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Tarnkappenbomber über Syrien: USA kämpfen gemeinsam mit Arabern

Seit Wochen fliegen die USA Luftangriffe gegen die Terrormiliz Islamischer Staat im Irak. Nun weiten sie die Offensive erheblich aus: Ab sofort werden mit Hilfe arabischer Partner auch IS-Stellungen in Syrien angegriffen. Die syrische Regierung war informiert.

Die USA haben ihre Ankündigung wahrgemacht und zusammen mit den "Streitkräften verbündeter Nationen" erstmals Stellungen der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) in Syrien attackiert. Das gab das US-Verteidigungsministerium in der Nacht bekannt. US-Medienberichten zufolge beteiligten sich Saudi-Arabien, Katar, Jordanien, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate an den Luftangriffen. Ein Pentagon-Vertreter sprach lediglich von "arabischen Partnern", die an den Bombardements beteiligt seien. Die Regierung in Damaskus sei vorab von den Luftangriffen informiert worden.

Kirby will im Laufe des Tages Details der Angriffe mitteilen.
Kirby will im Laufe des Tages Details der Angriffe mitteilen.(Foto: AP)

Laut Pentagon-Sprecher John Kirby wurde die Offensive mit Kampfjets und Bombern sowie von Kriegsschiffen aus unterstützt, die Tomahawk-Raketen abfeuerten. Den Einsatzbefehl an das Truppenkommando habe US-Präsident Barack Obama als Oberbefehlshaber der Streitkräfte gegeben. Weitere Details würden zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben, sagte Kirby.

Syrien unterstützt Kampf gegen IS

Die syrische Regierung stellte sich hinter die Angriffe. Syrien unterstütze "jede internationale Bemühung, die zum Kampf gegen Terroristen beiträgt", seien es der IS, die Al-Nusra-Front oder andere, erklärte das syrische Außenministerium. Die Al-Nusra-Front ist der syrische Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Das Ministerium beharrte zugleich darauf, dass die syrische Souveränität gewahrt und das internationale Recht eingehalten werden müssten.

Washington lehnt eine Kooperation mit dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad ab. Das syrische Außenministerium wurde aber nach eigenen Angaben von Washington vorab über die Angriffe informiert. Der syrische Außenminister Walid Muallem habe über einen irakischen Kollegen eine Botschaft von US-Außenminister John Kerry erhalten, hieß es. Auch der syrische UN-Botschafter sei informiert worden. Die Erklärung vom Dienstag kündigte zudem an, dass die syrische Regierung in Abstimmung mit dem Irak den gemeinsamen Kampf gegen die IS-Miliz fortsetzen werde.

Erstmals Tarnkappenbomber dabei

Die F-22 Raptor war bislang das Sorgenkind der US Air Force.
Die F-22 Raptor war bislang das Sorgenkind der US Air Force.(Foto: picture alliance / dpa)

Bei ihren Angriffen hätten die USA erstmals auch F-22 "Raptor" Kampfflugzeuge eingesetzt, sagte Kirby dem US-Sender ABC. Der Jagdflieger hat Tarnkappeneigenschaften und ist noch nicht kampferprobt. Die F-22-Jets gelten als die teuersten und modernsten Jagdflugzeuge der US-Luftwaffe. Ein Flugzeug kostet etwa 189 Millionen Dollar (147 Millionen Euro). Seit April 2008 hat die US-Luftwaffe immer wieder Probleme mit dem Sauerstoffsystem in den Jets. So musste die gesamte F-22-Flotte 2011 vorübergehend am Boden bleiben, weil Piloten über Symptome von Sauerstoffmangel klagten.

Die "New York Times" zitierte US-Regierungsbeamte, denen zufolge sich die Attacken auf IS-Stellungen in der nordsyrischen Provinz Rakka konzentrierten, wo die radikalsunnitischen Extremisten eine ihrer Hochburgen haben. Weitere Ziele seien entlang der syrisch-irakischen Grenze angegriffen worden.

Hunderte Luftangriffe seit August

Die USA hatten seit Anfang August fast 200 Luftangriffe auf IS-Stellungen im Irak geflogen und vor zwei Wochen eine Ausweitung der Bombardements auf Syrien angekündigt. "Wir werden den IS schwächen und schließlich zerstören", versprach Obama damals in einer Rede an die Nation. Den IS bezeichnete er als "Krebsgeschwür" und Gefahr für "Amerika und unsere Verbündeten".

Später reagierte Washington auch unbeeindruckt auf eine von der Regierung in Damaskus ausgegebene Warnung, dass jeder Angriff gegen IS-Stellungen auf syrischem Territorium ohne ihre vorherige Zustimmung als Attacke auf den syrischen Staat gewertet würde.

Die Vereinigten Staaten haben in den vergangenen Tagen und Wochen eine Koalition aus mehr als 50 Ländern gegen den IS geschmiedet, der inzwischen weite Teile Syriens und des Irak erobert hat. Zuletzt sind die Dschihadisten auf eine strategisch wichtige Stadt an der Grenze zur Türkei vorgerückt und haben 130.000 verängstigte Flüchtlinge ins Nachbarland getrieben. Kurdische Kämpfer verstärkten daraufhin ihre Gegenattacken und konnten Aktivisten zufolge die Offensive der Islamisten bremsen, die mit Enthauptungen und Kreuzigungen seit Wochen Schrecken im Nahen Osten verbreiten.

Franzose entführt

Am Montag hatte die IS-Miliz ihre Anhänger aufgerufen, Bürger aller Staaten zu töten, die sich der internationalen Koalition gegen sie angeschlossen haben. In der Drohung wurden insbesondere Franzosen und US-Bürger als Ziel genannt. Der Mordaufruf wurde auf Arabisch sowie in englischen, französischen und hebräischen Übersetzungen veröffentlicht. Die Erklärung richtete sich gezielt an Einzeltäter, wobei verschiedene Möglichkeiten aufgelistet wurden, "Ungläubige" ohne großen logistischen Aufwand zu töten.

In Algerien hatten fast zeitgleich Islamisten mit Verbindungen zum IS einen Franzosen entführt und mit seiner Ermordung gedroht. Die Regierung in Paris will den Forderungen der Entführer aber nicht nachgeben. "Eine Terrorgruppe kann Frankreichs Haltung nicht verändern", sagte der französische Außenminister Laurent Fabius, deshalb seien Drohungen zwecklos. Der 55-jährige Franzose, ein Bergführer aus Nizza, fiel der Gruppe Dschund al-Chilafa (Die Soldaten des Kalifats) beim Wandern in der Kabylei in die Hände.

Quelle: n-tv.de

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