Politik
Ein Scharfschütze der Bundeswehr sichert das Landungsteam im Motorboot.
Ein Scharfschütze der Bundeswehr sichert das Landungsteam im Motorboot.(Foto: Issio Ehrich)
Dienstag, 31. Oktober 2017

"Exercise Blue Ship": Was machen die Slowaken an Bord?

Von Issio Ehrich

Am Abend vor der großen Übung sitzt Christian H. in der Offiziersmesse. Weiche, dunkelblaue Sofaecken, gedimmtes Licht, eine kleine Bar - in der deutschen Fregatte Mecklenburg-Vorpommern, die sonst nur aus grauem Stahl zu bestehen scheint, ist das der gemütlichste Ort. Und H.? Der erzählt vom Krieg.

Von wegen, man könne das Risiko wegplanen. Das sei die Perspektive der Generäle, wenn sie an große Schlachten denken und Verluste einkalkulieren. "Für die Männer am Boden läuft es am Ende immer auf eine Duell-Situation hinaus - und die lässt sich auch bei noch so guter Vorbereitung nicht vorhersehen."

Das Reporter-Tagebuch

Unser Reporter Issio Ehrich ist mit der Bundeswehr vor der Küste Libyens im Einsatz. In seinem Tagebuch berichtet er regelmäßig über seine Erlebnisse auf der Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern".

Das Kriegsschiff ist im Rahmen der EU-Operation "Sophia" vor Ort. Die Mission: Schleusernetzwerke auf der sogenannten zentralen Mittelmeerroute aufspüren, gegen den illegalen Waffenhandel vorgehen und Flüchtlinge aus Seenot retten.

H. denkt an diesem Abend viel an diese Duell-Situation. Bei der großen Übung, der "Exercise Blue Ship", werden sie womöglich eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen.

H. ist ein sogenannter Boarding-Offizier, ein Mann, der den Einsatz von Spezialisierten Einheiten koordiniert, die fremde Schiffe kontrollieren. Und genau darum geht es.

"Militärs muss man aufs Reden drillen"

Neben dem Kampf gegen libysche Schlepperbanden und der Seenotrettung gehört die Durchsetzung eines Waffenembargos zur Kernaufgabe der deutschen Fregatte im Mittelmeer. Das Embargo soll vor allem verhindern, dass der selbsternannte Islamische Staat (IS) sich dort weiter ausbreiten kann.

Die Bundeswehr muss darauf vorbereitet sein, Schiffe in den internationalen Gewässern vor Libyen zu durchsuchen. Derzeit hilft ein Boarding-Team aus der Slowakei dabei. Ziemlich harte Jungs, die mit ihren breiten Schultern vermutlich des Öfteren für Verstopfungen auf den schmalen Gängen der Fregatte sorgen. Bisher ist die Deutsche Marine einmal auf Waffen gestoßen.

"Eigentlich ist das ja eine Polizeiaufgabe", sagt H. Und er verweist darauf, dass zwischen Polizisten und Militärs Welten lägen, wenn es um den als angemessen wahrgenommenen Druck gehe. Auch das sei eine Herausforderung bei der Übung: "Militärs muss man darauf drillen, erstmal zu reden, und nicht gleich eine Blendgranate ins Zimmer zu werfen."

An Bord der "Gargamel"

Das Übungsszenario ist schnell erklärt: Das internationale Boarding-Team legt mit Speedboats ab. Die Fregatte wird unterdessen zum Übungsterrain mit Statisten und versteckten Waffen. Kehrt das Boarding-Team zurück, ist die Mecklenburg-Vorpommern die "Gargamel" - mit einem Kapitän aus Malta, zwei Libyern und fünf Ägyptern als Crew.

Der Hangar, den das Boarding-Team durchsuchen soll, hat acht Zugänge. Für die zehn Slowaken, die von zwei deutschen Scharfschützen, einem Übersetzer und mehreren Feldjägern unterstützt werden, ist das viel. "Wenn wir das sicher hinbekommen, ist das immens", sagt H. Anders als im klassischen Häuserkampf sei es mit so wenig Personal kaum möglich, jeden Zugang zu kontrollieren. "Da bräuchten wir 40 Leute."

Was an Tag 2 geschah, lesen Sie hier.

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Quelle: n-tv.de

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