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Mit Atomwaffen zu Ansehen und Macht: Ali Chameinei, Revolutionsführer und geistliches Oberhaupt der Islamischen Republik.
Mit Atomwaffen zu Ansehen und Macht: Ali Chameinei, Revolutionsführer und geistliches Oberhaupt der Islamischen Republik.(Foto: REUTERS)

Die USA und der Iran-Konflikt: Welches Spiel spielt Teheran?

Am Persischen Golf wächst die Angst vor einem neuen Krieg: Mit jedem Schritt der Konfliktparteien Iran und USA scheint die Gefahr einer militärischen Eskalation weiter zu wachsen. Was verbirgt sich hinter den schrillen Tönen?

Der Kern des Problems beschäftigt die Welt schon seit Jahren: Länger als ein Jahrzehnt dauert er schon, der Streit um das iranische Atomprogramm. Strebt Teheran nach der Bombe? Um diese Frage drehen sich letztendlich alle Drohgebärden rund um die Straße von Hormus: Das große Seemanöver der iranischen Marine, die US-amerikanische Waffenschau mit Flugzeugträgern, die lautstark kommentierten Tests mit Torpedos, Schnellbooten oder neuartigen Mittelstreckenraketen - das alles sind nur oberflächliche Entwicklungen in einem tiefsitzenden Konflikt.

Mullah mit Flinte:
Das Schießsportzentrum in Teheran liegt in einem Komplex namens "Freiheit".
Mullah mit Flinte: Das Schießsportzentrum in Teheran liegt in einem Komplex namens "Freiheit".(Foto: AP)

Um was geht es wirklich? Der Westen, allen voran die USA, wirft dem Iran vor, unter dem Mantel der zivilen Nutzung zur Energieerzeugung heimlich ein nukleares Waffenarsenal aufzubauen. Die Führung in Teheran bestreitet das, nutzt aber jede Gelegenheit, ihr Atomprogramm vor internationalen Beobachtern abzuschotten. Dabei wäre es für die Iraner ein Leichtes, den Verdacht böser Absichten zu entkräften. Doch Teheran weigert sich beharrlich, das Atomprogramm der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) offenzulegen.

Ein weiterer Punkt bereitet Beobachtern große Sorge: Nach einer mysteriösen Explosion im Umfeld einer iranischen Forschungseinrichtung verlegt der Iran seine Arbeiten zunehmend in Iran reichert Uran in Bunker an . Mit rein wirtschaftlichen Zielsetzungen wie etwa dem Einstieg in die nukleare Stromerzeugung lässt sich dieser Aufwand längst nicht mehr erklären. Denn an Energiequellen herrscht im Iran eigentlich kein Mangel: Großzügige Vorkommen machen die Islamische Republik unabhängig von Importen. Im Boden des Iran schlummert sogar so viel Öl und Erdgas, dass es für den Export reicht, spotten Analysten.

Eine Meerenge als Faustpfand

Dazu ein paar Eckdaten zur Einordnung: Derzeit fördert der Iran etwa 3,5 Millionen Fass Rohöl pro Tag. Rund drei Viertel seiner gesamten Ölproduktion verkauft er ins Ausland. Zusammen mit den Erdgas-Exporten bewegen sich die Einnahmen in einer Größenordnung von etwa 100 Mrd. US-Dollar pro Jahr, abhängig wohlgemerkt von den Preisen am Weltmarkt. Im Kreis der Opec-Staaten ist der Iran der zweitgrößte Ölproduzent. Knapp 20 Prozent des iranischen Öls gehen an EU-Staaten. Innerhalb Europas ist vor allem die griechische Wirtschaft auf die Ölimporte aus dem Iran angewiesen. Griechenland bezieht mehr als 20 Prozent seiner Öleinfuhren aus iranischen Quellen. In Italien liegt der Anteil bei 13,3 Prozent. Wichtigster Abnehmer sind jedoch die Chinesen.

Die Straße von Hormus ist derzeit ein Zankapfel.
Die Straße von Hormus ist derzeit ein Zankapfel.(Foto: AP)

Im Machtpoker mit dem Westen ist die Iran schürt die Angst ums Öl dann auch nichts anderes als das derzeit wichtigste Faustpfand des Iran: Die strategische Bedeutung der Schifffahrtsstraße ist allen Beteiligten bewusst. Auf dem Weg an den Weltmarkt muss ein Großteil des in der Golfregion geförderten Öls diese Engstelle passieren. Über hunderte Seemeilen bleiben die schwerfälligen Tanker in der Iran bedroht Flugzeugträger .

Ob das nun Schnellboote, Minenleger oder Anti-Schiffsraketen sind, ist für den Weltmarkt vollkommen egal. Der erste scharfe Schuss am Golf würde die Öltransporte über den Umweg der Versicherungsprämien massiv verteuern. Eine komplette Blockade nach allen Regeln des Kriegshandwerks muss die iranische Marine gar nicht leisten. Das wäre auch nicht sinnvoll: Schließlich braucht Teheran das Geld aus dem Export an neutrale Staaten wie China oder etwa auch Südkorea.

