Politik

Blutbad unter "ungläubigen Kenianern" und Ausländern: Terroristen halten Geiseln gefangen

Die islamistische Al-Shabaab verübt einen Überfall auf "ungläubige Kenianer" in einem Einkaufszentrum der Hauptstadt Nairobi. Dutzende Menschen werden getötet oder verletzt. Nun fallen erneut Schüsse in dem Gebäude.

Nach dem Überfall auf ein Einkaufszentrum in der kenianischen Hauptstadt Nairobi mit vielen Toten haben sich die Angreifer weiterhin mit Geiseln verschanzt. Am Morgen wurden im Inneren der Westgate Shopping Mall erneut zahlreiche Schüsse abgefeuert. Zwei verletzte Soldaten wurden aus dem Gebäude gebracht und in Krankenwagen abtransportiert. Zudem trafen weitere Krankenwagen vor Ort ein. Zuvor hatte ein Vertreter der Sicherheitskräfte am Anschlagsort versichert: "Wir werden alle befreien, die sich im Inneren aufhalten und das hier stoppen."

Am Tag zuvor hatten mindestens 18 Maskierte das exklusive Einkaufszentrum gestürmt und das Feuer eröffnet. Auch Handgranaten sollen sie geworfen haben. Sicherheitskräfte stürmten das Einkaufszentrum. Das Innenministerium teilte mit, die Beamten würden auch aus der Luft unterstützt.

Dutzende Passanten hatten sich in Sicherheit bringen können.
Dutzende Passanten hatten sich in Sicherheit bringen können.(Foto: REUTERS)

Die islamistische Al-Shabaab-Miliz aus Somalia bekannte sich zu dem Anschlag am Vortag. Die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündeten Aufständischen verbreiteten über Twitter die Mitteilung: "Die Mujahedin drangen heute gegen Mittag in die Westgate-Mall ein und sind noch immer in dem Einkaufszentrum", ihr Kampf gelte den kenianischen Ungläubigen. "Was die Kenianer im Westgate erleben, ist ausgleichende Gerechtigkeit für Verbrechen, die ihre Armee verübt hat", heißt es. Den Islamisten zufolge wurden "mehr als hundert ungläubige Kenianer" getötet.

Blutspender und Psychologen werden gesucht

Der kenianische Innenminister Joseph Ole Lenku sprach dagegen von mindestens 59 Toten. Die Regierung gehe von 175 Verletzten aus. Etwa zehn bis 15 bewaffnete Angreifer seien noch in dem Einkaufszentrum Shopping Mall. Weil sie wahrscheinlich unschuldige Menschen in ihrer Gewalt hätten, sei der Einsatz der Sicherheitskräfte schwierig, sagte der Innenminister.

Die Behörden baten die Bevölkerung indes um Mithilfe. Das Rote Kreuz und andere Organisationen richteten Blutspende-Zentren ein. "Melde dich freiwillig und rette jemandem das Leben", hieß es in einem Aufruf bei Twitter. Die Polizei suchte zudem Psychologen und Sozialarbeiter, um die Überlebenden des Angriffs zu betreuen. Auch Lebensmittelspenden seien willkommen.

Kenias Präsident Uhuru Kenyatta sagte in einer Fernsehansprache zu den Anschlägen: "Wir werden den Terrorismus besiegen. Kenia habe schon "früher Terrorangriffe überstanden". Er selbst habe "Familienmitglieder in der Westgate-Attacke verloren", fügte Kenyatta hinzu.

Immer wieder Terrordrohungen

Der Einkaufszentrum gilt als Treffpunkt der Wohlhabenden.
Der Einkaufszentrum gilt als Treffpunkt der Wohlhabenden.(Foto: REUTERS)

Die kenianische Regierung hatte schon frühzeitig Al-Shabaab aus Somalia für den Terror in Kenia verantwortlich gemacht. Kenianische Truppen waren vor zwei Jahren in das Nachbarland eingedrungen, um bei der Bekämpfung militanter Gruppen zu helfen. Seitdem gibt es immer wieder Anschlagsdrohungen gegen Hotels und Nachtclubs in Kenia.

"Wir haben eine große Schießerei gehört und sind weggerannt", berichtete ein Augenzeuge. Fernsehbilder zeigten, wie Menschen in Panik aus dem exklusiven Einkaufszentrum stürmten und Schutz suchten. Manche lagen sich schockiert in den Armen.

"Es ist ein Blutbad", sagte ein früherer britischer Soldat, der vor Ort war. Ein anderer Überlebender ergänzte, er sei von einem Mann angeschossen worden, der somalisch ausgesehen habe. Die Polizei griff verängstigte Besucher auf, die sich unter anderem in einer Toilette versteckt hatten. Viele suchten wohl auch im Kino der Mall Schutz.

Ein Ort der Wohlhabenden

Das Kaufhaus gehört einem Israeli. Dort befinden sich zahlreiche israelische Läden und Restaurants. Der stellvertretende israelische Botschafter und der Sicherheitschef der israelischen Botschaft hätten sich umgehend zum Anschlagsort begeben, berichteten israelische Medien. Für das Einkaufszentrum hatte bereits eine Terrordrohung bestanden.

Ein Soldat bringt zwei Mädchen in Sicherheit.
Ein Soldat bringt zwei Mädchen in Sicherheit.(Foto: REUTERS)

Das Westgate-Einkaufszentrum außerhalb Nairobis wurde 2007 eröffnet. Es beherbergt nach Angaben der Betreiber mehr als 80 Geschäfte, ein Kino mit mehreren Sälen sowie ein Kasino. Auf der Homepage beschreibt es sich als "ruhigen und sicheren" Ort. Nach Medienberichten ist das Zentrum ein beliebter Treffpunkt für wohlhabende Kenianer und im Land lebende Ausländer.

Die Kriminalität ist eines der Hauptprobleme Nairobis. Das Auswärtige Amt warnt etwa vor Raubüberfällen. Bestimmte Gegenden der Metropole sollten auch bei Tag gemieden werden. Zu den größten Missständen zählen die grassierende Armut und die schlechte Lebenssituation vieler Hauptstädter. Über 60 Prozent der mehr als 3,5 Millionen Einwohner leben in Slums.

Quelle: n-tv.de

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