Politik
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Montag, 05. September 2016

Männlich und besorgt: Wer hat in Meck-Pomm die AfD gewählt?

Von Johannes Graf

Aus dem Stand 21 Prozent: Wieder schüttelt die AfD in einem Landesparlament die Verhältnisse durcheinander. Wer sind die Menschen, die der jungen Partei zu diesem Erfolg verholfen haben?

Knapp 21 Prozent der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern, die zur Wahl gegangen sind, haben sich für die Alternative für Deutschland entschieden. Eine Partei, die im Wesentlichen mit bundespolitischen Themen Wahlkampf geführt hat. Eine Partei, die bisher im Schweriner Parlament nicht vertreten war. Eine Partei, deren Spitzenkandidat zwar in der Landeshauptstadt geboren wurde, heute jedoch im bürgerlichen Berliner Bezirk Prenzlauer Berg zuhause ist.

In Berlin erschrecken die Parteien darüber nach den drei Wahlen im März, bei der die AfD ebenfalls stark abschnitt, nicht mehr so sehr. Für viele Menschen im Land ist es aber noch immer schwer zu verstehen, wie die AfD aus dem Stand so erfolgreich sein kann. "Schreck-Pomm" titelt die "Bild"-Zeitung am Montag. Also: Wer wählt diese AfD?

Was haben AfD-Wähler bisher gewählt?

Die AfD hat sich bei der Wählerschaft praktisch aller bis dahin im Parlament vertretenen Parteien bedient. In absoluten Zahlen hat die CDU die meisten Wähler abgegeben. Laut Infratest dimap waren es 22.000. Fast ebenso viele, 20.000 Menschen, wählten 2011 noch die NPD, die am Wahlabend aus dem Landtag flog. Unangenehm auch der Befund für die Parteien am linken Ende des Parteienspektrums: Linke und SPD haben jeweils erhebliche Anteile an die AfD abgegeben.

Ein positiver Befund des Wahlabends lautet: Mehr Wahlberechtigte beteiligten sich als noch 2011. 61,6 Prozent machten von ihrem Stimmrecht Gebrauch, ein Plus von rund 10 Prozentpunkten. Die Mobilisierung von Nichtwählern kommt vor allem der AfD zugute: 55.000 entschieden sich am Sonntag für den parlamentarischen Newcomer. Bisherige Nichtwähler machen zwei Fünftel der AfD-Wählerschaft aus. Sind die AfD-Wähler also die Abgehängten, die, die sich von keiner anderen Partei mehr verstanden fühlten?

Aus welchen Schichten kommen AfD-Wähler?

Die Wähler der AfD sind überwiegend Männer. 25 Prozent der männlichen Wähler gaben laut Infratest dimap der AfD ihre Stimme – bei einem Gesamtanteil von 21 Prozent. Unter den Frauen votierten nur 16 Prozent für die AfD.

Die Altersstruktur der AfD-Wähler ist recht homogen. In praktisch allen Altersgruppen schneidet die AfD gut ab. Einzig bei den ganz Jungen (18-24 Jahre) und bei den ganz Alten (über 70) fällt das Ergebnis ein wenig ab. Nur 13 Prozent der Erstwähler stimmten für die AfD.

Der AfD ist es gelungen, ein breites gesellschaftliches Spektrum anzusprechen. Überrepräsentiert sind Arbeiter, Arbeitslose und Selbstständige: Sie wählten zu 33, 29 respektive 27 Prozent die AfD. Unter Angestellten und Rentnern ist sie dagegen leicht unter ihrem Gesamtniveau vertreten.

Was bewegt sie?

Aufschluss über die Gedankenwelt von AfD-Wählern in Mecklenburg-Vorpommern geben ihre Antworten auf Fragen nach der Stimmabgabe. Ihnen geht es überproportional um bundespolitische Themen, vornehmlich die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel. Das Abschneiden der AfD in Schwerin ist als Denkzettel für die Große Koalition in Berlin gemeint.

100 Prozent der Befragten finden es gut, dass die AfD den Zuzug von Ausländern und Flüchtlingen begrenzen will – wohlgemerkt in einem Bundesland, das weitgehend von Migranten verschont geblieben ist. 95 Prozent heißen es gut, das die AfD die Ausbreitung des Islam in Deutschland verhindern will. Für AfD-Wähler war die Flüchtlingspolitik das wichtigste wahlentscheidende Thema.

Dabei bedient die AfD Abstiegsängste der Wähler. 83 Prozent ihrer Anhänger finden, für Flüchtlinge werde mehr getan als für die einheimische Bevölkerung. 97 Prozent fürchten, die Sozialabgaben werden durch den Zuzug zu stark steigen. Und 74 Prozent fürchten konkret um "unseren Wohlstand".

Die AfD verknüpft offenbar erfolgreich die Flüchtlingsfrage mit Sorgen der Menschen um ihre Sicherheit. 94 Prozent ihrer Wähler glauben, die AfD verstehe es besser als andere, dass sich viele nicht mehr sicher fühlen. Bei Sicherheit und Kriminalitätsbekämpfung sehen sie die größten Kompetenzen der AfD.

Ein dritter wichtiger Aspekt ist der Protest. Alle befragten AfD-Wähler finden, die Partei spreche klar aus, was andere Parteien nicht offen sagen. 67 Prozent gaben an, die AfD gewählt zu haben, weil sie von anderen Parteien enttäuscht sind, nur 24 Prozent sind von der AfD überzeugt.

Quelle: n-tv.de

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