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Ein Schiit, in Bagdadm der die Isis bekämpfen will.
Ein Schiit, in Bagdadm der die Isis bekämpfen will.(Foto: AP)

"Gemeinsames Interesse" im Irak: USA reden mit Iran

Ein solches Treffen war jahrelang undenkbar. Die Krise im Irak führt die einstigen Erzfeinde USA und den Iran plötzlich näher zusammen. Erstmals kommen Vertreter beider Länder zu direkten Gesprächen zusammen.

"Ein gemeinsames Interesse", dass die militanten Islamisten "im Irak nicht mehr Fuß fassen können": Der Isis-Vormarsch erzeugt in der Golf-Region ganz neue Allianzen.
"Ein gemeinsames Interesse", dass die militanten Islamisten "im Irak nicht mehr Fuß fassen können": Der Isis-Vormarsch erzeugt in der Golf-Region ganz neue Allianzen.

Vertreter der USA und des Irans haben sich erstmals zu direkten Gesprächen über die Krise im Irak getroffen. Abgesandte beider Staaten hätten am Rande der Atomverhandlungen in Wien kurz über den Vormarsch der Islamistenmiliz Isis geredet, sagte ein hochrangiger Vertreter des US-Außenamtes.

US-Außenamtssprecherin Marie Harf sagte dem US-Fernsehsender CNN, es habe eine "kurze Diskussion" gegeben. Beide Seiten hätten "ein gemeinsames Interesse", dass die militanten Islamisten "im Irak nicht mehr Fuß fassen können". Es bleibe aber abzuwarten, ob die Gespräche mit den Vertretern Teherans fortgesetzt würden. Pentagonsprecher John Kirby ergänzte, es gebe "keinerlei Plan, militärische Aktivitäten zwischen den USA und dem Iran abzustimmen".

Washington sei bereit, sich sowohl mit Teheran als auch mit anderen Mächten in der Region über das Vorgehen gegen die Isis-Kämpfer abzustimmen, hieß es aus dem US-Außenamt. Zuvor hatte Außenminister John Kerry noch erklärt, er würde "nichts ausschließen, was konstruktiv wäre." Die USA erwägten zudem Drohnenangriffe auf die Extremisten.

Die USA sorgen sich um einen Zerfall des irakischen Staates und die Stabilität der Region. Den Einsatz von Bodentruppen im Kampf gegen die Extremisten hat Präsident Barack Obama bereits ausgeschlossen. Seine Regierung entsendet nun aber eine 275 Mann starke Spezialeinheit des Militärs in den Irak, um die Botschaft in Bagdad und die dort arbeitenden Amerikaner zu schützen. Die Truppe sei wenn nötig auch für den Kampf gerüstet, heißt es. Die irakische Regierung habe dem Schritt zugestimmt.

Auch der schiitische Iran befürchtet eine Machtübernahme im schiitisch regierten Bagdad durch die radikalen Sunniten der Isis. Präsident Hassan Ruhani hatte sich grundsätzlich offen für eine Zusammenarbeit mit den USA im Kampf gegen die Gruppe gezeigt.

Isis auf dem Vormarsch

Kämpfer der Isis hatten vergangene Woche große Teile des Iraks eingenommen. Experten schätzen ihre Stärke auf rund 10.000 Mann. Die weitaus größere irakische Armee begann am Wochenende eine Gegenoffensive, um mit Kurdenverbänden ("Peschmerga") und Tausenden Freiwilligen unter anderem die nördliche Millionenmetropole Mossul zurückzuerobern.

Die Gefechte dauerten zu Wochenbeginn noch an - unter anderem in der Region Bakuba, 60 Kilometer vor den Toren Bagdads. Auch am Bagdader Flughafen gab es Gefechte. Nach ersten Erfolgen drängten nun auch die irakischen Kurden auf eine Erweiterung ihres Autonomiegebiets.

UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay verurteilte die Tötung Hunderter irakischer Soldaten und Zivilisten durch vorrückende Isis-Kräfte. "Obwohl die Zahlen noch nicht verifiziert werden können, stellt diese systematische Serie kaltblütiger Hinrichtungen, überwiegend an verschiedenen Orten im Bereich um Tikrit, fast sicherlich ein Kriegsverbrechen dar", sagte sie.

Quelle: n-tv.de

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