Politik
Bombenangriff in Aleppo. Ein junger Mann hat ein Mädchen aus den Trümmern gerettet.
Bombenangriff in Aleppo. Ein junger Mann hat ein Mädchen aus den Trümmern gerettet.(Foto: dpa)

Der tägliche Schrecken in Syrien: Wenn Erklärungen nicht mehr helfen

Ein Gastbeitrag von Muhannad Hadi, WFP

Das Leben in Syrien ist ein Alptraum, aus dem es kein Erwachen gibt: Millionen Menschen irren durch das zerstörte Land, hausen in Trümmern, in ständiger Angst vor Granaten und Scharfschützen. Und das ist noch nicht alles.

Syriens unerbittlicher Bürgerkrieg geht nun bereits ins vierte Jahr. Ein Ende ist nicht in Sicht, die Folgen sind für Millionen Menschen tiefgreifend: Sie haben alles verloren.

Wie viele syrische Kinder wachsen heute auf und kennen nichts anderes als Krieg? Wie viele wurden beim Knallen von Schüssen und Bombenexplosionen geboren? Warum gehen so viele von ihnen hungrig schlafen? Ich habe selbst drei Söhne und diese Fragen machen mir sehr zu schaffen. 

Muhannad Hadi ist der Nothilfekoordinator für die Syrienkrise des UN World Food Programme (WFP).
Muhannad Hadi ist der Nothilfekoordinator für die Syrienkrise des UN World Food Programme (WFP).(Foto: WFP/Syrien)

Erst letzte Nacht wurden Hunderte syrische Familien auseinandergerissen, als Mütter und Kinder im Schutz der Nacht die Grenze überquerten, um in der Fremde Sicherheit zu finden. Heute Morgen drängen sich erschöpfte Flüchtlinge an den Grenzen und warten auf das, was kommen mag. Im selben Moment versuchen andere, sich an ihr Leben im Flüchtlingslager zu gewöhnen: ein Gefühl von Obdachlosigkeit, Verwirrung und Verlust überkommt sie. Diese Szenen haben sich, wie ein immer wiederkehrender Alptraum, jeden einzelnen Tag der letzten drei Jahre für Millionen Syrer beständig wiederholt – und sie dauern an.

Währenddessen hasten die Menschen in Syrien durch die Straßen, um den Raketen und Granaten zu entkommen, die ihre Häuser zerstören. Sie riskieren ihr Leben beim Versuch, die Frontlinien zu überqueren und so den Kämpfen um sie herum zu entfliehen. Einige Frauen erreichen das Krankenhaus rechtzeitig, um ihre Kinder zu gebären, andere nicht. Manche können ihre Kinder nur umarmen, ihre Ohren zuhalten und versuchen, die entsetzlichen Geräusche des Krieges zu dämpfen.

3000 Laster täglich

Spendenkonten für Syrien

Ärzte ohne Grenzen
Spendenkonto: 97 0 97
BLZ 370 205 00
Bank für Sozialwirtschaft
Stichwort: Kontext Syrien

WFP
Kontoinhaber Maecenata Stiftung
Kontonummer 88 78 700
BLZ 700 205 00
Bank für Sozialwirtschaft
Stichwort: WFP – Ihr Name und Ihre Adresse

Angesichts des nicht enden wollenden Krieges ist es die größte Herausforderung des UN World Food Programme (WFP), diese Menschen in Syrien zu erreichen. Obwohl wir täglich mehr als 3.000 Trucks auf den Straßen im Land im Einsatz haben, die sich einen Weg durch hunderte Kontrollpunkte bahnen und Fronten passieren, spüren die Menschen – darunter vor allem Frauen und Kinder – jeden Tag den stechenden Schmerz des Hungers. Einige, in Gegenden, die wir nicht erreichen können, sind stark unterernährt.

Es gibt Eltern, die gezwungen sind Blätter, Wurzeln und Gras zu sammeln im verzweifelten Versuch, den Hunger ihrer Kinder zu stillen. Sie können nicht begreifen, warum diese tägliche Schmach nun ihre Realität geworden ist. Welche Entschuldigung haben wir gegenüber syrischen Müttern, die ihren Kindern kein Essen geben können? Erklärungen wie "Zugangsbeschränkungen", "Finanzierungslücken" und "Straßenblockaden" sind für ein hungriges Kind oder eine verzweifelte Mutter in Syrien nicht hinnehmbar.

Syrien war vor gerade einmal drei Jahren noch ein lebhaftes Land im Mittleren Osten, bekannt für seine Geschichte, seine Kultur und seine Küche. Die Menschen kamen in Scharen aus aller Welt, um die historischen Landschaften und Städte zu besuchen. Ich erinnere mich, wie es war, dort zu leben und für WFP zu arbeiten. Was einst strahlte, ist nun verblasst, was einst vor Leben sprühte, ist nun verlassen, was einst Syrien war, ist nun nur noch Krieg und Ruinen.

Kein Kind sollte hungern. Kein Kind sollte vom Geräusch der Schüsse aufwachen und in ständiger Angst leben. Keine Mutter, kein Vater sollte sich für das schämen müssen, wozu sie vor den Augen ihrer Kinder gezwungen wurden, um zu überleben. Jeder von uns kann etwas tun, um das furchtbare Leid der Syrer zu beenden. Es gibt unzählige Wege, wie wir helfen können, ob als Einzelne, Gruppen oder Regierungen. Was immer Sie tun, denken Sie an den Schmerz in den Augen der Kinder und Eltern in den umkämpften Gebieten – und dass wir ihnen wieder Hoffnung geben können.

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Quelle: n-tv.de

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