Alternativ-Routen durch die Wüste

Tatsächlich weist die Front gegen den Iran große Lücken auf. So bittet zum Beispiel Südkorea darum, sich nicht an den neuen Strafmaßnahmen zur weiteren Einschränkung iranischer Ölexporte beteiligen zu müssen. "Wir können es uns nicht leisten, diese wichtige Ölquelle zu verlieren", heißt es aus südkoreanischen Regierungskreisen. Auch China lehnt neue Iran-Sanktionen aus ähnlichen Gründen ab - nur wird in Peking nicht so offen darüber gesprochen.

Die Drohungen des Iran zeigen unterdessen Wirkung: Der Ölpreis bleibt unverändert hoch. Über kurz oder lang bekommt das die US-Wirtschaft schmerzlich zu spüren. Und die von einer Sperrung ihrer Exportrouten bedrohten Förderstaaten denken bereits intensiv über Alternativen nach, etwa über Pipelines durch die Wüste. Ein solches Projekt treiben die Vereinigten Emirate unter Hochdruck voran. Schon im Sommer soll eine Rohrleitung zwischen Abu Dhabi und Fudschaira am Golf von Oman in Betrieb gehen.

Strategiespiel mit Geld und Kriegsschiffen

Waffenschau am Golf: Eine Rakete vom Typ "Qader" kurz nach dem Start.
Waffenschau am Golf: Eine Rakete vom Typ "Qader" kurz nach dem Start.(Foto: Reuters)

Die USA wiederum bringen im Machtpoker mit dem Iran ihre USA kosten Triumph aus ins Spiel, treiben die außenpolitische Isolierung des Landes voran und setzen ansonsten auf zunehmend verschärfte Handelsbeschränkungen. Hochrangige US-Militärs gehen davon aus, dass der Iran USA verteilen Abfangraketen ist. Um Teheran doch noch zum Einlenken zu bewegen, wollen EU und USA neue Sanktionen gegen den Iran verhängen. Schon bald könnte EU-Sanktionen kommen früher fallen. Besonders schmerzhaft: US-Präsident Barack Obama hatte noch am Silvestertag ein Gesetz auf den Weg gebracht, das die Iran feuert "Qader" und "Nasr" ab bei Abwicklung ihrer Ölgeschäfte behindert.

Für Washington ist das eine Trumpfkarte, die jede Blockade-Drohung in der Straße von Hormus sticht: Der iranische Staatshaushalts stützt sich zu großen Teilen auf die Iran geht auf Westen zu . Abgesehen vom Rohstoffexport hat die staatlich gelenkte Wirtschaft des Landes den internationalen Märkten nicht viel zu bieten. Die Bevölkerung leidet unter Symptomen der Misswirtschaft wie einem aufgeblähten Verwaltungsapparat, staatlichen Einschränkungen für Unternehmer, Korruption, mangelhaften Bildungsangeboten und einer hohe Arbeitslosenrate.

Wozu braucht Teheran die Bombe?

Ohne diese Hintergründe lassen sich die aktuellen Spannungen am Golf kaum durchschauen. Die zahlreichen diplomatischen, kulturellen und ideologischen Dimensionen machen die Auseinandersetzung unübersichtlich. Dazu kommen außen- und innenpolitische Befindlichkeiten in Washington und Teheran: Im Streit um das iranische Atomprogramm drohen sich die Beteiligten in dem Geflecht ihrer Interessen heillos zu verheddern. Dabei sind die Kosten der gesamten Angelegenheit schon jetzt enorm - ganz zu schweigen von den politischen Risiken in einer ohnehin instabilen Region.

Bleibt nur die Frage, warum der Iran überhaupt nach einer Bombe strebt. Was treibt die Führung in Teheran an? Die Antwort liegt nahe: Kernwaffen - ob nun ihr tatsächlicher Besitz oder die Fähigkeiten zum Bau – sollen das wirtschaftlich geschwächte Land über Nacht in eine nukleare Großmacht verwandeln. Die geistlichen Führer hinter Präsident Mahmud Ahmadinedschad beanspruchen die Rolle einer islamischen Führungsmacht. Mit aggressiver Rhetorik gegen Israel, den Einfluss des Westens und den allgemeinen Sittenverfall werben sie um Zustimmung in der islamischen Welt.

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Dabei verkennen sie offenbar ihre eigene Lage: Nach der umstrittenen Präsidentenwahl 2009 ließen sich die nur noch mühsam unterdrücken. Seitdem werden die Ajatollah prangert Facebook an zwar scharf überwacht. Immer wieder präsentieren die Geheimdienste Iran greift zu drastischen Mitteln . Doch die Bewegung des "arabischen Frühlings" in Staaten wie Tunesien, Libyen, Ägypten und auch Syrien zeigt: In weiten Teilen der islamischen Welt sucht die einfache Bevölkerung längst nach eigenen Wegen zu Freiheit und Selbstbestimmung. Geistliche Führung aus Teheran wünscht sich niemand.

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Quelle: n-tv.de

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