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In Aleppo hat am Morgen eine inzwischen auf mehrere Tage ausgedehnte Waffenruhe begonnen.
In Aleppo hat am Morgen eine inzwischen auf mehrere Tage ausgedehnte Waffenruhe begonnen.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 20. Oktober 2016

Assad verlängert Waffenruhe: Türkei tötete bis zu 200 kurdische Kämpfer

Die Kämpfer der Kurdenmiliz YPG werden bei ihren Kämpfen in Syrien unter anderem von den USA unterstützt. Doch die Türkei befürchtet einen zu großen Machtgewinn - und geht gegen die Miliz mit aller Härte vor.

Die türkischen Streitkräfte haben bei Luftangriffen in Nordsyrien nach eigenen Angaben zwischen 160 und 200 kurdische Kämpfer getötet. Die Jets hätten 18 Ziele der YPG-Miliz attackiert, erklärte die Armee. Demnach ereigneten sich die Bombardements am späten Mittwochabend in Gebieten, die die YPG kürzlich erobert hatte. Es seien neun Gebäude und fünf Fahrzeuge zerstört worden. Auch die kurdischen Behörden und die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichteten von den Angriffen nördlich der Stadt Aleppo. Allerdings meldete die für gewöhnlich gut informierte Beobachtungsstelle zunächst keine Opfer.

Das Vorgehen der Türkei ist heikel, weil die YPG einer der wichtigsten Verbündeten der USA im Kampf gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat ist. Die Regierung in Ankara befürchtet aber, dass durch militärische Erfolge der Kurden in Nordsyrien die verbotene PKK im eigenen Land gestärkt werden könnte. Zudem unterstützt die Türkei rivalisierende Rebellengruppen im Kampf gegen den syrischen Machthaber Baschar al-Assad.

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Unterdessen sollen in Aleppo ab 8.00 Uhr die Waffen schweigen. Die syrische Armee will die Waffenruhe inzwischen auf drei Tage ausdehnen. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete am Morgen unter Berufung auf die Armeeführung, die Waffenruhe gelte auch am Freitag und Samstag jeweils von 8.00 bis 19.00 Uhr. Die Lage in Aleppo blieb unmittelbar nach Beginn der Feuerpause ruhig. Bislang seien keine Brüche der Waffenruhe gemeldet worden, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Rebellen wollen Aleppo nicht verlassen

Aleppo hatte in den vergangenen Wochen die heftigsten syrischen und russischen Luftangriffe seit Ausbruch des Konflikts im Frühjahr 2011 erlebt. In den belagerten Rebellengebieten im Osten der Stadt leben noch rund 250.000 Menschen. Sie leiden unter einem massiven Mangel an Nahrungsmitteln, Trinkwasser und medizinischer Versorgung. Die syrische und russische Luftwaffe hatten ihre Angriffe auf die Rebellengebiete im Osten Aleppos bereits am Dienstag überraschend eingestellt.

Die Waffenruhe soll Rebellen und Zivilisten nach russischen Angaben die Möglichkeit geben, den von Regimegegnern kontrollierten Osten der Stadt zu verlassen. Das syrische Außenministerium erklärte, die Armee habe sich von Korridoren zurückgezogen. Bislang habe aber noch niemand die Rebellengebiete verlassen, meldeten die Menschenrechtler.

Die Rebellen lehnen einen Abzug ab. Sie werfen Russland und Syrien vor, das Angebot gleiche einer Kapitulation. Für Zivilisten fordern sie Korridore unter Aufsicht der Vereinten Nationen. Kremlchef Wladimir Putin hatte nach einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel in Berlin erklärt, Russland sei unter Bedingungen zu einer Verlängerung der Waffenruhe bereit. Voraussetzung sei, dass die bewaffneten Gruppen auch einer Feuerpause zustimmten.

Quelle: n-tv.de

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