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Trump kann auch sachlich diskutieren.
Trump kann auch sachlich diskutieren.(Foto: imago/UPI Photo)

TV-Debatte der Republikaner: Trump überrascht mit sanfter Seite

Von Volker Petersen, New York

Bei der letzten TV-Debatte der Republikaner vor den Wahlen in Florida und Ohio überrascht Donald Trump. Er gibt sich unerwartet sachlich - das passt zu seiner Strategie und tut der Debatte gut.

Nach 34 Minuten Debatte stutzte Donald Trump. "Ich kann kaum glauben, wie zivilisiert es bisher hier oben zugeht", rief er aus und hatte damit tatsächlich recht. Die letzte TV-Debatte der Republikaner vor den entscheidenden Vorwahlen in Florida und Ohio am kommenden Dienstag verlief überraschend kollegial und sachlich. Ted Cruz, Marco Rubio und John Kasich haben offenbar aufgegeben, Trump mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Einen klaren Sieger gab es am Ende nicht - keiner der Kandidaten leistete sich große Fehltritte, keiner überstrahlte seine Konkurrenten.

Dass die Debatte einigermaßen sachlich lief, lag aber auch an Trump. Der gab sich in der Universität von Miami überraschend präsidial. An den Mann, der auf die Größe seines Geschlechtsorgans verweist, der gegen Muslime hetzt und sexistische Kommentare vom Stapel lässt, erinnerte am Donnerstagabend nur noch wenig. Der Milliardär aus New York wollte offenbar zeigen, dass er nicht nur Krawall, sondern auch Staatsmann kann. Gleich in seinem ersten Statement wandte er sich an das Establishment der Partei. Die solle seine Bewegung umarmen, da sie Millionen von Wählern zu den Republikanern herüberzieht, insbesondere auch von den Demokraten. Zuletzt hatten sich Parteigrößen wie Mitt Romney oder Lindsey Graham klar gegen Trump ausgesprochen.

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In der zweistündigen Sendung blieb Trump dann allerdings meist unkonkret und verwies bloß immer wieder auf sein Standardrezept, "einen besseren Deal aushandeln" zu wollen. Cruz gab sich präsidial und demütig vor dem Wähler, sprach langsam und zeigte wenig von seinem ultrakonservativen Überzeugungen. Kasich punktete mit Sachkenntnis und detaillierten Konzepten, blieb aber wie so oft blass. Rubio präsentierte sich in seinem Heimatstaat als Muster-Republikaner - in praktisch jedem Punkt lag er auf Parteilinie.

Letzte Chance für Rubio und Kasich

Für ihn und Kasich ging es um die letzte Chance, noch irgendwie an die beiden Favoriten des Vorwahlkampfs heranzukommen. Beide haben zusammen weniger Delegierte gewonnen als Trump allein, nur Cruz hat noch eine Chance, den Milliardär abzufangen. Gewinnen Rubio und Kasich ihre Heimatstaaten am Dienstag nicht, dürften sie das Handtuch werfen.

Die großen Themen der Debatte waren Einwanderung, Wirtschaft und Außenpolitik. Trumps drei Herausforderer wollten dem populären Trump hier ganz offenbar nicht das Feld überlassen. Alle setzten sich als Law-and-Order-Sherrifs in Szene. Der moderate John Kasich etwa bekannte sich gleich zu Beginn dazu, dass tatsächlich eine Mauer auf der Grenze zwischen den USA und Mexiko gebaut werden soll. Cruz versprach, die Grenzpatrouillen zu verdreifachen. Rubio forderte, nur noch qualifizierte Einwanderer ins Land zu lassen - obwohl sein Vater in den 1950er-Jahren selbst als einfacher Arbeiter ins Land kam. "Mein Vater hat mit neun Jahren angefangen zu arbeiten", erzählte er. "Und hat es die folgenden 70 Jahre weiter getan. Aber heute sind die Zeiten andere." Überraschend: Trump hielt sich hier zurück. Dass Mexiko die Mauer bezahlen soll, kam ihm nicht über die Lippen.

Auch beim Thema Wirtschaft hörten sich Trumps Worte sanfter als gewohnt an. Er hatte Importzölle von 45 Prozent für Waren aus China angekündigt. "Das ist nur eine Drohung", sagte er nun. "Wenn die Chinesen sich nicht benehmen und an die Regeln halten, wird das kommen." An dieser Stelle wurde es spannend, da tatsächlich einmal diskutiert wurde. "Was soll das denn den einfachen Amerikanern bringen?", hakte Cruz nach. "Es werden doch nicht die Chinesen sein, die den Zoll bezahlen, sondern die einfachen Leute!"

Trump konterte damit, dass die entsprechenden Produkte dann eben wieder in den USA hergestellt werden würden - dass diese dann ebenfalls deutlich teurer sein dürften als bisher, blieb unerwähnt. Der New Yorker beließ es dabei, "einen besseren Deal" aushandeln zu wollen, schlechte Deals brächten die USA um. Cruz kündigte stattdessen an, Exporte nicht mehr zu besteuern, Importe dagegen schon. Rubio bekannte sich dagegen klar zum Freihandel und forderte, dass lieber andere Länder ihre Zölle senken sollten, damit US-Waren dort einfacher verkauft werden können.

Trump will IS "K. o. schlagen"

Mit Spannung, Sorge und Entsetzen blicken viele Europäer auf die außenpolitischen Pläne der Kandidaten. Trump kam auch hier meist über Phrasen nicht hinaus: Den IS will er möglichst schnell "K.o. schlagen", mit Kuba will er, natürlich, einen "besseren Deal" aushandeln und nicht zurück in den Kalten Krieg der vergangenen Jahrzehnte. "50 Jahre sind genug", meinte Trump. Hier warf sich Rubio leidenschaftlich in die Debatte und forderte, den begonnenen Dialog abzubrechen, solange es keine demokratische Öffnung des Castro-Regimes gibt.

Interessant war Trumps Haltung zu Israel. "Keiner ist mehr pro Israel als ich", sagte er zwar - doch wolle er im Nahostkonflikt eine neutrale Haltung einnehmen. "Wenn die andere Seite einen als eher neutral einnimmt, steigen die Chancen, einen guten Deal auszuhandeln", sagte er. "Es werden aber wahrscheinlich die härtesten und schwierigsten Verhandlungen aller Zeiten." Cruz versuchte, ihn zu attackieren, indem er Vergehen der Palästinenser aufzählte.

Alle Kandidaten brachten schließlich ihre Botschaft herüber - Kasich, präsentierte sich als kundiger Fachpolitiker, Rubio als Musterrepublikaner und Cruz als demütiger Diener des Volkes, der in Washington aufräumen will. Und Trump zeigte, dass er auch ohne Krawall eine Debatte führen kann. Ob er sie auch gewonnen hat, zeigt sich am kommenden Dienstag.

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Quelle: n-tv.de

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