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Stalingrad wurde 1961 in Wolgograd umbenannt.
Stalingrad wurde 1961 in Wolgograd umbenannt.(Foto: REUTERS)

Politiker fordern Referendum: Umbenennung in Stalingrad?

70 Jahre nach der Schlacht gibt Sowjetdiktator Stalin der Stadt Wolgograd noch einmal seinen Namen. Historiker sind entsetzt, dabei gilt die Umbennennung nur während der fünf Gedenktage. Vorerst. Denn Politiker fordern jetzt die endgültige Rückkehr zu Stalingrad.

Eine Volksbefragung soll nach dem Willen russischer Politiker klären, ob die Stadt Wolgograd wieder dauerhaft Stalingrad nach Sowjetdiktator Josef Stalin heißen soll. Die Einwohner der südrussischen Millionenstadt müssten selbst über die umstrittene Frage entscheiden, sagte Valentina Matwijenko, die Präsidentin des Föderationsrates, der Zeitung "Iswestija". Matwijenko ist wie andere Spitzenpolitiker für eine Umbenennung. Bereits während der Gedenktage zu Ehren des 70. Jahrestags der Schlacht von Stalingrad hatte sich die Wolgastadt ihren alten Namen gegeben.

Die Kommunisten fordern immer wieder eine dauerhafte Rückkehr zum alten Namen der Stadt. Eine Initiative reichte beim Kreml 50.000 Unterschriften von Unterstützern ein. Die Mehrheit der Russen ist aber dagegen. In einer Umfrage des Instituts Lewada aus dem Herbst 2012 lehnten 60 Prozent den Plan ab, lediglich 18 Prozent waren dafür.

Verharmlosung schwerer Repression?

Befürworter hoffen, dass der in aller Welt bekannte Name mehr Touristen anlockt. Kremlchef Wladimir Putin hatte bei dem Gedenken in Wolgograd betont, dass sogar eine Metrostation in Paris Stalingrad heiße. Diesen Namen trug die Stadt von 1925 bis 1961. Kremlkritiker und Menschenrechtler reagierten hingegen entsetzt. In Umfragen lehnte zuletzt die Mehrheit der Russen eine Rückkehr zum alten Namen ab. Historiker beklagen in Russland eine zunehmende Verharmlosung der Zeit schwerer Repression unter Stalin (1879-1953).

Der Menschenrechtsbeauftragte Wladimir Lukin verurteilte die Entscheidung scharf. "Das ist eine Beleidigung der Gefallenen von Stalingrad. Selbstverständlich verdienen sie eine Würdigung, aber nicht in dieser Form", sagte Lukin der Agentur Interfax. Der Wolgograder Philosophie-Professor Alexander Strisoje sagte: "Die russische Gesellschaft ist nicht bereit für eine Umbenennung." Zugleich betonte er, dass Stalingrad für Russland eine ungeheure Bedeutung habe. "Der Name erinnert an den gemeinsamen Erfolg", sagte Strisoje.

Schlacht mit 700.000 Toten

Stalingrad hatte 1961 im Zuge einer politischen Tauwetterperiode in der Sowjetunion nach 36 Jahren seinen umstrittenen Namen verloren und heißt seither Wolgograd. Vorher hatte die Stadt über Jahrhunderte den Namen Zarizyn getragen.

Für den Sieg der Roten Armee über den Hitler-Faschismus wird Stalin auch 60 Jahre nach seinem Tod in weiten Teilen der russischen Bevölkerung verehrt. Experten kritisieren, dass Stalins kommunistischer Terror gegen die eigene Bevölkerung dabei in den Hintergrund tritt. Geschichtswissenschaftler geben ihm die Schuld am Tod von Millionen Menschen. In der Schlacht von Stalingrad verloren mindestens 700.000 Russen und Deutsche ihr Leben.

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Quelle: n-tv.de

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