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SPD fordert Aufklärung in Wulff-Affäre: Wer streute die Rotlichtgerüchte?

Für Bettina Wulff ist es ein Kampf um ihre Ehre: Mehrere Medien erklären, Gerüchte über ihr angebliches Vorleben als Prostituierte nicht mehr weiter zu verbreiten - zuletzt auch TV-Moderator Jauch. Das will der Talker jedoch nicht als Schuldeingeständnis verstanden wissen. Offen ist aber auch weiter die Frage, wer die Unwahrheiten in die Welt gesetzt hat.

Ein Tag nach der medialen und juristischen Gegenattacke von Ex-First-Lady Bettina Wulff stehen für die SPD noch einige ungeklärte Fragen im Raum. Die Sozialdemokraten fordern nun von Niedersachsens CDU-Chef und Ministerpräsident David McAllister einzugreifen. McAllister müsse "die Vorwürfe schnell aufklären", sagte der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, der "Bild am Sonntag".

In David McAllisters Landesverband sollen die Gerüchte geboren worden sein.
In David McAllisters Landesverband sollen die Gerüchte geboren worden sein.(Foto: dapd)

Oppermann bezieht sich auf den Teil des Berichts der "Süddeutschen Zeitung", in dem der Verdacht geäußert wird, dass die Gerüchte über eine angebliche Rotlichtvergangenheit der damaligen Ministerpräsidentengattin im Jahr 2006 gezielt von parteiinternen Gegnern ihres Mannes Christian Wulff in Hannover gestreut worden seien. Die falschen Angaben über Bettina Wulff wurden dann im Umfeld der Präsidentschaftswahl 2010 und im Zuge der Affäre um Christian Wulff im Winter 2011 und Frühjahr 2012 immer wieder zitiert.

McAllister, der Wulff nach seinem Wechsel in das Amt des Bundespräsidenten als niedersächsischer Parteivorsitzender und Ministerpräsident nachfolgte, wollte sich auf Nachfrage der "Bild am Sonntag" nicht zu dem Verdacht äußern, dass es sich bei den Gerüchten um eine parteiinterne Intrige handelte.

Jauch verteidigt sich

Indessen geht die juristische Auseinandersetzung von Bettina Wulff mit solchen Medien weiter, die die Gerüchte über sie weitertrugen. Von 35 Bloggern und Medien hat die 38-Jährige schon entsprechende Unterlassungserklärungen erwirkt. Der Suchmaschinenkonzern Google widersetzt sich dagegen noch.

Günther Jauch will nur zitiert haben.
Günther Jauch will nur zitiert haben.(Foto: dapd)

Zuletzt hatte auch TV-Moderator Günther Jauch klein beigegeben. Nachdem über die Klage gegen ihn berichtet worden war, hatte er über seinen Anwalt die strafbewehrte Erklärung abgegeben, Gerüchte über Wulff nicht mehr weiterzugeben.

Im Übrigen verteidigte er dagegen über seinen Anwalt Christian Schertz sein Vorgehen. In einem Schreiben lässt Jauch gegenüber der ARD ausrichten: "Ich habe niemals über Frau Wulff eine falsche Tatsachenbehauptung aufgestellt, sondern lediglich aus einem Artikel der 'Berliner Zeitung' zitiert", heißt es. "Wer daraus eine Herabsetzung von Frau Wulff konstruiert, liegt daneben." Er habe jedoch kein Interesse an einer Auseinandersetzung mit Wulff.

Wulff geht gegen Google vor

Tatsächlich hatte Jauch in der strittigen Talksendung am 18. Dezember 2011 nicht direkt die angebliche Rotlichtvergangenheit Wulffs behauptet. Er sagte damals mit Bezug auf den Zeitungsbericht, in Berlin werde "gemunkelt", die "Bild"-Zeitung könne "mit einer Geschichte über das frühere Lebens Bettina Wulffs aufwarten. Angeblich verfügt die Redaktion über Informationen, die bisher auf Weisung von ganz oben nicht gedruckt werden dürfen. Aus Respekt vor dem Amt des Bundespräsidenten".

Die Angriffe galten Christian Wulff, doch sie trafen Gattin Bettina.
Die Angriffe galten Christian Wulff, doch sie trafen Gattin Bettina.(Foto: dapd)

Jauch hatte in der Sendung erklärt, er finde diesen Beitrag "besonders interessant". In derselben Sendung erklärte der stellvertretende Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, Nikolaus Blome, dass der Bericht der "Berliner Zeitung" falsch sei. Aus Sicht von Bettina Wulff hatte der Moderator damit die im Netz kursierenden Gerüchte und Denunziationen erst gesellschaftsfähig gemacht.

Zudem klagt Wulff weiter gegen den Google-Konzern. Damit will sie verhindern, dass bei Eingabe ihres Namens automatisch Suchbegriffe wie "Rotlichtvergangenheit" oder "Escort" auftauchten. Die Vervollständigungsfunktion der Suchmaschine bietet während der Eingabe von Begriffen weitere Begriffe an, die besonders häufig miteinander kombiniert eingegeben werden.

Mehrere ähnliche Fälle anhängig

Der Internetkonzern erklärte, die Autovervollständigenfunktion spiegele lediglich die Suchanfragen wider. Google nehme keinen Einfluss auf die vorgeschlagenen Suchbegriffe, sagte Sprecher Kay Oberbeck. Die angezeigten Begriffe seien das algorithmisch erzeugte Resultat mehrerer objektiver Faktoren, inklusive der Popularität der eingegebenen Suchbegriffe. "Google schlägt diese Begriffe nicht selbst vor - sämtliche in Autovervollständigung angezeigten Begriffe wurden zuvor von Google-Nutzern eingegeben", betonte Oberbeck. Es sei keine Meinungsäußerung, sondern ein Spiegelbild bisheriger Suchanfragen.

Google führte in Deutschland bereits fünf ähnliche Verfahren und habe alle gewonnen, eines davon bereits auch in zweiter Instanz. Man sei mit Wulffs Anwälten schon länger im Gespräch über angezeigte Suchergebnisse gewesen - Google löscht auf Aufforderung Inhalte aus seinem Zwischenspeicher. Vor der Klage zur Autovervollständigung habe es jedoch keinen Antrag auf eine Einstweilige Verfügung gegeben.

Quelle: n-tv.de

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