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Von 93 Tornados der Bundeswehr sind derzeit 29 einsatzbereit.
Von 93 Tornados der Bundeswehr sind derzeit 29 einsatzbereit.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Militär-Experte berichtet: Wie steht es um die deutsche Luftwaffe?

Der Militärexperte Hans-Georg Ehrhart glaubt, dass die Luftwaffe ausreichend für ihren geplanten Einsatz in Syrien gewappnet ist. Allerdings nicht ohne Einschränkung.

n-tv.de: Die Einsatzfähigkeit der Maschinen bei der deutschen Luftwaffe ist sehr gering. Zumindest auf dem Papier. Von 93 Tornados sind nur 29 einsatzbereit, weil Ersatzteile fehlen. Ist das in der Praxis ein Problem?

Hans-Georg Ehrhart: Das ist für die Teilnahme am Konflikt in Syrien erstmal kein Problem. Es sind ja ausreichend funktionsfähige Tornados vorhanden. Die Sache kann aber langfristig zum Problem werden. Das Stichwort ist hier die Durchhaltefähigkeit.

Was heißt langfristig?

Es gibt die Befürchtung, dass der Einsatz der Bundeswehr in Syrien bis zu zehn Jahre dauern könnte. Das ist sehr spekulativ. Wäre das der Fall, wäre es besser, mehr Maschinen in der Hinterhand zu haben. Die Jets im Einsatz müssten schließlich nach einer gewissen Zeit gewartet werden.

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Eine Ausweitung, also der Einsatz von mehr Tornados wäre auch nicht ohne weiteres möglich. Die Möglichkeiten der Bundeswehr sind durch die technischen Mängel also tatsächlich beschränkt.

Ja. Aber wenn sich herausstellen sollte, dass der Einsatz tatsächlich Jahre dauern sollte, wäre noch Zeit genug, um etwas zu ändern.

Braucht die Truppe mehr Geld?

Die Bundeswehr kann mit dem Geld, das sie bekommt, auskommen. Es ist ja auch ein bisschen erhöht worden in den vergangenen Jahren.  Voraussetzung ist aber, dass das Geld richtig eingesetzt wird. Es gibt immer noch genug Bereiche, in denen die Truppe ihre Mittel verschwendet.

Welche Bereiche meinen Sie?

Der gesamte Apparat ist noch sehr schwerfällig durch ein Übermaß an Bürokratie. Außerdem schießen die Kosten für neue Systeme immer wieder in unermessliche Höhen. Man versucht zwar, bessere Kontrollmechanismen einzubauen, aber das ist offenbar nicht so einfach.

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Gibt es nicht auch immer wieder Investitionen in Systeme, die gar nicht gebraucht werden?

Das ist eine schwierige Frage. Es kommt darauf an, welches Kriegsbild man zugrunde legt. Nach dem Ende des Kalten Krieges brauchte die Bundeswehr nicht mehr so viele Panzer. Seit der Ukraine-Krise und Russlands Wirken in Osteuropa wird der Bestand jetzt wieder aufgestockt. Das halte ich zum Beispiel für übertrieben. Das Geld könnte man in nützlichere Systeme investieren.

In der Nato und der EU ist seit Jahren von der Notwendigkeit einer vernetzten Strategie bei der Zusammenstellung von Streitkräften die Rede. Setzen die Mitgliedstaaten in ausreichendem Maß darauf, Dopplungen bei der Ausstattung zu verhindern?

Die Mitgliedstaaten arbeiten derzeit nur dort zusammen, wo es gar nicht anders geht. In vielen Bereichen sind sie aber noch sehr auf die eigenen Interessen orientiert. Im Zweifelsfalle versuchen sie, die gesamte Breite der Fähigkeiten vorzuhalten. So sind ja auch die Äußerungen von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen zu verstehen. All das führt natürlich nicht dazu, dass die Streitkräfte der Mitgliedsstaaten effizienter und effektiver werden.

Was hindert die Staaten daran, wirklich zusammenzuarbeiten?

Dahinter steckt ein gewisses Misstrauen, dass andere nicht handeln wollen, wenn Handlungszwang besteht. Ein Grund sind aber auch wirtschaftliche Interessen. Es geht um Waffenproduzenten und Arbeitsplätze. Was den Rüstungssektor angeht, ist Europa noch weitgehend nationalstaatlich organisiert.

Ist Deutschland gut beraten, weiterhin so viele Fähigkeiten vorzuhalten, wie es das derzeit tut?

Ja und nein. Es ist sinnvoll, auf Breite zu setzen, weil wir nicht zu den kleinen Staaten in der Welt gehören. Aber langfristig führt kein Weg an einer weiteren Harmonisierung und Integration vorbei, wenn ein integriertes Europa das Ziel ist. Wir müssen uns von den abgeschotteten nationalen Rüstungsmärkten lösen und einen integrierten europäischen Rüstungsmarkt schaffen. Das gilt so auch für die politischen Strukturen in Europa.

Durch die mangelnde Vernetzung in Nato und EU gibt es ein Überangebot an Fähigkeiten. Trifft das auch auf den Bundeswehreinsatz in Syrien zu? Braucht die Allianz wirklich deutsche Tornados oder sind sie nur ein Symbol?

Natürlich geht es auch um ein Symbol. Die Tornados verfügen aber tatsächlich über Aufklärungsfähigkeiten, die einen Mehrwert für die Allianz darstellen.

Mit Hans-Georg Ehrhart sprach Issio Ehrich

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Quelle: n-tv.de

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