Politik
Finanziell liegt Romney vorn, aber reicht's am Ende?
Finanziell liegt Romney vorn, aber reicht's am Ende?(Foto: AP)

Geld-Bombardement im Wahl-Endspurt: Romney hat Dollar-Vorsprung

Von Sebastian Schöbel

Auf den letzten Metern kann Romney noch einmal den Turbo zünden. Er hat deutlich mehr Geld in der Kriegskasse als Präsident Obama. Sollte er im November die Wahl gewinnen, kann er sich vor allem bei fünf hochrangigen Richtern bedanken – und bei einer Reihe fragwürdiger Polit-Organisationen.

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Katastrophenhilfe statt Wahlkampfwerbung: Während die US-Behörden noch mit den Folgen von Hurrikan "Sandy" kämpfen, könnten Barack Obama und Mitt Romney bereits die ersten Rechnungen des Jahrhundertsturms bezahlen. Genug Geld hätten beide Kandidaten allemal: Obama hatte Mitte Oktober noch rund 90 Millionen Dollar auf dem Konto, Romney 52 Millionen. Insgesamt haben beide Lager zusammen rund zwei Milliarden US-Dollar eingesammelt, rund ein Fünftel der erwarteten Schadenssumme von Sandy.

Doch das die beiden Kontrahenten ihre Geldbörsen für die Opfer öffnen, ist eher unwahrscheinlich, jeder der verbliebenen Dollars ist bereits verplant. Und während die Umfragen weiterhin ein Kopf-an-Kopf-Rennen zeigen, ist das Geld-Rennen bereits entschieden. Der Gewinner heißt: Romney.

Fast 200 Millionen bleiben dem Republikaner und seiner Partei für die letzten Tage vor dem Wahltermin. Obama und die Demokraten verfügen hingegen nur über rund 130 Millionen Dollar. Ein Unterschied, der entscheidend sein könnte, nicht nur beim Kauf von Sendezeit in den alles entscheidenden "Swing States", sondern auch bei der Mobilisierung der eigenen Wähler. Das ist durchaus wortwörtlich gemeint: Beide Parteien werden am Wahltag Tausende Wähler mit Bussen zu den Wahllokalen fahren, um eine möglichst hohe Beteiligung zu erreichen.

Auch das kostet Geld, ganz zu schweigen von den riesigen Wahlkampforganisationen, die beide Seiten inzwischen betreiben. Allein in Ohio unterhält das Obama-Team rund 60 Büros. "Barack wird bei den Spenden übertrumpft", warnt nun die First Lady erneut in einer E-Mail an Unterstützer. "Und niemand von uns hat bisher erlebt, was so ein Geld-Bombardement anrichten kann."

Konservative Reservearmee

Dabei hat Obama Romney im direkten Vergleich genauso hinter sich gelassen wie 2008 John McCain. Etwas über 630 Millionen Dollar hat das Kampagnen-Komitee des Präsidenten an Spenden eingenommen, Romneys hingegen nur rund 390 Millionen. Doch ein Blick auf die Hilfstruppen beider Lager zeigt einen entscheidenden Unterschied: Team Romney punktet mit finanzkräftigen Unterstützern.

Die demokratische Partei hat mit rund 240 Millionen Dollar circa 40 Millionen weniger eingenommen als die Republikanische Partei. Und Obamas größter Super Pac "Priorities USA" kommt mit rund 53 Millionen Dollar auf gerade einmal halb so viel wie Romneys Super Pac "Restore our Future".

Dazu kommt eine Heerschar weiterer Pacs, Super Pacs und politischer Non-Profit-Organisationen, wie zum Beispiel "Crossroads" von Karl Rove, dem Mastermind der Bush-Administration, oder "Americans for Prosperity", der politische Arm der Milliardärsbrüder Koch.

Reiche stützen Republikaner

Lässt sich Obamas Abwahl einiges kosten: Romney-Unterstützer Sheldon Adelson.
Lässt sich Obamas Abwahl einiges kosten: Romney-Unterstützer Sheldon Adelson.(Foto: picture alliance / dpa)

Dass die US-Konservativen finanziell mit Obama mithalten können, haben sie einerseits großzügigen Einzelspendern zu verdanken. Der Kasino-Mogul Sheldon Adelson allein hat rund 50 Millionen für die Abwahl Obamas eingesetzt. Mitt Romney selbst bekam 42 Prozent seiner Spenden von Bürgern, die das erlaubte Maximum von 2500 Dollar (für Einzelpersonen) überwiesen. Bei Obama macht die gleiche Spendergruppe nur etwa 11 Prozent aus, während 52 Prozent seiner Einnahmen von Menschen kamen, die 200 Dollar oder weniger gaben.

Andererseits können sie sich bei den fünf konservativen Richtern am Verfassungsgericht bedanken. Die hoben mit ihrer knappen Mehrheit im Fall "Citizens United gegen US-Wahlkommission" 2010 fast sämtliche Spendenbeschränkungen auf. Seitdem dürfen Konzerne, Gewerkschaften und andere Organisationen unbegrenzt Geld für politische Werbung ausgeben – und das tun sie auch, vor allem für die Republikaner.

Siegeszug der Super Pacs

Insgesamt 577 Millionen Dollar haben konservative Gruppen in diesen Wahlkampf gepumpt. Das hat das unabhängige "Center for Responsive Politics" nun errechnet. Sie machen damit rund 70 Prozent der parteiunabhängigen Ausgaben aus. Direkt mit der Romney-Kampagne koordinieren durften sie sich zwar nicht. Dennoch profitierte der Ex-Gouverneur erheblich von ihnen, schließlich gaben sie den Großteil ihrer Budgets für Werbung gegen Obama und demokratische Kongresskandidaten aus. Außerdem werden viele dieser offiziell unabhängigen Organisationen von ehemaligen Kongressmitarbeitern, Kampagnenmanagern und Beratern geführt, die Romney oder den Republikanern nahe stehen.

Die "outside Dollars" halfen Romney vor allem über den für ihn schwierigen Sommer. Damals dominierte Obama den Werbemarkt, während Romney sich von einem harten Vorwahlkampf erholen musste. Die konservativen Gruppen hielten mit ihren Werbespots dagegen, während der Mann aus Massachusetts Energie für den Endspurt sparen konnte.

Bilderserie

Romney kann es sich sogar leisten, Werbezeit in Staaten wie Pennsylvania zu kaufen, wo er eigentlich bereits weit abgeschlagen ist. Das wiederum setzt Obama unter Druck, der umgehend nachzog. Derweil eröffnen seine konservativen Helfer in anderen Staaten neue Schlachtfelder. "Restore our Future" gab nun bekannt, rund eine Million Dollar im Bundesstaat Minnesota ausgeben zu wollen – obwohl Romney dort laut aktueller Umfragen deutlich führt und Romney selbst gar keine Anstalten macht, selbst aktiv zu werden. Insgesamt geben beide Kampagnen laut CNN allein in dieser Woche rund 40 Millionen Dollar für Wahlkampfwerbung aus.

Quelle: n-tv.de