Politik
Noch dementiert Clinton. Was soll sie sonst auch machen?
Noch dementiert Clinton. Was soll sie sonst auch machen?(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Nach der Wahl ist vor der Wahl: Hillary Clinton 2016

Von Hubertus Volmer

Der Wahlkampf um die Obama-Nachfolge hat am vergangenen Dienstag begonnen. Der Favorit der Demokraten steht fest: Hillary Clinton. Bislang dementiert sie jegliche Ambitionen auf das Weiße Haus. Doch es gibt ein Argument, dem sie kaum wird widerstehen können: Sie wäre so gut wie unschlagbar.

Selbst ihr Mann weiß nicht genau, was Hillary Clinton plant. Er habe keine Ahnung, ob seine Frau bei der Präsidentschaftswahl 2016 antreten wolle, sagte Ex-Präsident Bill Clinton. Er fügte aber hinzu, er habe nie jemanden getroffen, der besser für öffentliche Ämter geeignet sei. Egal, wie Hillary entscheide, sie habe seine volle Unterstützung. Das war im September.

Allerdings wird Hillary Clinton seit 2009 nicht müde zu betonen, dass sie sich nicht noch einmal um die Präsidentschaft bewerben wird. "Ich habe absolut kein Interesse daran, noch einmal anzutreten. Keines. Keines", sagte sie etwa. "Ich meine, ich weiß, dass das für einige Leute schwer zu glauben ist, aber, wissen Sie, es ist einfach so."

Zuletzt wiederholte sie dieses Dementi im vergangenen Oktober im Gespräch mit der Schriftstellerin Ayelet Waldman, deren Artikel über Clinton in der amerikanischen Ausgabe der Zeitschrift "Marie Claire" erschien. Auf die Frage, ob sie vorhabe, 2016 anzutreten, sagte Clinton: "Wissen Sie was? Nein." Waldman schreibt, die Antwort "fühlte sich aufrichtig an", auch wenn sie sich kaum von den üblichen Dementis unterschieden habe.

Doch es gibt Dementis und Dementis. Als Hillary Clinton im März 2011 sagte, sie sei an einer zweiten Amtszeit im State Department nicht interessiert, wurde diese Ankündigung ernst genommen. Heute ist klar, dass sie stimmte: US-Präsident Barack Obama ist bereits auf der Suche nach einem neuen Außenminister oder einer neuen Außenministerin.

Wahlkampf begann am Wahltag

Indes haben die Spekulationen über #Hillary2016, wie das entsprechende Hashtag bei Twitter lautet, nach der Wahl nicht ab-, sondern an Fahrt gewonnen. Möglicherweise, so die Überlegung, gehört Clintons Absage ans State Department zu ihrer Strategie für einen weiteren Anlauf ins Weiße Haus. Denn wenn sie antreten will, wäre es schlau, mit der Ankündigung noch zwei Jahre zu warten.

"Sie kann neu starten": Hillary Clinton.
"Sie kann neu starten": Hillary Clinton.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Fest steht: Wer auch immer sich um die nächste Präsidentschaft bewerben wird, hat diesen Entschluss mit hoher Wahrscheinlichkeit längst gefasst. Da Obama nach zwei Amtszeiten nicht noch einmal antreten darf, hat der Wahlkampf für 2016 auch bei den Demokraten am vergangenen Dienstag begonnen. Aus heutiger Sicht wäre Clinton die klare Favoritin.

Dennoch gibt es Gründe für sie, sich politisch zur Ruhe zu setzen. Ende Oktober wurde Clinton 65 Jahre alt, bei den nächsten Präsidentschaftswahlen wäre sie 69, am Ende einer etwaigen Amtszeit 73 Jahre alt. Außerdem liegt mit dem Anschlag auf das US-Konsulat in Bengasi ein Schatten auf ihrer Amtszeit als Außenministerin.

Bei dem Anschlag am 11. September waren der US-Konsul sowie drei weitere US-Bürger ums Leben gekommen. Die US-Regierung hatte zunächst davon gesprochen, dass die Attacke spontan im Rahmen von Protesten gegen den Mohammed-Film stattgefunden habe. Später wurde diese Darstellung korrigiert. Eine Untersuchung des State Department läuft, doch wie immer die ausgeht, die konservativen Medien in den USA dürften versuchen, das Thema offen zu halten.

