Politik
Die "Reaper"-Drohne hat eine Spannweite von rund 20 Metern und kann ein Nummernschild aus 3,2 Kilometern Höhe entziffern.
Die "Reaper"-Drohne hat eine Spannweite von rund 20 Metern und kann ein Nummernschild aus 3,2 Kilometern Höhe entziffern.(Foto: REUTERS)

Mysteriöse Abstürze im Nahen Osten: US-Militär verschweigt Drohnenverluste

Von Roland Peters

Für die Bundeswehr sind Drohnen die Zukunft, für das US-Militär Alltag. Im Nahen Osten werden sie für gezielte Tötungen eingesetzt. Die Fluggeräte stürzen immer häufiger ab - und niemand weiß genau, warum.

Die USA haben im Jahr 2015 den Verlust von mehr Drohnen als je zuvor beklagen müssen. Dies berichtet die "Washington Post" unter Berufung auf Dokumente aus dem US-Verteidigungsministerium. Demnach wurden 20 Maschinen vom Typ "Reaper" und dessen Vorgänger "Predator" bei Abstürzen zerstört oder erlitten Schäden im Wert von mindestens 2 Millionen Dollar. Das US-Militär verwendet die Drohnen für gezielte Tötungen mutmaßlicher Terroristen im Nahen und Mittleren Osten.

Die Maschinen der US-Luftwaffe wurden nicht abgeschossen, sondern von einem Problem heimgesucht, das sich nur bis zu einem gewissen Maß eingrenzen lässt. Alle der 2,5 Tonnen schweren "Reaper"-Drohnen fielen einfach vom Himmel. Teile der Elektronik hatten versagt. Den Untersuchungen des Pentagon zufolge ist der Grund ein fehlerhafter "Starter-Generator", eine Art Anlasser. Nur eine der Maschinen wurde abgeschossen: Die syrische Armee erwischte im März 2015 eine "Predator".

Bild einer "Reaper"-Kamera während eines Einsatzes im Irak.
Bild einer "Reaper"-Kamera während eines Einsatzes im Irak.(Foto: dpa)

Warum die Anlasser der "Reaper" verrückt spielen und wie der Fehler zu beheben ist, weiß das US-Verteidigungsministerium den Dokumenten zufolge auch nicht. Im Vergleich zu 2014 habe sich im vergangenen Jahr die Zahl der großen Unfälle je 100.000 Einsatzstunden verdoppelt. Jede voll ausgerüstete "Reaper"-Drohne kostet etwa 14 Millionen Dollar. Das Pentagon habe trotz Berichtspflicht das Ausmaß des Problems verschleiert und die meisten Einzelheiten der Unfalldokumente geheim behandelt, schreibt die "Washington Post".

Bundeswehr entwickelt eigenes Modell

Die "Predator" war auch für die Bundeswehr im Gespräch, allerdings entschied sich das Verteidigungsministerium für das israelische Konkurrenzprodukt "Heron TP". Die Heron TP soll als vorübergehende Lösung beschafft werden und später durch eine andere waffenfähige Drohne ersetzt werden. Die wird derzeit mit Frankreich und Italien entwickelt und soll etwa 2025 in Produktion gehen. Eine bewaffnungsfähige Drohne werde "für die Zukunft Standard sein", sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Im Rahmen der israelischen "Überbrückungslösung" leasen die Deutschen laut Ministeriumskreisen bis 2018 drei bis fünf Drohnen. Sie sollen etwa 580 Millionen Euro kosten.

Kritiker der Drohneneinsätze bemängeln fehlende Kontrolle und Ungenauigkeit. So wurden etwa beim US-Spezialkräfte-Einsatz "Operation Haymaker" in Afghanistan von Anfang 2012 bis 2013 mehr als 200 Menschen getötet, obwohl nur 35 von ihnen tatsächliche Ziele waren, berichtet "The Intercept" unter Berufung auf einen Whistleblower beim US-Militär. Umstritten ist laut dem wissenschaftlichen Dienst des Bundestages, ob gezielte Tötungen mit Drohnen dem Völkerrecht entsprechen. Sie könnten unter Umständen als "Exekution" außerhalb eines bewaffneten Konflikts eingestuft werden.

Die US-Luftwaffe ist schon seit zwei Jahrzehnten mit Drohnen im Einsatz, derzeit unter anderem im Irak und Jemen, sowie in Syrien, Afghanistan, Somalia, Libyen, Mali und Kamerun. Ein US-General sagte, der Appetit des Militärs nach Drohneneinsätzen sei "praktisch unstillbar". Das Pentagon experimentiert bereits mit vollautomatischen Maschinen, aber die meisten Drohnen werden von Menschenhand aus der Ferne gesteuert. Die US-Kampfeinsätze gingen im vergangenen Jahr um 8 Prozent zurück, weil Piloten fehlten.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen