Politik
Umfragen bescheinigten der SPD vor der Bundestagswahl 2005 eine Niederlage, trotzdem konnten die Genossen am Ende weiterregieren.
Umfragen bescheinigten der SPD vor der Bundestagswahl 2005 eine Niederlage, trotzdem konnten die Genossen am Ende weiterregieren.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 17. September 2013

So schnitten die Institute bei den letzten Wahlen ab: Wie zuverlässig sind Wahlumfragen?

Von Christian Rothenberg

Viele sind von ihnen genervt, andere analysieren sie mit Leidenschaft: Umfragen messen die politische Stimmung der Republik im Wochentakt. Bei den letzten Bundestagswahlen gab es dabei immer wieder große Überraschungen - für die Parteien, die Wähler und die Forscher.

Politiker denken gern taktisch. Sind die Werte der eigenen Partei mies, bezeichnen sie Umfragen als wertlos. Die Zahlen seien kein Abbild der Realität und hätten noch dazu einen negativen Einfluss auf die Wähler, heißt es dann häufig. Doch spielen die Ergebnisse der Demoskopen den Abgeordneten in die Karten, ändert sich das Urteil: Dann sind sie herzlich willkommen im Repertoire der wahlkämpfenden Volksvertreter.

Umfragen für die Bundestagswahl
 Allensb. Forsa Forsch.
Wahlen
 Infrat.
Union    40   39     40    40
SPD    25   25     26    28
Grüne   12,5     9     11    10
FDP      6     5      6      5
Linke     7,5   10      8      8
AfD      3     3      4    2,5
Piraten     2,5     3      -    2,5

Eines muss man ihnen lassen: Allensbach, Emnid, Forsa, die Forschungsgruppe Wahlen, GMS und Infratest Dimap wissen immer alles besser und meinen den Ausgang der Bundestagswahl schon seit Monaten zu kennen. Und glaubt man den Meinungsforschungsinstituten, dann könnten die Hochrechnungen am 22. September etwa das folgende Bild abgeben: Union 40 Prozent, SPD 25, Grüne 10, FDP 6, Linke 8, AfD und Piraten jeweils 3. Aber ist das Wahlergebnis wirklich so absehbar?

Mitnichten - am 22. September ist Spannung garantiert. Und zwar nicht nur, weil die Mehrheit der Institute derzeit weder für Schwarz-Gelb noch für Rot-Grün eine Mehrheit sehen. So gierig vor allem viele Politiker den neuen Umfragezahlen Woche für Woche entgegenfiebern: Die Meinungsforscher lagen mit ihren Zahlen immer wieder weit daneben. Wie gut sind die Umfragen also wirklich?

Allensbach ist Rekordhalter

Die Antwort fällt für jede der letzten Wahlen unterschiedlich aus. Nie verfehlten die Demoskopen das Ergebnis in den letzten 15 Jahren so heftig wie 2005. Durchschnittlich knapp 12 Prozentpunkte wichen die Institute vom Endresultat ab. So lag die CDU bei Emnid fünf Tage vor der Wahl bei 42 Prozent. Die damalige Kanzlerkandidatin Angela Merkel holte dann allerdings nur 35,2 Prozent. Auch in anderen Umfragen hatte die Union kurz vorher mehr als sechs Prozentpunkte über ihrem tatsächlichen Ergebnis gelegen. Die Überraschung war perfekt: Die Institute hatten durchgehend eine Mehrheit für Schwarz-Gelb prophezeit, doch am Wahlabend war diese futsch. 2005 bildeten CDU und SPD schließlich eine Große Koalition.

Trotzdem sind die Werte der Forscher relativ zuverlässig. Rekordhalter der letzten 15 Jahre ist Allensbach. So trennten Wahlausgang und Umfrage 1998 nur 2,4 Punkte. Die Forsa-Statistiker von Manfred Güllner verfehlten das Ergebnis 2002 insgesamt nur um 2,7 Prozentpunkte. Auch 2009 konnten die sechs großen Institute zufrieden sein. Sie wichen jeweils nur um einen einstelligen Wert ab. Allensbach, das bei kaum einer Partei um mehr als einen Prozentpunkt daneben lag, kam auf eine Differenz von immerhin vier Punkten. Nimmt man die letzten vier Wahlen zusammen, schnitten die Konstanzer Meinungsforscher unter der Leitung von Renate Köcher am besten ab. Gleich dahinter folgen Infratest und Forsa.

Aber was heißt das für diese Bundestagswahl? Bei der SPD verfolgte man die vergleichsweise mickrigen Werte bei Forsa in den letzten Monaten mit viel Argwohn. "Woher wissen Sie denn, dass diese Umfrageergebnisse die Realität widerspiegeln?", sagte Steinbrück zuletzt n-tv.de. "Wenn die SPD mobilisieren kann, und genau in der Stimmung sind wir im Augenblick, dann sehen die Wahlergebnisse ganz anders aus, als die Umfragen es derzeit suggerieren." Zuletzt machten die Sozialdemokraten bei Forsa einen kleinen Sprung. Womöglich schenken die Genossen den Zahlen damit gleich wieder etwas mehr Aufmerksamkeit als noch zuvor.

 

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Quelle: n-tv.de

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