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Screenshot eines Videos, das die Explosion des Flugzeugs zeigen soll.
Screenshot eines Videos, das die Explosion des Flugzeugs zeigen soll.(Foto: novorosinform.org/news/id/504)

"Von einer Rakete getroffen": Ukrainisches Militärflugzeug abgeschossen

In der Ostukraine wird ein Militärflugzeug mit Dutzenden Menschen an Bord abgeschossen. Die prorussischen Paramilitärs bestätigen den Abschuss. Kiew und Washington werfen Russland vor, die Separatisten mit Waffen zu versorgen.

Ein ukrainisches Militärflugzeug mit mindestens 49 Menschen an Bord ist im Osten des Landes abgeschossen worden. Die Transportmaschine vom Typ Iljuschin IL-76 befand sich im Anflug auf einen Flughafen der Stadt Lugansk, der Hauptstadt des gleichnamigen Verwaltungsbezirks, in dem prorussische Paramilitärs eine "Volksrepublik" ausgerufen haben.

Einem Armeesprecher zufolge kamen vermutlich 49 Soldaten ums Leben. "Dies sind vorläufige Informationen", sagte der Sprecher. Die genaue Zahl der Menschen an Bord werde noch überprüft. Ukrainischen Medien zufolge sollen sich etwa 30 Fallschirmjäger einer Luftlandebrigade aus Dnjepropetrowsk sowie eine mehrköpfige Crew an Bord befunden haben.

Die Regierung in Kiew teilte mit, dass Separatisten das Flugzeug abgeschossen hätten. "Terroristen" hätten das Flugzeug mit Boden-Luft-Raketen und großkalibrigen Maschinengewehren attackiert, so das Verteidigungsministerium in Kiew. Demnach transportierte das Flugzeug Truppen, die Soldaten vor Ort ablösen sollten. Das Ministerium sprach den "Familien der Toten" ihr Beileid aus.

Die Separatisten bestätigten den Abschuss des Flugzeugs. "Es wurde von einer Rakete getroffen", sagte ein Sprecher der prorussischen Paramilitärs der russischen Nachrichtenagentur Ria Novosti. "Wir glauben, dass militärische Truppen an Bord waren." Auf der Webseite "Novorosinform", die sich als Nachrichtenagentur der Separatisten versteht, wurde ein Video veröffentlicht, dass den Abschuss zeigen soll. Zu erkennen ist allerdings nur eine Explosion am Horizont.

Panzer und Raketenwerfer aus Russland?

Ende Mai wurden beim Abschuss eines Hubschraubers durch die Separatisten bei Slawjansk 14 ukrainische Soldaten getötet, darunter ein General. Insgesamt sind bei den Kämpfen im Osten der Ukraine in den vergangenen zwei Monaten mindestens 270 Menschen ums Leben gekommen.

Video

Das ukrainische Militär geht seit Wochen mit Gewalt gegen die prorussischen Separatisten vor, die in den Bezirken Lugansk und Donezk "Volksrepubliken" ausgerufen haben. Am Freitag gelang es der Armee eigenen Angaben zufolge, nach heftigen Kämpfen die südöstliche Hafenstadt Mariupol wieder unter Kontrolle zu bringen.

Russlands Präsident Wladimir Putin forderte in einem Telefonat mit EU-Kommissionschef José Manuel Barroso das sofortige Ende der ukrainischen Armeeoffensive. Kiew müsse "sofort seine Militäroperation einstellen", sagte Putin nach Angaben des Kremls in dem Gespräch am Freitag.

Die Regierung in Kiew wirft Russland vor, die Milizen mit Kämpfern und Waffen zu unterstützen. Laut Präsident Petro Poroschenko lieferte Russland auch drei Panzer. Moskau warf daraufhin der Ukraine seinerseits vor, mit zwei Panzern auf russisches Gebiet vorgedrungen zu sein.

Auch die USA gehen davon aus, dass sich die Separatisten schwere Waffen und andere Ausrüstung aus Russland beschafft haben, darunter Panzer und Raketenwerfer. Es gebe "überzeugende Beweise" dafür, sagte Außenamtssprecherin Marie Harf in Washington. Harf sagte, die Panzer seien "irgendwie aus russischen Lagerhäusern" geholt worden. Jemand habe den Separatisten beigebracht, sie zu benutzen, "und sie wurden aus Russland in die Ukraine geschickt".

Deutsche unter Entführten

Die ukrainische Führung will derweil ab Samstag wieder die gesamte Grenze zu Russland unter Kontrolle haben. Einheiten mit gepanzerten Fahrzeugen würden an allen Grenzstraßen Präsenz zeigen und bewaffnete Eindringlinge angreifen, kündigte ein Sprecher des Innenministeriums in Kiew nach Angaben der Agentur Interfax an. Die russisch-ukrainische Landgrenze ist mit knapp 2000 Kilometern die längste in Europa.

Unter den in der Ostukraine entführten OSZE-Beobachtern befindet sich einem Zeitungsbericht zufolge auch eine Deutsche. Die Frau sei am 29. Mai in der Region Lugansk als Geisel genommen worden, berichtete die "Bild"-Zeitung. Experten der Bundesregierung befürchten demnach, dass die Entführte von prorussischen Separatisten als "menschliches Schutzschild" benutzt werden könnte. Forderungen hätten die Kidnapper bislang nicht gestellt.

Quelle: n-tv.de

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