Clinton/Castro 2016

Bei demokratischen Vorwahlen dürfte ihr das kaum schaden. Die Liste der möglichen Bewerber ist zwar vergleichsweise lang, doch es ist niemand darunter, der Clinton gefährlich werden könnte. Das gilt auch für den innerparteilich beliebten, aber bald 70-jährigen Vizepräsidenten Joe Biden. Ebenfalls auf der Liste: der Bürgermeister der texanischen Großstadt San Antonio, Julian Castro, sowie Antonio Villaraigosa, Bürgermeister von Los Angeles. Beide gehören zur Gruppe der Latinos, der am schnellsten wachsenden Wählergruppe in den USA, die von den Republikanern bislang stark vernachlässigt wird - was sich bis 2016 allerdings ändern könnte.

Neben den Latinos sind Frauen eine Wählergruppe, die sowohl Demokraten als auch Republikaner 2016 verstärkt umwerben dürften. Neben Clinton sind weitere Frauen als mögliche Bewerberinnen um die Präsidentschaft im Gespräch, vor allem die New Yorker Senatorin Kirsten Gillibrand. Sie ist deutlich jünger als Clinton, erreicht aber nicht deren Popularität.

Schließlich gibt es, neben Biden, noch die üblichen weißen Männer. Ambitionen werden dem Gouverneur von Maryland, Martin O'Malley, nachgesagt, oder New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo, der jedoch nur dann antreten will, wenn Clinton sich nicht bewirbt (zumindest wird ihm ein entsprechendes Zitat zugeschrieben; offiziell bestreitet Cuomo jede Überlegung in Richtung Weißes Haus).

Julian Castro, demokratischer Bürgermeister von San Antonio im republikanischen Texas.
Julian Castro, demokratischer Bürgermeister von San Antonio im republikanischen Texas.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Doch es sind nicht die weißen Männer, sondern Frauen und Latinos, die die Phantasie der Demokraten beflügeln. Ein Blogger des Senders NBC geht davon aus, dass Clinton den Texaner Julian Castro als Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten wählen würde. Tatsächlich hat die Idee viel Charme. In diesem Jahr war Castro als erster Latino Hauptredner beim demokratischen Parteitag. Das erinnert an einen gewissen Barack Obama, der 2004 als erster Schwarzer die sogenannte Keynote-Rede hielt. Castro hat zwar nicht Obamas rhetorisches Talent, aber durchaus ein gewisses Charisma. Und er könnte Clintons Hauptmanko ausgleichen: Er ist erst 38 Jahre alt.

"She can reboot"

Clinton und Castro wären für die Demokraten eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft, meint der Politologe Stephen Nuño von der Northern Arizona University. Und die Spekulationen gehen noch weiter: Bill Clinton hat sich im Präsidentschaftswahlkampf sehr für Obama ins Zeug gelegt. Die "New York Times" schrieb kürzlich, man könne Clintons Einsatz für Obamas Wiederwahl auch mit Blick auf eine Bewerbung seiner Frau sehen. Obama steht tief in Bill Clintons Schuld. Sollte Hillary 2016 antreten, müsste er sie im Wahlkampf und beim Spendensammeln nach Kräften unterstützen. Aktuell hat Clinton unter allen Wählern Zustimmungswerte von knapp 70 Prozent. Unterstützt von einem Team aus Bill Clinton, Julian Castro und Barack Obama wäre sie so gut wie unschlagbar.

"Ich glaube, sie wäre eine großartige Präsidentin", sagt Neera Tanden, eine frühere Mitarbeiterin Clintons, die einräumt, was jeder sehen kann: Clinton wirkt "ein bisschen müde". Aber, betont Tanden, "she can reboot", Clinton kann sich neu starten. Bereits jetzt ist klar, wie der Weg vom Dementi zur Bewerbung aussehen könnte. "Ich werde immer im Dienst für mein Land sein wollen", sagte Clinton Ende Oktober.

Wenn sie das State Department verlässt, will Clinton zunächst ein Buch über ihre Zeit als Außenministerin schreiben. Vielleicht engagiert sie sich in der Organisation ihres Mannes, der "Clinton Global Initiative". Die organisiert Treffen von Staats- und Regierungschefs aus aller Welt. Kein schlechtes Forum für eine künftige Präsidentin.

Im Gespräch mit Ayelet Waldman sagte Clinton, sie sei nun bereits seit 20 Jahren in der Politik. "Es war eine außergewöhnliche persönliche Ehre und Erfahrung. Aber ich will wirklich einfach nur wieder Zeit für mich haben. Ich will einfach nur ich selbst sein. Darauf freue ich mich." Und sie fügte hinzu, sie hoffe, noch dabei zu sein, wenn die erste Präsidentin gewählt wird. "Das wäre ein großartiges Erlebnis für mich, einfach oben dabei zu sein und zu jubeln." Sie will oben stehen, nicht unten. Kaum vorstellbar, dass ihr ein Platz am Rande der Bühne reicht.

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Quelle: n-tv.de