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In Sirte kämpfen Milizen gegen den Islamischen Staat. Vergangenes Wochenende gab es wieder Dutzende Tote. Der IS soll Kämpfer geköpft und gekreuzigt haben.
In Sirte kämpfen Milizen gegen den Islamischen Staat. Vergangenes Wochenende gab es wieder Dutzende Tote. Der IS soll Kämpfer geköpft und gekreuzigt haben.(Foto: REUTERS)

IS köpft und kreuzigt Gegner: Westliche Regierungen appellieren an Libyer

Während sich zwei rivalisierende Regierungen in Libyen nicht einig werden, breitet sich der Islamische Staat weiter aus und begeht unvorstellbare Gräueltaten. Fünf europäische Regierungen und die USA verfassen eine eindringliche Erklärung.

Die USA, die Bundesregierung und vier weitere EU-Länder haben das "barbarische" Vorgehen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in der umkämpften libyschen Stadt Sirte verurteilt. "Wir sind tief beunruhigt über Berichte, wonach die Kämpfer dicht besiedelte Viertel der Stadt bombardiert und willkürliche Gewalttaten begangen haben, um die libysche Bevölkerung zu terrorisieren", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, die vom US-Außenministerium veröffentlicht wurde. Zu den Unterzeichnern gehören auch Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien.

Zum Cartoon: Die beiden rivalisierenden Regierungen stecken den Kopf in den Sand, während der IS in Sirte ungehindert mordet.

Die Dschihadisten hatten die nordlibysche Küstenstadt Sirte im Juni erobert. Bei Gefechten zwischen bewaffneten örtlichen Milizen und IS-Mitgliedern wurden dort in den vergangenen Tagen Dutzende Menschen getötet und verletzt. Ein Vertreter der örtlichen Behörden sprach von einem "wahren Krieg". Nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Lana enthaupteten die Extremisten zwölf gegnerische Kämpfer und hängten ihre Leichen an Kreuzen auf.

In ihrer gemeinsamen Erklärung fordern die westlichen Regierungen die verfeindeten Konfliktparteien in Libyen auf, gemeinsam gegen die IS-Miliz zu kämpfen. Die Lage in Sirte unterstreiche "die dringende Notwendigkeit", eine Regierung der nationalen Einheit in Libyen zu gründen, die mit Unterstützung der internationalen Gemeinschaft Schutz bieten könne gegen "Extremistengruppen, die versuchen, das Land zu destabilisieren". Es gebe "keine militärische Lösung des politischen Konflikts in Libyen".

Tobruk-Regierung bittet Arabische Liga um Hilfe

Die international anerkannte Regierung in Libyen hatte die Mitglieder der Arabischen Liga am Wochenende darum gebeten, "gezielte Luftangriffe gegen die IS-Stellungen in Sirte" zu starten. Sie selbst sei "unfähig, dem IS zu begegnen, wegen des Waffenembargos gegen die Armee", das die Vereinten Nationen 2011 verhängt hatten, erklärte die Regierung.

In Libyen herrschen seit dem Sturz und dem gewaltsamen Tod des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Herbst 2011 Chaos und Gewalt, was sich die IS-Dschihadisten zunehmend zunutze machen. Die Städte werden von rivalisierenden Milizen kontrolliert, während zwei Parlamente und Regierungen die Macht für sich beanspruchen. Im östlichen Tobruk ist das international anerkannte Parlament ansässig, während sich in Tripolis das nicht anerkannte islamistisch dominierte Gegenparlament befindet.

Die Friedensverhandlungen zwischen den Konfliktparteien unter Vermittlung der Uno brachten bislang keinen Erfolg. Italiens Außenminister Paolo Gentiloni warnte davor, Libyen könne zu einem vollends gescheiterten Staat wie Somalia werden, falls die Gespräche nicht in den kommenden Wochen abgeschlossen würden. Die Zeit dränge, besonders angesichts der "alarmierenden" Präsenz des IS in Sirte. Andernfalls drohe ein "neues Somalia direkt vor unserer Küste", warnte Gentiloni.

Quelle: n-tv.de

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