Steinmeier entsetzt über die Attacken von Paris. Er sei erschüttert über die Ereignisse, twitterte das Auswärtige Amt. Steinmeier wurde mit den Worten zitiert: "Wir stehen an der Seite Frankreichs!". Ob Steinmeier aus Sicherheitsgründen vorzeitig aus dem Stadion gebracht wurde, blieb zunächst offen.

Panikreaktionen im Stadion

Nach dem Spiel wurden zunächst nur einzelne Ausgänge geöffnet. Das Stadion beginne sich schnell zu leeren, hieß es. Ordner öffneten kurz darauf auch den Stadioninnenraum - offenbar, um Druck von den Ausgängen zu nehmen. Kurz darauf verhängten die Behörden für das Stadion eine Ausgangssperre. "Wir kommen im Moment nicht aus dem Stadion", berichtet Giannakoulis. "Es gibt Schreie auf den Fluren, die Zuschauer strömen auf den Rasen. Viele weinen."

Die Täter befinden sich angeblich auf der Flucht. Die Polizei sei gegen 21.47 Uhr verständigt worden. Kurz darauf soll es zu einer Geiselnahme in der Pariser Konzerthalle gekommen sein. Weitere Details dazu stehen noch aus.

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Quelle: n-tv.de

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