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Zwei drei Meter lange Rohre statt Ohren: Der Turm des "Gepards" kann sich in Sekunden wie ein Karussell um die eigene Achse drehen.
Zwei drei Meter lange Rohre statt Ohren: Der Turm des "Gepards" kann sich in Sekunden wie ein Karussell um die eigene Achse drehen.(Foto: picture alliance / dpa)

Flak-Panzer für Papst Franziskus: Was kann der Gepard?

Von Martin Morcinek

Ausgemusterte Flugabwehr-Panzer der Bundeswehr sollen Massenveranstaltungen in brasilianischen Stadien vor Terrorangriffen aus der Luft bewahren. Noch sind die Verträge nicht unterschrieben. Wird das deutsche Waffensystem wirklich alle Erwartungen erfüllen?

In seinen besten Jahren waren allein bei der Bundeswehr 420 Exemplare des Gepards im Einsatz: Zum Abschied ließen die Soldaten einen davon in Sonderlackierung zum Übungsschießen rollen.
In seinen besten Jahren waren allein bei der Bundeswehr 420 Exemplare des Gepards im Einsatz: Zum Abschied ließen die Soldaten einen davon in Sonderlackierung zum Übungsschießen rollen.(Foto: picture alliance / dpa)

Brasilien will zur Sicherung anstehender Sportgroßereignisse und des Papst-Besuches von Deutschland 34 gebrauchte Flugabwehrkanonenpanzer vom Typ "Gepard 1A2" kaufen. Ein entsprechender Vertrag werde vermutlich noch diese Woche, spätestens aber nächste Woche unterzeichnet, sagte General Marcio Roland Heise von der brasilianischen Luftabwehrbrigade. Der Preis werde noch verhandelt. Brasilianischen Medienberichten zufolge sind als Gesamtpreis des Geschäfts rund 30 Mio. Euro im Gespräch. Die Auslieferung erster Einheiten soll bereits im Juni beginnen.

Die Panzer sollten im Umfeld des kommenden Weltjugendtags mit Papst Franziskus, der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und den Olympischen Sommerspielen 2016 zum Einsatz kommen und die Massenveranstaltungen vor Terrorangriffen aus der Luft schützen, hieß es.

Entworfen und gebaut wurden die deutschen Flak-Panzer ursprünglich für ganz andere Szenarien. Noch heute verraten zahlreiche Details den eigentlichen Einsatzzweck: Als rollende Flakstationen sollten die Gepard-Panzer den Kampfpanzern querfeldein durchs Gelände folgen und sie zur Not auch dicht hinter der Front gegen angreifende Kampfhubschrauber und andere Tiefflieger verteidigen.

Ein Kind des Kalten Krieges

Für die Verwendung als Stadionschützer wirken nicht wenige Merkmale des deutschen Panzers reichlich überdimensioniert: Der drehbare Geschützturm sitzt zum Beispiel auf dem Fahrgestell des früheren Hauptkampfpanzers "Leopard 1" mit schweren Ketten, einem 830-PS-starken Dieselmotor und einer gehärteten Außenhaut aus bis zu 70 Millimeter Panzerstahl.

Die rote Flagge zeigt es an: Hier wird mit scharfer Munition geschossen.
Die rote Flagge zeigt es an: Hier wird mit scharfer Munition geschossen.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Innenraum ist klimageregelt und luftdicht abschließbar, um die dreiköpfige Besatzung – bestehend aus Kommandant, Fahrer und Richtschütze – vor den schädlichen Wirkung etwaiger atomarer, bakteriologischer und chemischer Waffen hermetisch abzuschotten. Der gesamte Panzer ist voll geländegängig, bis zu 65 Kilometer pro Stunde schnell, kann bis zu zwei Meter tiefe Gewässer durchqueren und ist auch nachts und bei jedem Wetter voll einsatzbereit.

Hauptwaffe des 7,70 Meter langen, 3,70 Meter breiten und rund dreieinhalb Meter hohen Ungetüms sind seine beiden Maschinenkanonen vom Kaliber 35 Millimeter. Theoretisch kommt das Zwillingsgeschütz auf eine Feuerrate von kombinierten 1100 Schuss pro Minute. Doch wenn der Schütze den Abzug durchdrückt, verlassen so viele Geschosse binnen so kurzer Zeit die Mündung, dass der Munitionsvorrat nur für wenige Sekunden Dauerfeuer ausreicht.

Feuerstöße gegen Tiefflieger

Gelenkt wird diese Feuerkraft durch eine bordeigene Radaranlage, die Ziele und deren Flugbahn binnen Sekunden auffassen kann. Turm und Kanonen richten sich automatisch auf Anflughöhe, Richtung, Entfernung und Vorhaltewinkel aus. Wenn es ernst wird und der Abschussbefehl fällt, rasen Wolken aus Spreng- und Durchschlagsgeschossen in kurzen, ohrenbetäubenden Feuerstößen dem Ziel entgegen. Damit die Wirkung auch ankommt, sollte der Feind nicht viel weiter als 3500 Meter entfernt sein. Denn gegen schnellfliegende Angreifer in großer Höhe ist der Gepard weitgehend machtlos.

"Der Flugabwehrkanonenpanzer hatte eine hohe Reaktionsfähigkeit bei der Bekämpfung überraschend auftauchender Luftfahrzeuge und konnte Hubschrauber auch in Baumwipfelhöhe wirksam bekämpfen", heißt es beim deutschen Heer. Die Bundeswehr spricht hier in der Vergangenheit, weil die letzten Exemplare dieses Relikts aus dem Kalten Krieges nach 35 Dienstjahren aus Kostengründen endgültig ausgemustert wurden. Seine Aufgaben bei der Bundeswehr übernimmt künftig unter anderem das "Nächstbereich-Schutzsystem Mantis".

KMW liefert Ersatzteile

Hersteller des Gepards ist das deutsche Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann (KMW) mit Sitz in München. Der Motor kommt von MTU, einer Tochter des früheren MDax-Konzerns Tognum. KMW hält das Waffensystem Gepard mit einigen Verbesserungen weiter im Programm und exportiert Upgrades und Ersatzteile unter anderem nach Rumänien, Jordanien und Chile.

"Die aktuelle Version des Gepard", so heißt es bei KMW, "ist jeglichen Ansprüchen des 21. Jahrhunderts zur Abwehr moderner Kampfflugzeuge, Kampfhubschrauber, ferngelenkter Flugkörper und Raketen gewachsen."

Mit einem kolportierten Kaufpreis von rund 30 Millionen Euro für insgesamt 34 nachgerüstete Gepard-Panzer aus deutschen Beständen macht Brasilien beinahe ein Schnäppchen. Bei seiner Einführung in den 1970er-Jahren kostete jeder der insgesamt 420 Gepard-Panzer der Bundeswehr den deutschen Steuerzahler nach Angaben aus Pressearchiven noch rund sieben Millionen D-Mark. Der brasilianische Steuerzahler bekommt die ausgemusterte deutsche Luftabwehrtechnik nun zu einem Stückpreis von etwa 882.000 Euro.

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Quelle: n-tv.de

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