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Dienstag, 19. September 2017

Von Rassismus nicht weit weg: Trump erklärt den Vereinten Nationen die Welt

Von Roland Peters

US-Präsident Trumps erste Rede vor den UN zeigt eine veraltete Vision der Welt - gefährlich und nah am Rassismus. Die Lösungen, die er anbietet, basieren auf kriegerischer Abschreckung, kultureller Abgrenzung und Stillstand.

Als Donald Trump endlich fertig ist, winkt er noch kurz in den Saal. Die UN-Generalversammlung hat dem Präsidenten der USA zugehört, fast eine Dreiviertelstunde lang, nicht die nur 15 Minuten der eigentlichen Redezeit. Trump wirkt zufrieden nach seinem engagierten ersten Auftritt bei den Vereinten Nationen. Sogar geschwitzt hat er irgendwann, die Haare hinter seiner Schläfe tönten sich dunkel. Der US-Präsident musste weit ausholen, um die anwesenden Vertreter der anderen Mitgliedsstaaten heranzuführen an seine Vorstellung der Welt. Einer fragmentierteren, nationalistischen Welt.

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Um kurz nach 10 Uhr New Yorker Zeit öffnet sich die Tür zum Raum hinter der Bühne. Trump tritt hinaus, setzt sich auf die Kante des Stuhls neben dem Rednerpult, wartet auf seinen Auftritt. Er wirkt angespannt; die Lippen schmal, Schultern nach vorn gebeugt, Hände zwischen den Beinen gefaltet. Seine Worte am Pult klingen zunächst wie bei einer Wahlkampfveranstaltung: Er preist seine bisherige Präsidentschaft, die Erfolge, die er sich neben die blaue Krawatte und den Emaille-Pin der US-Flagge ans Revers heftet: niedrige Arbeitslosigkeit, Rekordjagd an der Börse – und den Senatsbeschluss, das Militärbudget im Vergleich zu 2016 um 15 Prozent auf 700 Milliarden US-Dollar anzuheben (Trump hatte 668 Milliarden gefordert).

Diese Zahl verknüpft und ordnet seine folgenden Ausführungen ein, ungesagt. Denn was Trump hingegen deutlich sagt, ist der Weg, der zum Frieden führen soll. Der liegt für ihn in vielen Teilen der Welt sehr nah am Krieg. Und so droht Trump Nordkorea mit "totaler Vernichtung", falls die USA sich verteidigen müssten. Machthaber Kim Jong Un müsse isoliert werden, fordert er, und flapsig nennt er ihn "Raketenmann auf Selbstmordmission".

Er klingt auch ein bisschen nach George W. Bush - und Star Wars: "Falls wir uns nicht wehren, wird das Böse triumphieren", wobei nicht klar wird, wer mit "wir" gemeint ist; die USA, die UN oder beide. Dem Iran wirft Trump Terrorfinanzierung vor, das bringt ihm ein zustimmendes Nicken von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ein. Das Atomabkommen mit der Islamischen Republik bezeichnet er als "peinlich für die Mitgliedsstaaten der UN" und sieht in Teheran ein "diktatorisches Regime hinter einer demokratischen Maske".

Doktrin des Egoismus

Sich wie im Kalten Krieg zu verhalten, abzuschrecken durch Machtdemonstrationen, aber irgendwie doch Frieden zu wollen - für Trump ist das offenbar kein Widerspruch. Es sei Zeit, die "Verlierer-Terroristen zu zerstören", sagt er. Das US-Militär, das "stärkste der Welt", werde nun nicht mehr auf Zeitpläne von Politikern achten, um zu handeln. Es klingt wie die Ankündigung eines kriegerischen Alleingangs. "Als Präsident der Vereinigten Staaten werde ich Amerika immer an erste Stelle stellen. Genau wie Sie, als Staatschefs Ihrer Länder, immer Ihre Länder an erste Stelle stellen werden und dies auch tun sollten", rechtfertigt Trump seine Doktrin des Egoismus, "America First". Solche Äußerungen erinnern zwar an Woodrow Wilsons Idee des Völkerbunds. Aber vor 100 Jahren ging es um die Souveränitat gewaltsam besetzter Staaten und Kolonien, nicht um die Zusammenarbeit einer globalisierten Welt.

Für Trump ist Patriotismus die Essenz der UN und die USA sind ein "leuchtendes Beispiel für jeden". Er betont die Souveränität der Völker und der Nationen. "Patriotismus hat das Böse bekämpft", sagt er und bringt Beispiele aus dem Zweiten Weltkrieg; Frankreich und Großbritannien etwa. Er zitiert US-Präsident Harry S. Truman, der am 8. August 1945 die UN-Charta unterzeichnete. "Stärke geht aus Nationen hervor, in denen Patrioten zu Hause sind, die zu opfern bereit sind." Für jeden Asylsuchenden in den USA könnte zehn Personen in ihrer Heimat geholfen werden, sagt Trump. Für Zuflucht suchende Kriegsopfer und Vertriebene müssen seine Worte wie Hohn klingen.

Laut Trump ist die grundlegende Frage für die Zukunft der UN der Patriotismus. "Sind wir noch immer Patrioten? Ehren wir sie genug, um ihre Kultur zu erhalten?" Trump versteigt sich in eine Vorstellung (s)einer Welt von gestern und geht sogar so weit, ein "großes Erwachen des Nationalstolzes", der "Erneuerung des Willens" und "Wiedergeburt der Hingabe" zu fordern. Solche Äußerungen klingen nationalistisch - und Rassismus ist da nicht weit.

Trumps Rede war als eine große angelegt, es war ihm anzumerken, dass er sie wichtig nahm. Er hielt sich an sein Manuskript, sprach staatsmännisch, teilweise in großen Parabeln. Seine Narrative sind jedoch keine des Fortschritts und nachhaltiger Lösungen, sondern veraltete Entwürfe. Dies zeigen die Konflikte, die Trump vorgibt, mit Abschreckung, Abgrenzung und Stillstand lösen zu wollen. Doch was passiert, wenn Patrioten anderer Länder mit "America First" nicht einverstanden sind?

Quelle: n-tv.de

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