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Mittwoch, 29. Juni 2016

Ankara verdächtigt IS: Türkei sucht Hintermänner des Anschlags

Zu dem Anschlag am Flughafen in Istanbul hat sich bisher niemand bekannt, auch die Identität der Selbstmordattentäter ist nicht klar. Die türkische Regierung glaubt, dass der IS die Fäden gezogen hat. Inzwischen wird das Ausmaß der Terrornacht sichtbar.

In der Türkei fahndet die Polizei nach den Hintermännern des Anschlags auf dem Atatürk-Flughafen in Istanbul. Bisher bekannte sich keine Gruppierung zu der Tat.  Ministerpräsident Binali Yildirim, der den Flughafen noch in der Nacht besuchte, sagte heute früh, erste Hinweise deuteten auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) als Urheber hin. Unter den Opfern seien Türken und Ausländer. Zu Herkunft und Identität der Attentäter machte er zunächst keine Angaben. Nach bisherigen Erkenntnissen hätten die Angreifer zunächst das Feuer eröffnet und sich dann in die Luft gesprengt. Das Auswärtigen Amt erklärte, bislang gebe es keine Hinweise darauf, dass Deutsche betroffen seien.

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Aus türkischen Regierungskreisen hieß es, keiner der drei Selbstmordattentäter habe die Sicherheitsschleusen am Eingang des internationalen Terminals passiert. Augenzeugenberichte und Videos in sozialen Medien deuteten dagegen darauf hin, dass einer oder mehrere Angreifer auch in den Innenbereich des Terminals gelangten.

Laut den Istanbuler Behörden hatten am Dienstagabend drei Selbstmordattentäter mindestens 41 Menschen mit in den Tod gerissen. Außerdem wurden mindestens 239 Menschen verletzt.

Attentate gefilmt

Bilderserie

Filmaufnahmen von Überwachungskameras dokumentierten dramatische Szenen: Die im türkischen Fernsehen ausgestrahlten Aufnahmen zeigten einen der Attentäter, der im Terminalgebäude zu Boden ging - offenbar getroffen vom Schuss eines Polizisten. Am Boden liegend zündete der Attentäter einen Sprengsatz. Die Bilder einer anderen Kamera zeigten einen massiven Feuerball am Eingang zu dem Terminal; die Detonation ließ Flughafenbesucher in Panik davonlaufen.

Die Augenzeugin Oftah Mohammed Abdullah berichtete, der Attentäter habe plötzlich eine Waffe aus der Jacke gezogen. "Dann hat er angefangen, auf Leute zu schießen." Dabei sei er mit Ruhe vorgegangen: Er sei "wie ein Prophet" durch die Halle gelaufen, sagte Abdullah.

Deckenverkleidung heruntergerissen

In der Ankunftshalle zersprangen Glasscheiben.
In der Ankunftshalle zersprangen Glasscheiben.(Foto: dpa)

Nach den Explosionen bietet sich ein Bild der Zerstörung. Besonders schwere Schäden gebe es dort, wo Reisende nach der Landung in der Türkei aus dem Sicherheitsbereich kommen und von Wartenden in Empfang genommen werden, hieß es in Berichten. Dort seien die weißen Kunststoffplatten der Deckenverkleidung vollständig heruntergerissen worden. Die Decke weise Rußspuren auf. Scheiben in dem Bereich seien zersplittert, einige schienen Einschusslöcher aufzuweisen.

Nach Darstellungen aus türkischen Regierungskreisen gelangte keiner der drei Selbstmordattentäter in diesen Innenbereich des Terminals. Einer der Angreifer sprengte sich diesen Angaben an der Sicherheitsschleuse im Eingangsbereich des Terminals in die Luft. Dort sind zwar ebenfalls Explosionsschäden, diese erscheinen aber weniger schwer als im Wartebereich, wie nun deutlich wurde. Ministerpräsident Binali Yildirim hatte Sicherheitsmängel nach dem Angriff ausgeschlossen.

Erste Flüge nach Istanbul

Der Luftverkehr auf dem Flughafen wurde inzwischen wieder aufgenommen. Erste Flüge von Turkish Airlines landeten am frühen Morgen. Yildirim hatte den Flughafen zuvor für landende und startende Flüge wieder für geöffnet erklärt. Der Sender CNN Türk berichtete, Reisende könnten inzwischen wieder ins Terminal.

Der Angriff sorgt allerdings für massives Chaos im Flugverkehr. Turkish Airlines strich für Mittwoch mehr als 340 Flüge. Die Airline bot allen Reisenden mit Buchungen vom oder zum Atatürk-Airport an, die Flüge kostenlos umzubuchen oder zu stornieren. In der Nacht waren etliche Reisende vor dem Airport gestrandet, die vor der Attacke aus dem Terminal geflohen waren. Entgegen erster Meldungen ist nun doch eine Maschine vom Fluhafen Berlin-Tegel in die Bosporus-Metropole gestartet. Ob es weitere Flüge geben werde, sei Sache der Flughafengesellschaft Turkish Airlines, sagte ein Flughafensprecher.

Bei einem IS-Selbstmordanschlag im Istanbuler Zentrum waren im Januar zwölf deutsche Urlauber getötet worden. Neben dem IS verübt auch die TAK - eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK - immer wieder Anschläge in türkischen Metropolen. Vor drei Wochen erst waren bei einem Anschlag der TAK in Istanbuls Stadtmitte elf Menschen getötet worden. Dieses Attentat vom 7. Juni war der dritte schwere Anschlag seit Jahresbeginn im Zentrum Istanbuls. Die TAK hat auch ausländische Urlauber vor Türkeibesuchen gewarnt. Im vergangenen Dezember hatte die Gruppierung einen Mörserangriff auf den Flughafen Sabiha Gökcen verübt.

Quelle: n-tv.de

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