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US-Attacke auf IS-Stellungen in der Nähe von Erbil.
US-Attacke auf IS-Stellungen in der Nähe von Erbil.(Foto: AP)

Luftangriffe auf IS-Stellungen: USA greifen im Irak ein

Die USA sind wieder militärisch im Irak aktiv. Die US-Luftwaffe führt im Norden des Krisenlandes Luftschläge gegen Stellungen der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS). Neben F18-Kampfflugzeugen kommen auch Drohnen zum Einsatz.

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Erstmals seit dem rasanten Vormarsch der Milizen der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) im Irak greifen die USA in die Kämpfe ein. Drei Jahre nach dem Abzug der US-Truppen aus dem Golfstaat bombardierten F18-Kampfjets im Norden Artilleriestellungen der Islamisten. Die ersten Angriffe fanden am Nachmittag (MESZ) statt.

Am Abend kam es zu weiteren Luftangriffen. Dabei seien auch Drohnen zum Einsatz gekommen, sagte Pentagonsprecher John Kirby. Die IS-Terroristen seien "erfolgreich eliminiert" worden. Kampfjets griffen weitere Artilleriestellungen an. Auf diese sind nach US-Angaben Laserbomben abgeworfen worden.

Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums teilte mit, die Kämpfer der sunnitischen Gruppe hätten zuvor kurdische Peschmerga-Milizen beschossen, die die Hauptstadt der ölreichen Region Erbil verteidigen. Die britische Regierung forderte ihre Landsleute auf, die Stadt und die Region zu verlassen, in der viele westliche Ölfirmen tätig sind.

Die USA untersagten ihren Fluggesellschaften Flüge über dem Irak. Das Verbot gilt bis Ende dieses Jahres. Die Lufthansa-Gruppe setzte wegen der Kämpfe im Nordirak ihre Flüge von und nach Erbil aus.

US-Präsident Barack Obama hatte bereits vereinzelte Luftangriffe angekündigt: "Wir können vorsichtig und verantwortlich handeln, um einen potenziellen Genozid zu verhindern." Die Luftwaffe könne auch die irakische Armee und die Peschmerga dabei unterstützen, die Belagerung des Sindschar aufzubrechen. Auch Frankreich will Militärhilfe leisten. Obama betonte, der Einsatz von US-Bodentruppen sei nicht geplant.

Die US-Luftwaffe warf Versorgungsgüter in der Nähe des Sindschar-Gebirges ab, wohin rund 50.000 Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden geflüchtet sind. Sie werden von den IS-Kämpfern mit dem Tod bedroht.

Derweil haben kurdische Kämpfer einem Medienbericht zufolge eine große Zahl der vor IS-Dschihadisten geflohenen Jesiden retten können. Wie das kurdische Nachrichtenportal Basnews unter Berufung auf Kreise der Peschmerga-Armee meldete, wurden sie in die kurdischen Autonomieregionen in Sicherheit gebracht. Die Menschen sollten nun in Bussen in die Stadt Duhok gebracht werden. Eine genaue Zahl wurde nicht genannt.

Deutsche Soforthilfe für Flüchtlinge

Das Bundesaußenministerium begrüßte, dass die USA und andere Länder die Flüchtlinge versorgten. Entscheidend für einen Erfolg gegen IS sei eine politische Lösung. "Luftschläge alleine werden den Irak nicht befrieden", hieß es in Berliner Regierungskreisen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier kündigte Hilfen an: "Wir haben als erste Sofortmaßnahme die humanitäre Hilfe um 2,9 Millionen Euro aufgestockt." Es sei aber klar, dass das nicht reichen werde.

Ein Reuters-Fotograf hatte am Donnerstag gesehen, dass über einem Kontrollpunkt nur 45 Kilometer von Erbil entfernt die schwarze Flagge der IS gehisst worden war. Erbil ist der Sitz der kurdischen Regionalregierung, dort leben rund 1,5 Millionen Menschen. Die Regierung der Kurden erklärte aber, ihre Kämpfer machten Boden gut und die "Terroristen" würden besiegt. Lokale Behörden im Kurdengebiet blockierten allerdings die Nutzung von Online-Netzwerken. Ein Behördenmitarbeiter erklärte, damit sollten Gerüchte gestoppt und Panik verhindert werden.

Berichte über IS-Gräueltaten

Die IS gilt als radikaler als die Al-Kaida. Die Organisation mit ihren bis zu 20.000 Kämpfern hat ein Kalifat in Teilen des Iraks und Syriens ausgerufen. Die früher als Isis bekannte Bewegung hatte im Juni ihre Offensive gestartet und weite Teile des nördlichen und westlichen Irak überrannt.

Die Bundestagsabgeordnete der Linkspartei, Ulla Jelpke, hält sich derzeit in den Kurdengebieten auf. "Die Flüchtlinge haben mir von Gräueltaten berichtet, die man kaum beschreiben kann", teilte sie mit. "Sie haben geschildert, wie ein Ehemann vor den Augen seiner Frau und seiner Kinder von den IS-Banden geköpft wurde. Frauen werden in Brautkleider gesteckt, vergewaltigt und dann den Angehörigen regelrecht vor die Füße geschmissen."

Der IS stellt die Menschen in den eroberten Gebieten vor die Wahl zu fliehen oder zu konvertieren. Andernfalls drohe ihnen der Tod. Neben den Jesiden sind auch zehntausende Christen auf der Flucht. Rund 200.000 Flüchtlinge seien in der Stadt Dohuk am Tigris eingetroffen, teilten die UN mit. Nach türkischen Angaben haben zehntausende Menschen auf türkischem Territorium Schutz gesucht.

In Bagdad verstärkte sich angesichts der IS-Erfolge der Druck auf den umstrittenen schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki. Das geistliche Oberhaupt der Schiiten im Irak, Großajatollah Ali al-Sistani, warf irakischen Politikern vor, für die Krise mitverantwortlich zu sein. Ohne den Namen zu nennen, erklärte er, Politiker, die an ihren Posten klebten, begingen einen "großen Fehler". Kritiker werfen Maliki vor, für die Krise im Irak mitverantwortlich zu sein, da er die Sunniten aus einflussreichen Ämtern gedrängt und damit für IS empfänglich gemacht habe. Auch die USA und Deutschland bekräftigten, der Irak brauche eine neue Regierung.

Jesiden im IrakStepMap

Quelle: n-tv.de

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