Politik
Probelmatisches Verhältnis: Rex Tillerson und Donald Trump.
Probelmatisches Verhältnis: Rex Tillerson und Donald Trump.(Foto: imago/ZUMA Press)
Mittwoch, 04. Oktober 2017

Angebliche Beleidigung Trumps: Tillerson dementiert Rücktrittspläne

Von Roland Peters

Erst heißt es, US-Außenminister Tillerson habe schon im Juli hinschmeißen wollen. Das dementiert der Chef des State Department jetzt - aber nicht das mit dem "Schwachsinnigen". So soll er den Präsidenten damals bezeichnet haben.

Das Verhältnis zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem Außenminister Rex Tillerson ist nicht einfach. Mehrfach schon vertraten die beiden öffentlich gegensätzliche Positionen. Im Juli soll Tillerson so wütend auf Trump gewesen sein, dass nur eine Intervention von Vizepräsident Mike Pence und anderen Regierungsmitarbeitern seinen Rücktritt habe verhindern können, berichtete NBC News am Mittwochmorgen Ortszeit unter Berufung auf mehrere Quellen.

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Diese Meldung beschäftigte Tillerson so sehr, dass er wenige Stunden später vor die Presse trat und eben dies dementierte: "Mike Pence musste mich nicht zum Bleiben überreden, weil ich nie überlegt habe, zu gehen", sagte er.

Seit Monaten soll es zwischen Trump und Tillerson Unstimmigkeiten geben. Der vorläufige Höhepunkt der Krise soll laut NBC News Ende Juli erreicht gewesen sein, als der Präsident seine umstrittene Rede vor amerikanischen Pfadfindern gehalten hatte. Darin bezeichnete er Washington als "Kloake", beschimpfte die Medien und drohte dem ebenfalls auf der Bühne stehenden Gesundheitsminister Tom Price mit Entlassung.

Wenige Tage zuvor habe Tillerson seinen Chef im Weißen Haus bereits als "Schwachsinnigen" oder "Debilen" (wörtlich: "moron") bezeichnet, berichtete NBC News zudem, ebenfalls unter Berufung auf mehrere Quellen. Demnach hatte der Außenminister die Äußerung nach einem Treffen mit anderen Ressortchefs und Mitgliedern des Nationalen Sicherheitsrates gemacht, das am 20. Juli im Verteidigungsministerium stattfand. "Ich beschäftige mich nicht mit solch belanglosem Nonsens", sagte Tillerson dazu. "Ich bin neu in Washington, aber was ich gelernt habe ist, dass es manche gibt, die Zwietracht säen wollen." Trump sei ein schlauer Mann ("smart").

Wenige Stunden nach Tillersons Pressekonferenz dementierte seine Sprecherin darüber hinaus ausdrücklich, dass der Außenminister den Präsidenten als Schwachsinnigen bezeichnet hätte. "Der Minister bedient sich nicht einer solchen Sprache", sagte Heather Nauert.

Präsident Trump kommentierte die Debatte per Twitter. "Die NBCNews-Geschichte wurde gerade von Außenminister Tillerson und Vizepräsident Pence vollständig widerlegt", schrieb er dort. Es handele sich um "Fake News". Er forderte den Sender auf, sich bei "Amerika" zu entschuldigen. NBC News teilte im Gegenzug mit, der Sender stehe zur Berichterstattung.

Dem NBC-News-Bericht zufolge hatte Pence dem Außenminister geraten, sich in der Öffentlichkeit und bei Treffen respektvoller gegenüber Trump zu verhalten, um Spannungen abzubauen. Andere hochrangige Regierungsmitarbeiter hätten den Chef des State Department demnach dazu gedrängt, zumindest bis Ende des Jahres im Amt zu bleiben.

Offenkundige Differenzen

Doch so sehr der Chef des State Departments als Reaktion auf die ursprüngliche Meldung auch die Zusammenarbeit loben mag, Probleme zwischen dem Minister und dem Präsidenten sind offenkundig: Als Tillerson etwa nach China reiste, um in der Nordkorea-Krise den Schulterschluss mit Präsident Xi Jinping zu demonstrieren, spottete Trump, sein Außenminister verschwende seine Zeit. Nun sagte Tillerson, wegen seiner Bemühungen übe China nun mehr diplomatischen Druck auf Nordkorea aus als je zuvor. Nach Trumps verbalen "Feuer und Zorn"-Ausfällen gegen Kim Jong Un reagierte Tillerson als diplomatischer Feuerwehrmann und beschwichtigte sogleich öffentlich.

In der Diskussion um die Zukunft des von Trump ungeliebten Atomabkommens mit dem Iran hat der Ressortchef inzwischen einen prominenten öffentlichen Unterstützer. Tillerson will es erfüllen, und auch Verteidigungsminister James Mattis sagte nun über die Verträge mit der Islamischen Republik: "Wenn wir bestätigen können, dass der Iran sich an das Abkommen hält, und wenn wir sicherstellen können, dass dies in unserem Interesse ist, dann sollten wir natürlich daran festhalten." Trump ist nicht unbedingt dieser Meinung - aber Tillerson stimmt sich eigener Aussage zufolge ständig mit Mattis ab.

Quelle: n-tv.de

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