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Die fünf Jahre alte Sheima verlor ihr Augenlicht durch eine Streubombe - ihr Vater beschreibt ihr in einer Klinik den Inhalt eines Bilderbuches.
Die fünf Jahre alte Sheima verlor ihr Augenlicht durch eine Streubombe - ihr Vater beschreibt ihr in einer Klinik den Inhalt eines Bilderbuches.(Foto: REUTERS)

Zehntausende Syrer auf der Flucht: Türkei öffnet Grenze für Verwundete

Noch immer harren Zehntausende Flüchtlinge aus Syrien vor der türkischen Grenze aus - und hoffen im Nachbarland auf Schutz. Ankara reagiert mit einem kleinen Zugeständnis: Zumindest die verletzten Syrer dürfen einreisen und sich behandeln lassen.

Die Türkei hat verletzten Flüchtlingen an der Grenze zu Syrien Einlass gewährt. Die Verwundeten würden in türkischen Krankenhäusern behandelt, sagte Mustafa Özbek, ein Sprecher der regierungsnahen Hilfsorganisation IHH. Auf der syrischen Seite der Grenze warten seit Tagen Zehntausende Menschen aus der umkämpften Stadt Aleppo auf Einlass. Für die Masse der Schutzsuchenden jedoch bleibt die Grenze weiterhin geschlossen.

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"Die Türkei lässt nur eine kleine Zahl von Verletzten oder besonders verletzlichen Menschen hinein", kritisierte der Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR), William Spindler. Er forderte Ankara eindringlich dazu auf, nicht nur Verletzte durchzulassen, sondern alle syrischen Bürgerkriegsflüchtlinge. "Wir fordern von der Türkei die Öffnung der Grenze für alle Zivilisten, die Schutz suchen." Das Land beherberge schon jetzt 2,5 Millionen Flüchtlinge und  trage "eine enorme Bürde" - deshalb müsse die Staatengemeinschaft der Türkei helfen.

Nach unterschiedlichen Angaben harren in der syrischen Region nördlich der Kleinstadt Asas zwischen 10.000 und 50.000 Menschen aus. Die türkische Regierung befürchtet, durch die von Moskau unterstützte Offensive der Truppen von Machthaber Baschar al-Assad könnten sich "schlimmstenfalls" bis zu 600.000 Menschen aus der Provinz Aleppo zur türkisch-syrischen Grenze aufmachen. Ziel sei es deshalb, die Flüchtlinge außerhalb der Türkei zu versorgen.

Aleppo - das zweite Madaja?

Zudem könnte eine Belagerung der einstigen Millionenstadt Aleppos den Vereinten Nationen (UN) zufolge Hunderttausende Bewohner von der Versorgung mit Lebensmitteln und Trinkwasser abschneiden. Wenn die Vorstöße der Regierungssoldaten rund um die nordsyrische Stadt voranschritten, könnten allein aus dem unmittelbaren Kampfgebiet im Norden der Stadt bis zu 150.000 Zivilisten fliehen, erklärte das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Hilfe in Genf.

Sollten die Regierungstruppen und ihre Verbündeten auch den letzten Fluchtweg kappen, könnte die Nahrungsmittelversorgung für die 300.000 noch in der Stadt ausharrenden Menschen zusammenzubrechen. Vor dem Krieg zählte die Metropole im Norden Syriens rund 2,1 Millionen Einwohner. Sollte es zur Einkesselung kommen, droht den Menschen in Aleppo womöglich das gleiche Schicksal wie in Madaja, wo eine monatelange Belagerung zu einer Hungerkatastrophe mit vielen Toten geführt hatte.

Quelle: n-tv.de

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