Politik
Ein gefragter Mann: Karl-Theodor zu Guttenberg, hier bei einem Auftritt im Dezember 2015 in Berlin.
Ein gefragter Mann: Karl-Theodor zu Guttenberg, hier bei einem Auftritt im Dezember 2015 in Berlin.(Foto: imago/IPON)

Interview mit Florian Hartleb: Warum die CSU Guttenberg braucht

CSU-Chef Horst Seehofer wirbt um Karl-Theodor zu Guttenberg, doch der hat kein Interesse. Der Politikwissenschaftler Florian Hartleb erklärt, wie Guttenberg der CSU helfen könnte - und warum Seehofers Bemühungen eigentlich paradox sind.

n-tv.de: Horst Seehofer hat nun schon mehrfach probiert, Karl-Theodor zu Guttenberg zu einer Rückkehr zu bewegen. Warum buhlt er so offensiv um den früheren Verteidigungsminister?

Politik-Berater und Rechtspopulismus-Experte: Florian Hartleb.
Politik-Berater und Rechtspopulismus-Experte: Florian Hartleb.

Florian Hartleb: Zu Guttenberg verkörpert eine Weltläufigkeit, die der CSU verloren gegangen ist. Er steht etwa für enge transatlantische Beziehungen. In der Flüchtlingsfrage ist die Partei durch den strikten, unnachgiebigen Merkel-Kurs relativ an den Rand gedrängt. Mit ihren Positionen wie der Forderung nach einer Obergrenze oder nationalen Lösungsansätzen kann sie sich nicht durchsetzen. Im politischen Berlin wird sie häufig als provinziell bezeichnet. Zu Guttenberg ist das Gegenbild dazu.

Seehofer wäre bereit gewesen, den Parteivorsitz vorzeitig abzugeben. Hat sein Werben vor allem den Grund, den bayerischen Finanzminister Markus Söder als Nachfolger zu verhindern?

Das ist sehr wahrscheinlich. Seehofer will die Nachfolgefrage offenhalten und versucht, Söder in Schach zu halten. Es fällt auf, dass Söder bei den großen politischen Themen dauerpräsent ist. In der Flüchtlingskrise gibt es zwischen beiden fast einen Wettstreit um das erste Statement. Seehofer weiß, dass Söder dadurch immer beliebter wird. Der Versuch, Ilse Aigner zurück nach Bayern zu holen, um ein Gegengewicht zu Söder zu schaffen, ist ja nicht so erfolgreich gewesen, wie Seehofer sich das vorgestellt hat. An weiteren Alternativen mangelt es. Deswegen kommt der Joker in Form von zu Guttenberg ins Spiel.

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Der Tag: Sollte Karl-Theodor zu Guttenberg in die Bundespolitik zurückkehren?

Sollte Karl-Theodor zu Guttenberg in die Bundespolitik zurückkehren?

Dabei liegen Seehofer und Söder inhaltlich, etwa in der Flüchtlingspolitik, eng beisammen.

Das stimmt. Die Aussagen von Seehofer und Söder sind inhaltlich oft kaum zu unterscheiden. Zwischen beiden geht es mehr um persönliche Befindlichkeiten. Es ist ein Wettlauf um die Macht, nicht um unterschiedliche Ideen.

Würde zu Guttenberg in der Flüchtlingspolitik denn ähnliche Positionen einnehmen wie Seehofer oder Söder?

Nein. Zu Guttenberg war niemals ein Scharfmacher. Er würde stärker auf eine europäische Lösung setzen und wäre sicherlich näher bei Merkel, als Seehofer und Söder das sind.

Das heißt: Seehofer ist inhaltlich zu großen Abstrichen bereit, um Söder zu verhindern?

Ja, das ist das Paradox. Inhaltlich könnte Söder ihm gut nachfolgen. Dennoch will Seehofer zu Guttenberg ja schon seit längerem zurückholen. Es sollte ein Denkzettel für Söder sein. Aber der Schuss ist ja nach hinten losgegangen. Zu Guttenberg hat kein Interesse, auch weil er die Fallstricke zur Genüge kennt.

Guttenberg hatte keinen schönen Abgang aus der Bundespolitik. Wie beliebt ist er in der CSU?

Das politische Rad dreht sich sehr schnell. Zu Guttenberg ist eine Schattenfigur geworden, der sich nur noch ab und an zu Wort meldet. Er ist in Beraterzirkeln der CSU aktiv. In der Politik ist man schnell vergessen, zumal in der heutigen, schnelllebigen Zeit. Die Frage ist, wie eine Rückkehr aussehen kann. Seehofers Kalkül war es, zu Guttenberg zur Gesicht der Bundestagswahlkampagne zu machen. In der CSU gibt es die Sehnsucht nach einem Politiker, der auch im politischen Berlin ein Wörtchen mitzureden hat. Die aktuellen Vertreter und Minister in der Hauptstadt sind ja eher unauffällig. Es fehlt neben dem von Seehofer ungeliebten Söder der Kronprinz, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht und polarisieren kann. In der CSU erinnert man sich noch gut daran, dass zu Guttenberg damals zeitweise Angela Merkel in der Beliebtheitsskala überholt hat, beliebtester Politiker war, mit Staatsmännern wie dem Boulevard umgehen konnte.

Guttenberg hat Seehofer inzwischen schon mehrfach abgesagt. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass er dem Werben eines Tages doch nachgeben könnte?

Zu Guttenberg ist sicherlich nicht der engste Vertraue von Söder. Das heißt: Eigentlich kann er nur von Seehofer installiert werden. Wenn Seehofer nicht mehr da ist, sinkt die Wahrscheinlichkeit erheblich. Je größer der Abstand zur aktiven Zeit wird, das sieht man ja auch etwa bei Friedrich Merz, desto geringer sind die Chancen für ein Comeback.

Mit Florian Hartleb sprach Christian Rothenberg

Quelle: n-tv.de

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