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Im Osten der Ukraine verliert die Armee einen Großteil ihres Kriegsgeräts.
Im Osten der Ukraine verliert die Armee einen Großteil ihres Kriegsgeräts.(Foto: REUTERS)

Schwere Verluste im Osten : Ukraine verliert massenhaft Kriegsgerät

Die ukrainische Armee kämpft seit Monaten gegen die Separatisten im Osten des Landes und erleidet dabei Verluste, wie im Krieg üblich. Das Ausmaß, das Präsident Poroschenko nun bekannt gibt, ist jedoch enorm.

Die ukrainischen Regierungstruppen haben im Osten des Landes schwere Verluste an Material erlitten. "Es wurde zwischen 60 und 65 Prozent der Militärtechnik zerstört", beschrieb Präsident Petro Poroschenko im ukrainischen Fernsehen die Verluste an Panzern und schwerem Gerät.

Mit dem vereinbarten partiellen Rückzug der Kampftruppen beider Konfliktparteien und der Bildung von Pufferzonen habe die Ukraine nunmehr die Gelegenheit, die Einheiten aufzufrischen, die lange Zeit im Kampf gestanden hatten. "In einer dieser Einheiten hat mein Sohn gekämpft", zitierte die russische Agentur Ria Nowosti den ukrainischen Staatschef. In dem Interview betonte Poroschenko, dass sein Land den Frieden brauche. Er selbst wolle alles unternehmen, "um den Friedensplan umzusetzen".

Die Regierungstruppen zogen erste Einheiten aus dem Gebiet Donezk ab. Die Truppen hätten einige Ortschaften verlassen, um die Lage besser kontrollieren zu können, teilte Andrej Lyssenko vom nationalen Sicherheitsrat in Kiew mit. Zuvor hatten prorussische Separatisten von einem teilweisen Rückzug ukrainischer Regierungstruppen berichtet.

Separatisten sollen sich auch zurückziehen

Die Sicherheitszone könne nur im Fall einer kompletten Waffenruhe und bei einem gleichzeitigen Rückzug der Kampfverbände auf beiden Seiten umgesetzt werden, sagte Lyssenko. Die Regierungstruppen hielten sich an die Feuerpause, wehrten sich aber weiter auch mit Waffen gegen Angriffe, sagte er. Mehrere Stellungen der "Anti-Terror-Operation" seien auch am Wochenende beschossen worden. Lyssenko sprach von zwei getöteten Soldaten.

Die seit zwei Wochen offiziell geltende Waffenruhe in den nicht anerkannten "Volksrepubliken" Donezk und Lugansk hält im Großen und Ganzen, wie Medien berichten. Allerdings kommt es immer wieder zu Zwischenfällen, für die sich die Konfliktseiten gegenseitig die Schuld geben. Die Aufständischen in Donezk teilten mit, dass immer wieder Schüsse und Explosionen zu hören seien. Demnach hielten die ukrainischen Regierungstruppen weiter viele Stellungen mit Hilfe schwerer Artillerie unter Kontrolle.

Die EU begrüßte den in Minsk vereinbarten Fahrplan aus der Krise. Die Waffenruhe sowie der Austausch von Gefangenen hätten zu einem "bedeutenden Rückgang" der Gewalt geführt, hieß es in einer Mitteilung der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton. Ein dauerhafter Waffenstillstand sei der Schlüssel für eine politische Lösung der Krise.

Künftiger Status wird später geklärt

Die heikle Frage des künftigen Status der Ostukraine - einer der wichtigsten Streitpunkte zwischen Kiew und den Separatisten - war aber kein Thema bei den Verhandlungen in Minsk. Darüber werde später gesprochen, sagte Separatistenführer Alexander Sachartschenko. Poroschenko hatte der Ostukraine per Gesetz einen Sonderstatus für drei Jahre zugebilligt. Der Status sieht weitgehende Selbstverwaltungsrechte vor. Eine Abspaltung der ostukrainischen Gebiete lehnt die Regierung in Kiew aber weiter vehement ab.

Erstmals seit dem Beginn der blutigen Kämpfe gab es in Moskau eine Großkundgebung von Kriegsgegnern. Mehrere tausend Demonstranten protestierten am Sonntag gegen die Rolle Russlands in dem Konflikt und riefen Slogans mit scharfer Kritik an Präsident Wladimir Putin, etwa "Putin, hör auf zu lügen!" und "Ukraine, wir sind auf Deiner Seite!"

Quelle: n-tv.de

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