Politik
Schickt Trump mehr Truppen nach Afghanistan?
Schickt Trump mehr Truppen nach Afghanistan?(Foto: picture alliance / Carolyn Kaste)
Dienstag, 22. August 2017

Trumps Spiel mit dem Feuer: USA ordnen Afghanistan-Politik neu

Seit 16 Jahren kämpfen US-Soldaten in Afghanistan - mit durchaus umstrittenem Erfolg. Als Privatmann war Donald Trump einer der größten Kritiker der US-Operation am Hindukusch. Das scheint jetzt vorbei.

Die USA haben ihre Einsatzstrategie in Afghanistan neu geordnet. Der Kampf gegen Terroristen von Al-Kaida und die Terrormiliz "Islamischer Staat" soll verschärft, eine Übernahme des Landes durch die Taliban aktiv verhindert werden, sagte US-Präsident Donald Trump. Die USA würden sich jedoch nicht mehr daran beteiligen, ein fremdes Land nach ihrem Modell zu verändern.

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"Am Ende ist es am afghanischen Volk, seine Zukunft in die Hand zu nehmen, seine Gesellschaft zu regieren, und einen unbefristeten Frieden zu erzielen", sagte Trump. Er bezweifelte jedoch, dass die radikal-islamischen Taliban Teil einer politischen Lösung für Afghanistan sein können. Zwar sei es vorstellbar, dass irgendwann, nach einer effektiv geführten Militäroperation, eine politische Lösung erreicht werde, "die Elemente der Taliban enthält", sagte Trump. "Aber niemand weiß, ob und wann das jemals passieren wird", fügte er hinzu. 

Trump vermied es, über eine Aufstockung der Zahl der bisher 8400 US-Soldaten am Hindukusch zu sprechen. Zuvor war in Medienberichten davon die Rede, die Zahl werde auf Vorschlag des Pentagon um 4000 erhöht. Verteidigungsminister James Mattis deutete eine US-Truppenverstärkung indirekt an, indem er in einem Statement sagte, mehrere Verbündete hätten sich "ebenfalls" zur Erhöhung ihrer Truppenstärke bekannt.

Spiel mit dem Feuer

Eine Truppenaufstockung ist ein politisches Spiel mit dem Feuer für Trump. Er hatte als Privatmann stets einen Rückzug aus Afghanistan gefordert und schon den Start der Operation durch den damaligen US-Präsidenten George W. Bush als großen Fehler bezeichnet. Trump war im Wahlkampf stets als Politiker aufgetreten, der sich gegen militärische Intervention einsetzt.

Am Freitag war mit Stephen Bannon der größte Gegner von Militärmissionen in der Regierung Trump zurückgetreten. Am gleichen Tag hatte Trump mit den Generälen in seinem Kabinett die Optionen für Afghanistan diskutiert. "Mein eigentlicher Instinkt war der Rückzug", sagte Trump. Er habe sich jedoch überzeugen lassen, dass ein schneller Truppenabzug aus Afghanistan negative Folgen haben könne, so wie sich das auch bereits im Irak ereignet habe. "Die Konsequenzen eines schnellen Rückzuges wären sowohl vorhersehbar als auch unakzeptabel", sagte Trump. 

Austrocknen von Terrornestern

Stattdessen solle es nun keine zeitlichen Vorgaben mehr für die Operation am Hindukusch geben. Die Militäraktion soll stärker von politischen und diplomatischen Bemühungen flankiert werden. Dazu gehöre etwa das Austrocknen von Terrornestern im Nachbarland Pakistan, wo es noch immer Rückzugsgebiete gebe. Außerdem soll Indien stärker mit wirtschaftlicher Hilfe eingebunden werden. Dies wird als klare Drohung in Richtung Pakistan verstanden. Beide Atommächte gelten als Erzfeinde. 

Die US-Truppen in Afghanistan erhielten künftig größere Freiheiten, um Terroristen und international agierende kriminelle Netzwerke ins Visier zu nehmen. "Diese Mörder müssen wissen, dass es für sie kein Versteck gibt", sagte Trump. Kriege würden nicht durch "Mikromanagement in Washington" gewonnen, sondern auf dem Schlachtfeld.

Taliban: Afghanistan wird euer Friedhof

Die Taliban haben als Reaktion auf die neue Afghanistanstrategie von Trump angekündigt, einen "heiligen Krieg bis zum letzten Atemzug" führen zu wollen. Talibansprecher Sabiullah Mudschahid schrieb in einer Email an Medien, solange auch nur ein US-Soldat im Land sei, würden die Taliban ihren "Dschihad mit Entschlossenheit" fortsetzen.

"Wir werden ihnen (den Soldaten) Angst machen und ihrer Regierung die Realitäten in diesem Land zeigen." Die Taliban seien nicht kampfesmüde. Sollten die USA nicht abziehen, werde Afghanistan zu ihrem Friedhof werden.

Quelle: n-tv.de

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