Politik

Belgische Justiz schreibt Fahndung aus: Terrorverdächtiger wird international gesucht

Nach den Terroranschlägen von Paris ist offenbar ein Mann, der mit den Taten in Zusammenhang steht, auf der Flucht. Die belgischen Behörden fahnden nach Abdeslam Salah, einem 26-jährigen Franzosen, der in Brüssel geboren wurde.

Im Zusammenhang mit der Terrorserie von Paris sucht die belgische Justiz nach einem Verdächtigen. Der Flüchtige wurde international zur Fahndung ausgeschrieben, wie die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf die zuständige Staatsanwaltschaft berichtet. Frankreichs Polizei veröffentlichte ein Foto des Mannes. Es handelt sich um Abdeslam Salah, einem 26-Jährigen, der in Brüssel geboren wurde. Er sei Franzose, ist 1,75 Meter groß und hat braune Augen. Die Polizei warnt davor, sich dem Mann zu nähern. Der französische Sender BFMTV meldet, Salah soll den schwarzen VW Polo gemietet haben, den die Attentäter im "Bataclan" benutzt hatten.

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Französische Ermittler haben derweil zwei weitere Selbstmordattentäter als Franzosen identifiziert. Die beiden Terroristen waren 20 und 31 Jahre alt und wohnten in Belgien, wie der Pariser Staatsanwalt François Molins mitteilte. Zuvor hatte die Brüsseler Staatsanwaltschaft bereits bekanntgegeben, dass zwei der getöteten Attentäter zuletzt im Großraum Brüssel gelebt und einen französischen Pass hatten.

Damit waren mindestens drei der sieben toten Attentäter Franzosen. Zuvor war bereits ein 29-Jähriger Franzose als einer der Angreifer im Pariser Musikklub "Bataclan" identifiziert worden. Den Angaben aus Paris zufolge war der 20-Jährige einer der Attentäter, die sich am Fußballstadion Stade de France in die Luft sprengten. Der andere sei der Verantwortlicher des Anschlags im Restaurant "Comptoir Voltaire" im Osten von Paris. Die Identifizierung der übrigen toten Terroristen sei noch nicht abgeschlossen.

Die Nachrichtenagentur AFP berichtet zudem unter Berufung auf Ermittler, dass drei Brüder in die Anschläge verwickelt seien. Einer von ihnen ist offenbar der flüchtige Salah. Zuvor war gemutmaßt worden, dass er unter den toten Selbstmordattentätern war.

Brüsseler Bürgermeisterin spricht von "Netzwerk"

Einer seiner Brüder ist offenbar bei den Anschlägen selbst gestorben. Sein Name soll laut "Washington Post" Ibrahim Salah sein. Der dritte Bruder wurde offenbar bei den Festnahmen in Belgien festgesetzt. Es ist jedoch unklar, ob er aktiv bei den Anschlägen mitgewirkt hat. Auch, ob er noch in Haft ist, ist nicht bekannt.

Nach den Anschlägen von Paris verfolgen die Fahnder in Frankreich derzeit vornehmlich die Spur nach Belgien: Insgesamt wurden bei Razzien in Belgien sieben Verdächtige festgenommen. Die Bürgermeisterin des Brüsseler Problemviertels Molenbeek, Françoise Schepmans, sprach von einem "Netzwerk".

Laut dem Pariser Staatsanwalt François Molins handelten die Attentäter in drei Gruppen: Drei Angreifer sprengten sich an der Fußballarena Stade de France in die Luft. Weitere Attentäter beschossen Restaurants und Bars in der Innenstadt, die dritte Gruppe stürmte das Bataclan. Bei den Anschlägen wurden am Freitagabend 129 Menschen getötet. Mehr als 350 Menschen wurden verletzt, fast 100 von ihnen lebensgefährlich. Unter den Todesopfern ist nach Angaben des Auswärtigen Amts mindestens ein deutscher Staatsbürger. Es soll sich um einen Münchener handeln, der schon seit längerem in Paris gelebt hatte. Die Identifizierung der Opfer sei noch nicht abgeschlossen, hieß es. Es ist also offen, ob es noch weitere deutsche Todesopfer gab.

Seat in einem Pariser Vorort gefunden

Die Ermittler suchten fieberhaft nach möglicherweise untergetauchten Komplizen und den Auftraggebern der Attentäter. "Sieben Terroristen starben während ihrer kriminellen Handlungen", sagte der Pariser Staatsanwalt François Molins. Einer der Angreifer sei anhand eines abgetrennten Fingers identifiziert worden. Der 1985 im Süden von Paris geborene Mann sei acht Mal wegen Straftaten verurteilt worden und den Behörden wegen seiner Radikalisierung aufgefallen. Sechs Personen aus seinem Umfeld wurden festgenommen, darunter sein Vater und ein Bruder.

Mutmaßungen über möglicherweise noch auf freiem Fuß befindliche Komplizen der Attentäter wurden angeheizt durch den Fund des schwarzen Seat, der von den Attentätern benutzt worden war, im östlichen Vorort Montreuil. Zwei weitere von den Attentätern benutzte und Anfang der Woche in Belgien angemietete Fahrzeuge wurden nach Angaben der belgischen Staatsanwaltschaft in der Nähe des Konzertsaals Bataclan und am Friedhof Père Lachaise in Paris entdeckt.

Die Ermittler prüfen außerdem eine Verbindung der Attentäter nach Syrien. Nahe der Leiche eines Selbstmordattentäters am Stade de France sei ein syrischer Pass gefunden worden, sagte Staatsanwalt Molins. Der griechische Zivilschutzminister Nikos Toskas sagte, der Passinhaber sei am 3. Oktober auf der Insel Leros angekommen und als Flüchtling registriert worden.

Hollande will Ausnahmezustand verlängern

Unklar blieb zunächst eine mögliche Verbindung zu einer Routinekontrolle in Deutschland, bei der am 5. November bei Rosenheim im Wagen eines Mannes aus Montenegro acht Maschinengewehre, zwei Pistolen, ein Revolver, zwei Handgranaten und 200 Gramm Sprengstoff gefunden worden waren. Auf dem Navigationssystem des Mannes war eine Adresse in Paris eingegeben, diese Adresse stand auch auf einem im Auto gefundenen Zettel.

Frankreichs Präsident François Hollande will den verhängten Ausnahmezustand auf drei Monate verlängern. Dazu wäre allerdings ein Parlamentsbeschluss nötig. In Frankreich begann am Sonntag eine dreitägige Staatstrauer, in Paris waren die Straßen nahezu menschenleer. Alle Museen und Veranstaltungshallen blieben geschlossen. Die Regierung mobilisierte 3000 weitere Soldaten. Die Einsatzstärke soll bis Dienstagabend von 7000 auf 10.000 steigen.

Die luxemburgische EU-Ratspräsidentschaft berief für Freitag ein Sondertreffen der Innenminister ein, auf dem über Konsequenzen aus den Pariser Anschlägen beraten werden soll. Zuvor hatte Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve gefordert, der Kampf gegen den Terrorismus müsse "auf allen Ebenen noch verstärkt werden".

Quelle: n-tv.de

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