Politik

Mehr Investitionen für KleinbauernUN-Gipfel gegen den Hunger

16.11.2009, 11:14 Uhr

Ein UN-Gipfel mit mehr als 60 Staats- und Regierungschefs sucht in Rom nach Mitteln gegen die weltweite Hungerkrise. Dabei geht es um einen stärkeren finanziellen Einsatz der reichen Länder und um neue Strategien. Nach Auffassung von Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner muss jedes Land ein weltweites Recht auf Nahrung anerkennen.

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Am Vorabend des Welternährungsgipfels in Rom wurde das Kolosseum zur Mahnung gegen den Hunger erleuchtet. (Foto: dpa)

In Rom hat in Anwesenheit von Papst Benedikt XVI. und rund 60 Staats- und Regierungschefs der Welternährungsgipfel der Vereinten Nationen begonnen. Besonders stark vertreten sind Spitzenpolitiker aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Außer dem gastgebenden italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi nimmt von den acht führenden Industriestaaten kein Staats- oder Regierungschef an dem dreitägigen Gipfeltreffen teil.

Der Einladung gefolgt sind aber auch umstrittene Politiker wie Simbabwes Präsident Robert Mugabe und der libysche Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi. Deutschland wird bei dem Treffen von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) vertreten.

Die mehr als tausend Delegierten wollen nach Lösungen im Kampf gegen den Hunger suchen, unter dem weltweit mehr als eine Milliarde Menschen leiden – das ist statistisch jeder sechste Mensch. Die internationale Gemeinschaft will die Zahl der Hungernden bis zum Jahr 2015 halbieren.

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FAO-Generaldirektor Jacques Diouf eröffnete die Welternährungskonferenz. (Foto: dpa)

Der Generaldirektor der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO), Jacques Diouf, eröffnete die Welternährungskonferenz. Auf dem dreitägigen Gipfel geht es um einen verstärkten finanziellen Einsatz der reichen Länder und um neue Strategien, um etwa Millionen Kleinbauern in Entwicklungsländern wieder eine Überlebensperspektive zu geben.

Diouf hatte als Ziel für die Konferenz abgesteckt, dass die Regierungen jährlich 44 Milliarden Dollar (etwa 30 Milliarden Euro) bereitstellen, um die Agrarproduktion deutlich anzukurbeln.

Weltweites Recht auf Nahrung

Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner hat vor Beginn des Gipfels ein weltweites Recht auf Nahrung gefordert. Im Deutschlandfunk sagte die Ministerin: "Dass jedes Land dieses anerkennt, ist das wichtigste Ziel. Das müssen auch die Regierungen vor Ort mittragen."

Aigner sprach sich für eine verstärkte Förderung der Kleinbauern aus. "Die Menschen müssen Zugang zu Land, Wasser und Saatgut haben. Das ist in den letzten Jahren leider zurückgegangen."

Bevölkerungswachstum ist Hauptproblem

Die Vorsitzende der Welthungerhilfe, Bärbel Diekmann, forderte eine stärkere Beteiligung von Nicht-Regierungsorganisationen am Kampf gegen den Hunger. Sie sagte im ZDF: "Wir können eine Milliarde Hungernde auf der Welt nicht akzeptieren." Sie wünsche sich, dass in Rom Entscheidungen getroffen werden.

Trotz der hohen Zahl hungernder Menschen auf der Welt habe es "auch Fortschritte gegeben", sagte die frühere Bonner SPD-Bürgermeisterin weiter. So gebe eine ganze Reihe von Ländern, in denen der Hunger besiegt sei. Hauptproblem sei das "Wachstum der Weltbevölkerung".

Der Welthungerhilfe zufolge muss "mehr in landwirtschaftliche Entwicklung investiert werden". Insgesamt seien die "Ursachen richtig erkannt", fügte Dieckmann hinzu. Das Vorhaben der Bundesregierung, zusätzliche Entwicklungsgelder für die Förderung der Landwirtschaft bereit zu stellen, bezeichnete Dieckmann als "richtig".

Quelle: dpa/AFP