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Mokhtar Belmokhtar ist für die Geiselnahme auf einem Gasfeld in Algerien verantwortlich.
Mokhtar Belmokhtar ist für die Geiselnahme auf einem Gasfeld in Algerien verantwortlich.(Foto: Reuters)

Tötung des "Einäugigen" gemeldet: Terrorist von In Amenas ist tot

Der Terrorist Mokhtar Belmokhtar ist angeblich getötet worden. Die Armee des Tschad meldet, dies sei bei einem Sturm auf ein Islamistencamp im Norden Malis geschehen. Belmokhtar hatte vor einigen Monaten eine Organisation gegründet, die im Januar ein Gasfeld in Algerien besetzte, wobei 55 Menschen starben. Immer wieder hatte er seitdem mit weiterem Terror gedroht.

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Die Armee des Tschad meldet, dass sie den berüchtigten Islamistenführer Mokhtar Belmokhtar getötet hat. Belmokhtar sei bei einem Angriff auf ein Islamisten-Camp im Norden Malis getötet worden, teilte der Generalstab der tschadischen Armee mit. Der gebürtige Algerier mit dem Beinamen "der Einäugige" war unter anderem der Drahtzieher der blutigen Geiselnahme auf einem algerischen Gasfeld im Januar.

Das Islamisten-Camp sei bei dem Angriff im Gebirgsmassiv Adrar des Ifoghas vollständig zerstört worden, hieß es in der Erklärung der tschadischen Armee weiter. "Mehrere Terroristen" seien getötet worden, unter ihnen Belmokhtar.

Der 40-Jährige war ein Anführer des Terrornetzwerks Al-Kaida im Islamischen Maghreb (Aqmi). Im Oktober vergangenen Jahres wandte er sich von Aqmi ab und gründete eine eigene Organisation namens "Al-Mulathamin" ("Die mit Blut unterzeichnen"). Die Gruppe ist für die Geiselnahme auf der algerischen Gasförderanlage In Amenas im Januar verantwortlich.

55 Tote bei Geiselnahme

Das Gasfeld In Amenas wird von BP und Statoil betrieben.
Das Gasfeld In Amenas wird von BP und Statoil betrieben.(Foto: dpa)

Bei dem Geiseldrama waren Mitte Januar insgesamt mindestens 55 Menschen getötet worden, darunter viele Geiseln. Mehr als 600 algerische Arbeiter und über 100 ausländische Mitarbeiter wurden befreit. Algerische Sicherheitskräfte hatten die von einem islamistischen Terrorkommando besetzte Anlage gestürmt. Die Geiselnehmer forderten ein Ende des französischen Militäreinsatzes gegen die Islamisten in Mali. Ein Sprecher der Terroristen sagte damals, der Angriff sei die Strafe dafür, dass Algerien französischen Militärflugzeugen Überflugrechte eingeräumt habe. Belmokhtar hatte seither wiederholt mit weiteren Angriffen gedroht, sollte Frankreich seinen Militäreinsatz in Mali nicht stoppen. Nach Angaben des algerischen Innenministers habe es sich bei den Geiselnehmern um etwa 20 Männer gehandelt, die aus Algerien stammten. Das Gasfeld In Amenas in der Sahara wurde unter anderem von den Mineralölkonzernen BP aus Großbritannien und Statoil aus Norwegen betrieben.

Belmokhtar, der wegen des Verlusts eines Auges den Beinamen "Lawar" ­("der Einäugige") trägt, kam 1972 in Algerien zur Welt. In einem Interview sagte er einmal, er sei in sehr jungen Jahren von den afghanischen Mudschahedin und ihrem Kampf gegen die sowjetische Armee begeistert gewesen. Mit kaum 19 Jahren schloss er sich diesen an und ließ sich in afghanischen Trainingslagern ausbilden, aus denen später das Terrornetzwerk Al-Kaida entstand. Im Kampf gegen die Russen soll er sein Auge verloren haben.

Weiterer Terroristenführer getötet

Mali - Land am Niger 2
(Foto: stepmap.de)

Erst am Freitag hatte der Tschad den Tod eines anderen wichtigen Islamistenführers in Mali gemeldet. Der aus Algerien stammende Extremist Abdelhamid Abou Zeid sei am 22. Februar ebenfalls im Ifoghas-Gebirge im Nordosten Malis von tschadischen Soldaten getötet worden, sagte Präsident Idriss Déby Itno. Der etwa 40-jährige Algerier Abou Zeid, dessen richtiger Name Mohamed Ghdiri lautet, tauchte erstmals 2003 im Zusammenhang mit der Entführung von 32 europäischen Touristen in der algerischen Sahara auf. Die algerischen Sicherheitskräfte würden Genproben von der angeblichen Leiche Abou Zeids mit denen von Angehörigen des Chefterroristen vergleichen, berichtete die algerische Zeitung "El Khabar". Französische Truppen hätten die Leiche den algerischen Behörden übergeben.

Abou Zeid galt als einer der drei wichtigsten Anführer der Al-Kaida im islamischen Maghreb (AQMI). Der Algerier herrschte zuletzt über Timbuktu, bis die nordmalische Stadt von französischen und malischen Truppen aus Islamistenhand befreit wurde. Abou Zeid zeichnet für den Tod mehrerer westlicher Geiseln verantwortlich und soll zuletzt noch mehrere französische Zivilisten in seiner Gewalt gehabt haben.

Die Regierungen in Mali, Frankreich und Algerien bestätigten die Angaben zum Tod der beiden Männer bislang nicht. Sollten sie sich bestätigen, hätte die von Frankreich geführte Militärkoalition den Islamisten in Mali einen schweren Schlag zugefügt.

Deutschland unterstützt den Kampf

Französische Truppen führen seit Mitte Januar einen Militäreinsatz in dem westafrikanischen Land. Unterstützt werden sie in ihrem Kampf gegen Islamisten vor allem von rund 2000 Soldaten aus dem Tschad. Die Kämpfe konzentrieren sich derzeit auf das Ifoghas-Gebirge, wohin sich islamistische Gruppen zurückgezogen haben.

Auch die Bundeswehr ist in Mali im Einsatz. Nach drei Transportmaschinen traf am Samstag ein Tankflugzeug mit 30 Soldaten an Bord in der sengalesischen Hauptstadt Dakar ein. Von dort aus soll das Spezialflugzeug französische Kampfjets in der Luft betanken.

Quelle: n-tv.de

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