Politik
Video

Polizei veröffentlicht Fahndungsfoto: Terroranschlag erschüttert Kopenhagen

In Kopenhagen fallen bei einer Konferenz zum Thema Meinungsfreiheit und Blasphemie mehrere Schüsse. Offenbar gilt die Attacke dem Mohammed-Karikaturisten Lars Vilks. Ein Mensch stirbt, drei weitere werden verletzt. Der Täter ist auf der Flucht - an der Grenze zu Deutschland werden die Kontrollen verschärft.

Terror in Kopenhagen: Während einer Diskussionsrunde zum Thema Meinungsfreiheit und Blasphemie fallen Dutzende Schüsse. Ein unbekannter Täter schoss von außen auf das Kultur-Café, in dem die Veranstaltung stattfand. Ein 55-Jähriger wurde bei der Attacke getötet, mehrere Polizisten wurden angeschossen. Sie sind außer Lebensgefahr. Die dänische Regierung geht von einem Terrorakt aus. "Alles deutet darauf hin, dass die Schüsse eine politisch motivierte Attacke darstellen und deswegen ein Akt des Terrorismus sind", sagte Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt. Das Attentat galt offenbar dem schwedischen Karikaturisten Lars Vilks, der bei der Diskussionsrunde anwesend war. Vilks brachte sich in einer Kühlkammer in Sicherheit - er blieb unverletzt.

Mit diesem Foto fahndet die Polizei nach dem mutmaßlichen Attentäter.
Mit diesem Foto fahndet die Polizei nach dem mutmaßlichen Attentäter.(Foto: Twitter.com/@CNNJason)

Wie n-tv Reporter Martin Drohsel aus Dänemark berichtet, sucht die Polizei derzeit mit einem Fahndungsfoto nach einer Person. Zu Beginn hieß es, zwei Täter seien auf der Flucht. Der mutmaßliche Täter flüchtete in einem dunklen VW Polo. Das Fahrzeug wurde inzwischen gefunden. Von dem Schützen fehlt jedoch jede Spur. Der Täter soll zwischen 25 und 30 Jahre alt sein, etwa 1,85 Meter groß und von sportlicher Statur. Der Polizei zufolge handelt es sich um einen Mann arabischen Aussehens.

Auch die deutsche Bundespolizei beteiligt sich an der Fahndung, die dänischen Kollegen hätten um die Unterstützung gebeten, sagte ein Sprecher. Es geht vor allem um verstärkte Kontrollen und Fahndungsmaßnahmen im Grenzraum zwischen Deutschland und Dänemark.

Täter wollte "dasselbe wie bei Charlie Hebdo"

Deutlich zu sehen: Die Einschusslöcher an der Fensterfront des Kultur-Cafés in Kopenhagen.
Deutlich zu sehen: Die Einschusslöcher an der Fensterfront des Kultur-Cafés in Kopenhagen.(Foto: REUTERS)

Der Karikaturist Vilks war schon mehrfach Ziel von Anschlägen, nachdem er eine Zeichnung mit dem Propheten Mohammed als Hund ausgestellt hatte. 2007 war im Internet von einem Al-Kaida-Ableger im Irak ein Kopfgeld von 150.000 Dollar ausgesetzt worden. "Was könnte man sich beim heutigen Dollarkurs schon für meinen Kopf kaufen?" scherzte Vilks damals.

Auch bei der Veranstaltung war der französische Botschafter François Zimeray. Zimeray gab kurz nach den Schüssen via Twitter bekannt, dass er lebe und sich noch im Konferenzraum befinde. "Sie haben von außen auf uns geschossen. Sie hatten dasselbe vor wie die Täter von 'Charlie Hebdo' - außer dass sie es nicht geschafft haben, in das Gebäude zu kommen", sagte Zimeray. Kugeln seien durch Türen gedrungen, alle Anwesenden hätten sich auf den Boden geworfen und seien dann aus dem Saal geflüchtet. Der französische Außenminister Laurent Fabius sprach in einem Statement von einem "terroristischen Anschlag".

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat den Anschlag als terroristischen Akt verurteilt. "Die internationale Gemeinschaft wie die Staaten jeder für sich werden sich dieser Art von Terrorismus nicht beugen", sagte Steinmeier bei einem Besuch in Peru. "Wir stehen ein für die Freiheit und wir wollen sie für die Menschen in unseren Staaten erhalten." Zusammen mit dem peruanischen Außenminister Gonzalo Gutierrez sprach er Dänemark sein Mitgefühl aus.

Der Terrorismus-Experte Michael Ortmann sagte bei n-tv, es spreche viel dafür, dass es sich um einen Terrorakt handle. Dänemark sei seit einigen Jahren im Visier von Terroristen. "Es gibt dort eine gewisse islamistische Szene", so Ortmann. "Das passt schon alles ins Bild." Der dänische Karikaturist Kurt Westergaard sagte, man habe so etwas "vielleicht erwarten" können. Er sei wütend und fühle sich seit dem Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" im Januar in Paris besonders bedroht.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen